Rübenbauern: Schultes protestiert gegen Ethanol-Import aus Brasilien
Heftigen Protest gegen das Angebot der EU-Kommission an den südamerikanischen Handelsblock Mercosur (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay), über den zollfreien Import von 1 Mio. t (12 Mio. hl) Bioethanol (Biosprit als Zusatz zu Benzin) aus Rohrzucker in die EU, legte heute der Präsident der "Rübenbauern", Hermann Schultes, ein. "Damit entzieht sich die EU die Grundlage für die im Mai 2003 mit ihrer Biokraftstoff-Richtlinie eingeschlagene Strategie, die Abhängigkeit von Treibstoffen auf Erdölbasis zu verringern, die Versorgungssicherheit zu verbessern, positive Umwelteffekte zu erzielen sowie der ländlichen Wirtschaft durch neue Einkommensquellen neue Impulse zu verleihen."
"Wie soll jemand für Investitionen in den Aufbau einer Bioethanol-Industrie gewonnen werden, wenn gleichzeitig der Markt mit billigem Ethanol aus Brasilien überschwemmt wird?", fragte Schultes. Das Importkontingent der EU von 12 Mio. hl ist vor allem auf Brasilien, mit einer Produktionskapazität von 140 Mio. hl weltgrößter Alkoholerzeuger, ausgerichtet. Die EU erzeugt derzeit 17 Mio. hl landwirtschaftlichen Alkohol, davon 4 Mio. hl als Treibstoffzusatz. Die Biokraftstoff-Richtlinie setzt den Mitgliedsstaaten zum Ziel, bis Ende 2005 einen Bioethanol-Anteil im Benzin von 2% (rund 34 Mio. hl) und 2010 von 5,75%, das sind rund 100 Mio. hl, zu erreichen. Demnach würde die EU auf Basis des erwarteten Verbrauchs 2005 mehr als ein Drittel ihres in Aufbau befindlichen Bioethanol-Markts an Billig-Konkurrenz abtreten und entsprechenden Preisdruck provozieren. Schultes: "So hat dieser Markt nie eine Chance, sich zu entwickeln, zu wachsen und vor allem sich längerfristig selbst zu tragen."
Neue Abhängigkeit in Versorgung - kein Vorteil für Umwelt
Für Schultes ist es "daher völlig kontraproduktiv, die in Aufbau befindliche Bioethanol-Erzeugung in der EU dafür zu opfern, sich aus vermeintlich höherrangigen wirtschaftlichen Interessen bei Brasilien Liebkind machen zu wollen". Schließlich hieße dies für die EU auch, die Ziele in der Versorgungssicherheit und Verbesserung der Umwelt in der EU aus der Biokraftstoff-Richtlinie zu opfern: "Brasilien exportiert Bioethanol in Abhängigkeit vom Erdöl-Preis. Ist Öl billig,überschwemmen sie den Weltmarkt mit Bioethanol. Kostet Erdöl viel, lassen die Brasilianer ihre Exportkunden im Stich und füllen ihren Biosprit selbst in den Tank, um ihre Ölrechnung geringer zu halten. Dann versiegt auch für uns im Fall von Versorgungsengpässen diese Biokraftstoff-Quelle. Wir tauschen dabei nur die Abhängigkeit vonÖlscheichs gegen die von brasilianischen Zuckerbaronen. Auch habe ich ethische Bedenken, weil die Plantagenwirtschaft Brasiliens nur auf Kosten der Missachtung der sozialen Rechte sklavenähnlich gehaltener Landarbeiter und auf Kosten der Umwelt, der tropischen Naturlandschaft, so billig sein kann. Wie soll ein Autofahrer guten Gewissens grünen Sprit in den Tank füllen, wenn er wissen muss, dass Europa dabei seine Umweltziele verraten und sogar der Umweltzerstörung in Übersee Vorschub geleistet hat?"
Europa wegen hoher Standards teurer - massive Subvention in Brasilien
"Naturgemäß ist europäische Produktion teurer, weil sie strengen Vorgaben für umweltorientierte und nachhaltige Landwirtschaft erfüllen muss. Für den Aufbau der Biosprit-Industrie in Europa gelten strenge Maßstäbe, um unerlaubte Subvention auszuschließen. Dagegen hat die brasilianische Biosprit-Industrie ihre hohe Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in der Vergangenheit stetig und ungestört ausbauen können, weil sie massive Unterstützung vom Staat bekommen hat", so Schultes.
Hunderttausende Arbeitsplätze und Chance für Landwirtschaft
"Aber gerade der Aufbau einer Bioethanol-Produktion in Europa ist nicht nur wegen der damit verbundenen hunderttausenden Arbeitsplätze wichtig, sondern auch für die Landwirtschaft. Gerade jetzt, wo Brasilien und Co. in der Doha-Runde der Welthandelsorganisation den Produktionsrahmen der EU beim Zucker drastisch einschränken wollen, wäre für uns Rübenbauern eine alternative Verarbeitung der Rüben zu Bioalkohol eine dringend notwendige Zukunftsaussicht."
