Riesiger Oktopus am Reichstag: Greenpeace protestiert gegen Tiefseebergbau
Berlin – Ein zehn Meter großer Oktopus schlängelte sich gestern durch die Berliner Politik: Greenpeace-Aktivist:innen haben am Spreeufer vor dem Reichstag eine spektakuläre Protestaktion gestartet, um auf die drohende Zerstörung der Tiefsee aufmerksam zu machen. Mit Bannern wie „Tiefsee schützen!“ und „Moratorium beschließen – Tiefseebergbau stoppen!“ richten sie ihren Appell direkt an die deutsche Bundesregierung.
Anlass der Aktion war der Beginn der jährlichen Generalversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Jamaika. Dort beraten bis zum 25. Juli 170 Staaten über den möglichen Start des industriellen Tiefseebergbaus – und damit über die Zukunft eines der letzten nahezu unberührten Ökosysteme unseres Planeten.
„Es braucht jetzt ein klares Nein der Bundesregierung zum Tiefseebergbau“, sagt Anna Saito, Expertin für Tiefsee bei Greenpeace. „Wir stehen vor der einmaligen Chance, diesen Lebensraum zu bewahren – oder ihn für immer zu zerstören.“ Die Umweltschützer:innen fordern ein globales Moratorium, das den Abbau von Rohstoffen am Meeresboden stoppt, bevor irreversible Schäden entstehen.
Besonders kritisch sehen Greenpeace und andere Organisationen den sogenannten „Mining Code“ – ein Regelwerk, das Standards für den Abbau festlegen soll, aber aus Sicht vieler Expert:innen nicht den nötigen Schutz für die Tiefsee gewährleistet. Stattdessen könnten Unternehmen wie das kanadische Unternehmen The Metals Company (TMC) schon bald den Anfang machen – unterstützt durch ein Dekret der US-Regierung unter Donald Trump, das internationale Abkommen umgeht.
Auch Deutschland ist bei der ISA vertreten – allerdings ohne Umweltminister Carsten Schneider (SPD). Greenpeace hatte die Bundesregierung bereits im Vorfeld gemeinsam mit der Deep Sea Conservation Coalition in einem offenen Brief aufgefordert, bei den Verhandlungen eine klare Position gegen Tiefseebergbau einzunehmen. Doch bisher hält sie nur an einer „vorsorglichen Pause“ fest – ein Konzept, das aus Sicht der Aktivist:innen nicht ausreicht. Denn diese „Pause“ erlaubt weiterhin Pilottests und technische Vorbereitungen, auch von deutscher Seite: In der Clarion-Clipperton-Zone im Pazifik besitzt Deutschland eine Explorationslizenz für ein Gebiet von 75.000 Quadratkilometern – etwa 20 Mal so groß wie Mallorca.
„Was hier passiert, ist ein Wettlauf um Rohstoffe – auf Kosten eines empfindlichen Ökosystems, das wir gerade erst zu verstehen beginnen“, warnt Saito. „Die Tiefsee ist keine Schatzkammer, die wir plündern dürfen. Sie ist ein Lebensraum, den wir schützen müssen.“
Die Greenpeace-Aktion in Berlin soll wachrütteln – und zeigen, dass es auch mitten in Europa Menschen gibt, die sich für den Schutz der Ozeane stark machen. Während Oktopusarme sich vor dem Reichstag winden, ist die Botschaft klar: Die Tiefsee gehört nicht den Konzernen, sie gehört der Erde – und ihrer Zukunft.
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