Satellitendaten: Polnische Kohlebergwerke setzen trotz EU-Verbots weiter Methan frei
Neue Satellitenanalysen des Energie-Thinktanks Ember zeigen auf, dass fünf polnische Kohlebergwerke im Jahr 2025 weiterhin Methan aus ihren Entwässerungssystemen freigesetzt haben – trotz eines seit Januar 2025 geltenden EU-Verbots.
Die Europäische Union untersagt mit ihrer Methanverordnung das routinemäßige Ablassen von Methan aus Entwässerungssystemen in Kohlebergwerken. Betreiber sind verpflichtet, das Gas entweder energetisch zu nutzen oder mit einer Effizienz von mindestens 99 Prozent abzufackeln.
Laut Ember wurden 22 polnische Entwässerungssysteme untersucht. Bei fünf Anlagen deuten Satellitenbeobachtungen darauf hin, dass im Jahr 2025 weiterhin Methan emittiert wurde. Da sich die Analyse ausschließlich auf öffentlich verfügbare Satellitendaten stützt, könnten weitere Emissionen unentdeckt geblieben sein.
„Satelliten haben die Ära der unsichtbaren Methanemissionen beendet. Da hochauflösende Bilder nun öffentlich verfügbar sind, ist eine unabhängige Überprüfung in greifbarer Nähe“, sagte Adomas Liepa, Erdbeobachtungswissenschaftler bei Ember. Anhaltende Emissionen deuteten auf mögliche Verstöße gegen die EU-Methanverordnung hin. Entscheidend sei nun eine wirksame Durchsetzung der Regeln.
Während mehrere Mitgliedstaaten – darunter Tschechien und Rumänien – ihre nationalen Strafrahmen vollständig oder teilweise an die EU-Vorgaben angepasst haben, hat Polen die Frist zur Vorlage entsprechender Maßnahmen am 5. August 2025 verpasst. Dabei gilt das Land als größter Kohle-Methan-Emittent innerhalb der EU.
„Die EU-Methanverordnung wird nur dann zu nennenswerten Emissionsreduktionen führen, wenn sie ordnungsgemäß durchgesetzt wird. Unabhängige Emissionsprüfungen und abschreckende Strafen bei Nichteinhaltung sind unerlässlich“, betonte Sabina Assan, Senior-Analystin für Kohleminenmethan bei Ember.
Methan aus Entwässerungssystemen von Kohlebergwerken ist energiereich und kann aufgefangen und genutzt werden. Nach Schätzungen von Ember hätte das im Jahr 2024 aus polnischen Kohlebergwerken entwichene Methan – bei entsprechender Nutzung – genug Energie geliefert, um rund 14,5 Millionen polnische Haushalte eine Woche lang zu beheizen.
Die aktuellen Erkenntnisse verdeutlichen, dass technologische Transparenz durch Satellitenüberwachung zwar neue Kontrollmöglichkeiten schafft – entscheidend für reale Emissionsminderungen bleibt jedoch eine konsequente Umsetzung und Durchsetzung der bestehenden EU-Regeln.