Aber auch für andere landwirtschaftliche Produktionszweige, die immer mehr unter den Einschränkungen von Exportmöglichkeiten durch die WTO leiden, wäre die Bioalkohol-Schiene gerade nach der Erweiterung der EU und dem Zuwachs bedeutenden Produktionspotenzials notwendig. Schultes: "Das Ziel von 5,75% Bioethanol-Anteil im EU-Benzin 2010 heißt eine Absatzchance für mehr als 28 Mio. t Getreide. Das sind rund 10% des Getreideertrags der EU-25!" (Schluss)
*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***
OTS0240 2004-05-26/14:09
"Wie soll jemand für Investitionen in den Aufbau einer Bioethanol-Industrie gewonnen werden, wenn gleichzeitig der Markt mit billigem Ethanol aus Brasilien überschwemmt wird?", fragte Schultes. Das Importkontingent der EU von 12 Mio. hl ist vor allem auf Brasilien, mit einer Produktionskapazität von 140 Mio. hl weltgrößter Alkoholerzeuger, ausgerichtet. Die EU erzeugt derzeit 17 Mio. hl landwirtschaftlichen Alkohol, davon 4 Mio. hl als Treibstoffzusatz. Die Biokraftstoff-Richtlinie setzt den Mitgliedsstaaten zum Ziel, bis Ende 2005 einen Bioethanol-Anteil im Benzin von 2% (rund 34 Mio. hl) und 2010 von 5,75%, das sind rund 100 Mio. hl, zu erreichen. Demnach würde die EU auf Basis des erwarteten Verbrauchs 2005 mehr als ein Drittel ihres in Aufbau befindlichen Bioethanol-Markts an Billig-Konkurrenz abtreten und entsprechenden Preisdruck provozieren. Schultes: "So hat dieser Markt nie eine Chance, sich zu entwickeln, zu wachsen und vor allem sich längerfristig selbst zu tragen."
Neue Abhängigkeit in Versorgung - kein Vorteil für Umwelt
Für Schultes ist es "daher völlig kontraproduktiv, die in Aufbau befindliche Bioethanol-Erzeugung in der EU dafür zu opfern, sich aus vermeintlich höherrangigen wirtschaftlichen Interessen bei Brasilien Liebkind machen zu wollen". Schließlich hieße dies für die EU auch, die Ziele in der Versorgungssicherheit und Verbesserung der Umwelt in der EU aus der Biokraftstoff-Richtlinie zu opfern: "Brasilien exportiert Bioethanol in Abhängigkeit vom Erdöl-Preis. Ist Öl billig,überschwemmen sie den Weltmarkt mit Bioethanol. Kostet Erdöl viel, lassen die Brasilianer ihre Exportkunden im Stich und füllen ihren Biosprit selbst in den Tank, um ihre Ölrechnung geringer zu halten. Dann versiegt auch für uns im Fall von Versorgungsengpässen diese Biokraftstoff-Quelle. Wir tauschen dabei nur die Abhängigkeit vonÖlscheichs gegen die von brasilianischen Zuckerbaronen. Auch habe ich ethische Bedenken, weil die Plantagenwirtschaft Brasiliens nur auf Kosten der Missachtung der sozialen Rechte sklavenähnlich gehaltener Landarbeiter und auf Kosten der Umwelt, der tropischen Naturlandschaft, so billig sein kann. Wie soll ein Autofahrer guten Gewissens grünen Sprit in den Tank füllen, wenn er wissen muss, dass Europa dabei seine Umweltziele verraten und sogar der Umweltzerstörung in Übersee Vorschub geleistet hat?"
Europa wegen hoher Standards teurer - massive Subvention in Brasilien
"Naturgemäß ist europäische Produktion teurer, weil sie strengen Vorgaben für umweltorientierte und nachhaltige Landwirtschaft erfüllen muss. Für den Aufbau der Biosprit-Industrie in Europa gelten strenge Maßstäbe, um unerlaubte Subvention auszuschließen. Dagegen hat die brasilianische Biosprit-Industrie ihre hohe Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit in der Vergangenheit stetig und ungestört ausbauen können, weil sie massive Unterstützung vom Staat bekommen hat", so Schultes.
Hunderttausende Arbeitsplätze und Chance für Landwirtschaft
"Aber gerade der Aufbau einer Bioethanol-Produktion in Europa ist nicht nur wegen der damit verbundenen hunderttausenden Arbeitsplätze wichtig, sondern auch für die Landwirtschaft. Gerade jetzt, wo Brasilien und Co. in der Doha-Runde der Welthandelsorganisation den Produktionsrahmen der EU beim Zucker drastisch einschränken wollen, wäre für uns Rübenbauern eine alternative Verarbeitung der Rüben zu Bioalkohol eine dringend notwendige Zukunftsaussicht."
Aber auch für andere landwirtschaftliche Produktionszweige, die immer mehr unter den Einschränkungen von Exportmöglichkeiten durch die WTO leiden, wäre die Bioalkohol-Schiene gerade nach der Erweiterung der EU und dem Zuwachs bedeutenden Produktionspotenzials notwendig. Schultes: "Das Ziel von 5,75% Bioethanol-Anteil im EU-Benzin 2010 heißt eine Absatzchance für mehr als 28 Mio. t Getreide. Das sind rund 10% des Getreideertrags der EU-25!" (Schluss)
*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***
OTS0240 2004-05-26/14:09
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