Protestaktion vor dem Landwirtschaftsministerium: Scientists for Future warnen vor Abschwächung der EU-Entwaldungsverordnung
In der symbolträchtigen Aktion übergaben die Wissenschaftler:innen eine wissenschaftlich fundierte Stellungnahme zur EUDR an das Ministerium, die vom Abteilungsleiter der Abteilung Waldpolitik Gerfried Gruber in Vertretung des Ministers entgegengenommen worden ist. Begleitet wurde die Übergabe von einer visuellen Darstellung der globalen Auswirkungen österreichischen Konsums: Vor einem großformatigen Poster, das die ökologischen Folgen der Entwaldung durch österreichische Importprodukte zeigt, türmten sich symbolisch jene Güter, die durch die Verordnung reguliert würden – darunter Soja, Palmöl, Rindfleisch und Kakao.
Die Scientists for Future unterstreichen, dass die EUDR ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen globale Entwaldung, Waldschädigung und illegale Abholzung darstellt. „Mit der konsequenten Umsetzung der Verordnung könnte innerhalb eines Jahrzehnts weltweit eine Fläche in der Größe Österreichs vor Entwaldung geschützt werden“, erklärt ein Sprecher der Organisation. Die Verordnung schaffe zudem faire Wettbewerbsbedingungen für die heimische Land- und Forstwirtschaft, indem importierte Produkte denselben Umweltstandards unterliegen wie EU-eigene.
“Ein starkes Entwaldungsgesetz schützt Österreichische Bauern. Außerdem haben sich viele Unternehmen schon intensiv auf das Gesetz vorbereitet. Eine Abschwächung würde diese Unternehmen stark benachteiligen. Eine nachhaltige Landwirtschaft braucht gleiche Regeln für alle,” so Nicolas Roux, Forscher für Agrar- und Holzlieferketten an der BOKU.
Das Gesetz wurde schon auf verschiedene Arten abgeschwächt. Der problematischste Punkt ist die Klassifizierung der Länder nach Entwaldungsrisikostufen. Während EU Importe aus Brasilien, Indonesien und Elfenbeinküste mit hoher Entwaldung verbunden sind, wurden nur Länder als Hochrisiko-Länder eingestuft, die sowieso schon unter EU Sanktionen stehen, wie Russland, Weißrussland und Nordkorea.
“Die jetzige Klassifizierung ist geopolitisch motiviert und hat nichts mit Entwaldung zu tun. Das beruht auf keiner wissenschaftlichen Basis, und hat keine Wirkung, da sowieso nicht aus diesen Ländern importiert wird”, so Roux.
Brisant sehen die Scientists vor Future die Rolle von Minister Totschnig in diesem Zusammenhang: Noch vor wenigen Wochen betonte er bei der Präsentation des österreichischen Klimasachstandsberichts die Notwendigkeit konsequenter Klimapolitik – nun will er offenbar zentrale Elemente eines EU-Gesetzes aufweichen, das genau diese Ziele unterstützt. Sie fordern daher Transparenz und den öffentlichen Dialog: Minister Totschnig und die Sektionsleiter:innen des BMLUK wurden eingeladen, mit den Wissenschaftler:innen vor Ort ins Gespräch zu treten.
“Die Qualität und der Zuwachs von Biomasse-Beständen vieler Wälder in Europa nimmt ab, was zu regionalem Kippen der Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffquellen im Wald führt, wobei sich ähnliches auch in Österreich abzeichnet. Sorgfaltspflicht in der EU ist wichtig, um weitere Degradierung zu verhindern.” ist Florian Weidinger, Waldforscher an der BOKU, überzeugt.
Die Aktion reiht sich ein in eine zunehmende Kritik an politischen Rückschritten im Klimaschutz. „Der Versuch, die EUDR zu entschärfen, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie mutlose Politik den Schutz von Klima, Biodiversität und heimischer Landwirtschaft gefährdet“, heißt es in einer Stellungnahme der Wissenschaftler. Die dramatischen Klimafolgen der letzten Wochen – etwa die Hitzewelle in Europa, verheerende Waldbrände oder der alarmierende Zustand der österreichischen Wälder – verdeutlichen die Dringlichkeit wirksamer Umweltgesetze.
Die Scientists for Future appellieren daher an die Verantwortung der Politik: „Statt Umweltgesetze zu verwässern, braucht es jetzt mehr denn je konsequente und wissenschaftlich fundierte Entscheidungen. Die EU-Entwaldungsverordnung ist ein Meilenstein, den wir nicht aufgeben dürfen.“