Revolution aus der Steiermark: Resch-Batteriemodul stellt gesamte Branche auf den Kopf
EU-Vorgaben setzen Industrie unter Druck
Die Anforderungen der EU steigen deutlich: Seit heuer müssen Hersteller umfassende technische Informationen wie Kapazität, Leistung und Lebensdauer offenlegen. 2025 folgt der digitale Batteriepass, der den kompletten Lebenszyklus jeder Batterie dokumentieren soll. Ab 2028 müssen CO₂-Fußabdrücke deklariert, ab 2031 höhere Sammel- und Recyclingquoten erfüllt werden.
Am härtesten trifft die Branche jedoch eine Vorgabe, die ab Februar 2027 gilt: Batterien dürfen nicht mehr irreversibel verbaut sein. Konsument*innen müssen sie selbst tauschen können, bei E-Bikes oder E-Scootern muss zumindest eine Fachkraft Akkus entnehmen und reparieren können. Damit stehen die gängigen, verklebten und verschweißten Module vor dem Aus – und das in weniger als 17 Monaten.
Steirischer Betrieb liefert modulare Antwort
Genau hier setzt die Innovation aus St. Stefan im Rosental an. Resch hat ein mechanisches Stecksystem entwickelt, das gänzlich ohne Klebstoffe oder Schweißverbindungen auskommt. Defekte Zellen können punktgenau ersetzt werden, ohne das gesamte Modul entsorgen zu müssen.
„Das verlängert die Lebensdauer, reduziert Kosten und erleichtert das Recycling“, erklärt Geschäftsführer Gerald Resch, der gemeinsam mit Andrea Resch das Familienunternehmen leitet. Für Hersteller von E-Bikes und E-Scootern könne das System zum entscheidenden Baustein werden, um die neuen EU-Vorgaben praktisch umzusetzen.
Wirtschaftlicher Vorteil: bis zu ein Drittel weniger KostenBesonders attraktiv ist das Konzept aufgrund seiner Produktionsökonomie. Laut Resch sind bis zu 30 Prozent Kostenersparnis gegenüber herkömmlichen Lösungen möglich. Möglich wird das durch ein breites technisches Fundament: Konstruktion, Vorrichtungsbau, Hochvolt- und E-Mobilitäts-Komponenten, Mechanikbearbeitung, Rührreibschweißen und additive Fertigung finden sich am Standort unter einem Dach.
„Wir können die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Das Zusammenspiel aus Konstruktion, Fertigung und realitätsnaher Validierung ist die Basis für unser System“, betont Resch.
Die Entwicklung zieht inzwischen Kreise, mit denen selbst der Betrieb nicht gerechnet hat: Mehrere internationale Automobilhersteller prüfen eine Serienproduktion basierend auf der steirischen Technologie.
Das Moduldesign ist universell und mit allen gängigen Batteriezelltypen kompatibel, erklärt CTO Florian Resch. Anwendungen sieht das Unternehmen daher nicht nur bei E-Kleinfahrzeugen, sondern auch in der Automobilindustrie, der Luft- und Schifffahrt sowie bei stationären Energiespeichern.
Auch aus Sicht der Produktion ist das System zukunftsfit: Es lässt sich von Klein- bis Großserie vollständig automatisieren – ein Faktor, der besonders in der Automobilindustrie entscheidend ist.
Mit seinem modularen, reparaturfreundlichen Batteriesystem liefert Resch nicht nur eine Antwort auf kommende EU-Pflichten, sondern legt möglicherweise die Basis für einen neuen internationalen Standard. Die Steiermark könnte damit zum Impulsgeber einer Technologie werden, die Elektromobilität nachhaltiger, kosteneffizienter und ressourcenschonender macht und vielleicht schon bald in Fahrzeugen weltweit zum Einsatz kommt.