Quellen als Hotspots der Artenvielfalt: Wie Renaturierung im Ausseerland gelingt
„Quellen gehören zu den unscheinbarsten, aber wertvollsten Lebensräumen Österreichs. Wenn wir sie in einen naturnahen Zustand zurückführen, gewinnen wir Biodiversität zurück – und setzen konkret um, was die EU-Wiederherstellungsverordnung fordert“, betont Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes. Der Schutz dieser Lebensräume sei angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise ein doppeltes Gebot: Er sichere nicht nur seltene Arten, sondern auch die Neubildung von Grundwasser und damit langfristig Österreichs Trinkwasserversorgung.
Von den rund 600 endemischen Tierarten des Landes - Arten also, die ausschließlich in Österreich vorkommen - leben viele ausschließlich in Quellhabitaten. Dazu zählt etwa die kaum stecknadelkopfgroße Zwergquellschnecke, deren Vorkommen ebenso wie das vieler weiterer „Quellspezialisten“ (Krenobionten) stark rückläufig ist.
Die Gründe für den schlechten Zustand zahlreicher Quellen sind vielfältig: Einfassungen zur Wassergewinnung, Baumaßnahmen für Straßen oder touristische Infrastruktur, Viehtritt sowie der Verlust von Ufervegetation verändern die empfindlichen Strukturen dieser Kleinlebensräume oft irreversibel. Hinzu kommt der Druck der Klimakrise: Höhere Temperaturen, längere Trockenperioden und extreme Niederschlagsereignisse belasten die Quellsysteme zusätzlich.
„Das Projekt soll zur langfristigen Verbesserung dieses gefährdeten Lebensraums beitragen“, erklärt Projektleiter Stefan Fleischmann. „Viele der betroffenen Arten stehen bereits auf der Roten Liste. Renaturierungsmaßnahmen sind daher dringend nötig.“
Im Ausseerland wurden die beiden geschädigten Quellsysteme Schritt für Schritt revitalisiert. Zu den Maßnahmen zählen:
Errichtung von Pufferzonen durch Weidezäune, um empfindliche Bereiche vor Viehtritt zu schützen
Einbringen von Totholz, das Strukturvielfalt schafft und Mikrohabitate bietet
Wiederherstellung natürlicher Ufervegetation, die Erosion verhindert und Lebensraum bietet
Ein wichtiger Baustein ist zudem die Bewusstseinsbildung: Vor Ort informieren neue Infotafeln Besucher:innen über die Bedeutung der Quellen und die getroffenen Maßnahmen.
Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend. Dort, wo die Renaturierung durchgeführt wurde, kehren hochsensible Arten wie Stein- und Köcherfliegen wieder zurück. „Das zeigt deutlich: Renaturierung lohnt sich im Großen wie im Kleinen“, so Fleischmann. Zugleich machte das Projekt sichtbar, wie hoch der Anteil gefährdeter Arten in den untersuchten Quellgebieten ist – ein deutliches Signal, dass der Schutz von Quellen österreichweit intensiviert werden muss.
Denn der Druck steigt: Gerade Quellen sind in Zeiten des Klimawandels besonders gefährdet, auszutrocknen oder ihre ökologische Funktion zu verlieren. Ein langfristiges, österreichweites Monitoring sei deshalb dringend nötig, betont der Umweltdachverband.
Im Rahmen des Projektes wurde auch ein kompaktes Factsheet zur Bedeutung und Gefährdung von Quellen erstellt. Die detaillierten Projektergebnisse stehen ebenfalls zur Verfügung.