Renaissance der Wildnis: Warum drei Viertel der Österreicher die Rückkehr der Natur fordern
Wien – Die Zahlen sind eindeutig und lassen wenig Spielraum für politische Ausreden: 76 Prozent der Bevölkerung halten Renaturierung für wichtig. Während auf EU-Ebene oft zäh um Paragrafen gerungen wurde, ist die Meinung der Menschen vor Ort längst gefestigt. Das EU-Renaturierungsgesetz wird von 68 Prozent der Befragten positiv bewertet.
Der klare Handlungsauftrag an die Politik
Österreich steht unter Zeitdruck. Bis zum 1. September 2026 muss der nationale Wiederherstellungsplan vorgelegt werden. Für den WWF ist das Ergebnis der Umfrage ein „klarer Handlungsauftrag“.
„Die hohe Zustimmung zeigt, dass Renaturierung gesellschaftlich breit getragen wird. Das muss sich jetzt in finanziellen Zusagen widerspiegeln“,
fordert WWF-Experte Joschka Brangs
„Die hohe Zustimmung zeigt, dass Renaturierung gesellschaftlich breit getragen wird. Das muss sich jetzt in finanziellen Zusagen widerspiegeln“,
fordert WWF-Experte Joschka Brangs
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem kommenden Doppelbudget von Finanzminister Markus Marterbauer. Die Bevölkerung fordert hier Mut: 62 Prozent sprechen sich dafür aus, umweltschädliche Subventionen schrittweise abzubauen und dieses Geld stattdessen in den Naturschutz zu investieren.
Regionale Spitzenreiter: Wo die Natur besonders geschätzt wird
Interessanterweise ist die Unterstützung dort am höchsten, wo die Natur oft als Wirtschaftsfaktor oder unmittelbarer Lebensraum wahrgenommen wird.
Die Menschen versprechen sich davon ganz handfeste Vorteile: Die Sicherung der Trinkwasserqualität, natürlicher Hochwasserschutz durch Wasserspeicherung in der Landschaft und eine spürbare Kühlung in hitzegeplagten Städten.
Der Status Quo: Ein Land im Erschöpfungszustand
Warum ist der Widerstand gegen die Verbetonierung so groß? Ein Blick auf die ökologischen Fakten erklärt die Sorge:
Artenschutz: Über 80 Prozent der europarechtlich geschützten Arten in Österreich sind in einem kritischen Zustand.
Gewässer: Mehr als die Hälfte der Fließgewässer verfehlt die ökologischen Kriterien der EU.
- Bodenverbrauch: Täglich werden in Österreich durchschnittlich 6,5 Hektar Boden versiegelt – ein Wert, der weit über den Nachhaltigkeitszielen liegt.
Renaturierung als wirtschaftliche Vernunft
Die Umfrage zeigt auch, dass Umweltschutz nicht mehr als „Geldverschwendung“ wahrgenommen wird.
73 Prozent der Befragten halten den Einsatz finanzieller Mittel für diese Maßnahmen für wichtig. Die Logik dahinter: Intakte Ökosysteme sind billiger als die Reparatur von Hochwasserschäden oder die Aufbereitung von verschmutztem Trinkwasser.
Gemäß der EU-Verordnung müssen bis 2030 auf mindestens 20 Prozent der Landflächen wirksame Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur greifen. Der Ball liegt nun beim Bundeskanzler und den Landesregierungen, die notwendigen Gelder bei der EU-Kommission und im nationalen Budget sicherzustellen.