„Raus aus Gas“: Wiener Projekt für EU-Energiepreis 2026 nominiert
Die Wiener Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ ist für die European Sustainable Energy Awards 2026 nominiert. Ausgezeichnet wird ihr Beitrag zum Ziel, die Wärmeversorgung – und bei Bedarf auch Kühlung – der Stadt bis 2040 vollständig auf erneuerbare Energie umzustellen. Der Gewinner wird per Online-Abstimmung bis 31. Mai ermittelt, die Preisverleihung findet am 9. Juni 2026 in Brüssel statt.
Die Initiative zeigt praxisnah, wie der Umstieg von Gas auf lokale erneuerbare Heizsysteme gelingen kann. Projekte werden gezielt ausgewählt und bei der Umsetzung unterstützt – etwa bei der Wahl geeigneter Technologien wie Wärmepumpen, Geothermie oder Solarthermie sowie bei rechtlichen und organisatorischen Fragen. Ein zentraler Ansatz: Die Erfahrungen aus einzelnen Projekten werden systematisch aufbereitet und als übertragbares Wissen für weitere Gebäude nutzbar gemacht. „Unser Ansatz besteht darin, praktische Lösungswege für verschiedene Ausgangssituationen in Wien aufzuzeigen. So können einzelne Gebäudeumstellungen in übertragbares Wissen umgewandelt werden“, erklärt Projektleiterin Petra Schöfmann von UIV Urban Innovation Vienna, der Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien, die die Initiative im Auftrag der Stadt Wien umsetzt.
Die Ergebnisse sind bereits deutlich: Innerhalb von zwei Jahren wurden in Wien mehr als 1.000 Gasheizungen ersetzt und jährlich über 2.300 Tonnen CO₂ eingespart. Bis Ende 2025 konnten insgesamt 1.861 Wohnungen auf erneuerbare Heizsysteme umgestellt werden. Ein prominentes Beispiel ist das KunstHausWien, das als „grünes Museum“ gilt.
Besonders relevant ist die Initiative auch für komplexe Situationen wie Mehrparteienhäuser, in denen Eigentumsstrukturen und Entscheidungsprozesse oft Hürden darstellen. Hier liefert das Projekt konkrete Lösungsansätze, die in Form von Checklisten und Entscheidungshilfen weitergegeben werden und so zukünftige Umstellungen erleichtern.
Als Finalist in der Kategorie „Local Energy Action“ der EUSEW Awards steht Wien neben Projekten aus Spanien und Bulgarien. Die Auszeichnung würdigt Initiativen, die lokal zur Energiewende beitragen und europaweit als Vorbild dienen können. Angesichts eines weiterhin hohen Energiebedarfs im Wärme- und Kältesektor gilt das Wiener Modell als vielversprechender Ansatz für Städte in ganz Europa.