Schulterschluss für die Zukunft: Vorarlberg fixiert Energieautonomie bis 2030
Bregenz. Es ist ein politisches Signal, das über die Landesgrenzen hinausstrahlt: In der gestrigen Landtagssitzung stimmten alle Fraktionen geschlossen für die Aktualisierung der Energieautonomie-Strategie. Damit erneuert das Land den bereits 2009 initiierten „Vorarlberger Weg“, der darauf abzielt, bis zum Jahr 2050 den gesamten Energiebedarf aus heimischen, erneuerbaren Quellen zu decken.
Angesichts schwankender Energiemärkte und geopolitischer Spannungen – insbesondere mit Blick auf die aktuelle Lage im Iran – gewinnt das Projekt an neuer Dringlichkeit. Energielandesrat Daniel Allgäuer betont, dass der Prozess auf drei zentralen Fundamenten ruht:
Energiesparen: Reduktion des Gesamtverbrauchs.
Energieeffizienz: Intelligente Nutzung der vorhandenen Ressourcen.
Ausbau Erneuerbarer: Massive forcierung von Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse.
„Nur wer seine Energie selbst in der Hand hat, kann Sicherheit, Stabilität und wirtschaftliche Stärke garantieren“, so Allgäuer.
Die nun beschlossenen Schwerpunkte für die Jahre 2026 bis 2030 sind ambitioniert. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Stromversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bestehen. Weitere Kernpunkte sind:
Wärmewende: Umstellung der Raumwärme und Prozessenergie auf nachhaltige Systeme.
Mobilitätswende: Förderung nachhaltiger Verkehrsformen (hier liegt der erneuerbare Anteil aktuell noch bei vergleichsweise niedrigen 7,5 %).
Vorbildfunktion: Die öffentliche Hand soll bei Gebäuden und Flotten als Pionier vorangehen.
Ein seltener politischer Konsens
In den Statements der Energiesprecher wird deutlich, dass das Thema Energie über dem parteipolitischen Kleingeld steht. Während Karin Feurstein-Pichler (VP) die regionale Antwort auf globale Krisen hervorhebt, sieht Joachim Weixlbaumer (FPÖ) in der Autonomie primär ein „Standortprojekt“ zur Sicherung der Wirtschaftskraft.
Daniel Zadra (Grüne) mahnt zur konsequenten Umsetzung trotz Budgetdrucks, während Reinhold Einwallner (SPÖ) die soziale Komponente – die Leistbarkeit für alle Haushalte – unterstreicht. Claudia Gamon (NEOS) spannt den Bogen weiter und sieht Vorarlberg als wichtigen Baustein für eine strategisch unabhängige europäische Energieunion.
Zahlen, Daten, Fakten: Wo steht Vorarlberg?
Faktenbox: Durch den Ausbau von Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik sowie Effizienzmaßnahmen konnte die Abhängigkeit vor allem von Öl und Gas seit dem ersten Beschluss der Energieautonomie 2009 bereits deutlich gesenkt werden. Bereich / Anteil erneuerbarer Energie (aktuell)
Stromversorgung ca. 90 %
Haushalte (Wärme/Energie) ca. 65 %
Verkehr ca. 7,5 %
Vorarlberg hat den Weg aus der Abhängigkeit von Öl und Gas fest im Visier. Der neue Beschluss sichert ab, dass dieser Weg auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ohne Zögern fortgesetzt wird.