Plattform Unser Klosterneuburg protestiert mit Frühstück in der Au
Trotz Unkenrufen wegen der Wahl des Termins der Versammlung – ein Fenstertag in einem langen Wochenende – fanden sich an die 300 TeilnehmerInnen ein, die eine Reihe von Vorträgen aufmerksam mitverfolgten. Nach einer Begrüßung durch den Sprecher der PUK (Plattform unser Klosterneuburg) Dr. Bernd Schweeger steigen die Ehrengäste auf eine improvisierte Tribüne vor dem Ahornbaum, den die PUK am Tag des Baumes vor einem Jahr gepflanzt hatte.
„Warm ums Herz„ wurde es Prof. Bernd Lötsch, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien, als er „wieder die „Flüstertüte„ (Megaphon) in Händen hielt„.
Und dann sehr klare Aussagen. „Es ist nie zu spät, gegen unsinnige Projekte aufzutreten, das zeigen beispielsweise Hainburg und Zwentendorf„. „Alle 7 Österreichischen Nationalparks sind durch Bürgerinitiativen initiiert worden„. „Die Klosterneuburger Auen sind kein Nationalpark, sie haben aber einen entscheidenden Nutzen: sie grenzen direkt an bewohntes Gebiet und erfüllen damit die Funktion eines Staubfilters und bieten hohen Erholungswert. Es ist extrem unvernünftig, diese Auenlandschaft durch Straßenbarrieren noch weiter vom Wohngebiet abzuspalten und zu reduzieren„. In einer Schlusserklärung ruft Bernd Lötsch die Anwesenden auf, die Klosterneuburger Bevölkerung über die Sinnlosigkeit des Projektes zu informieren.
Das Stichwort „Vernunft„ greift dann Univ. Prof. Hermann Knoflacher auf: „Kleinkinder essen gern Schokolade, weil es Energie verspricht. Sie sind vorerst maßlos. Erst später entwickeln sie die Teile der Großhirnrinde, die weise Selbstbeschränkung und Verhinderung von Selbstschädigung ermöglicht„. Parallelen zum Straßenbau: „In den 80er Jahren gab es mehr Autos, also brauchte man mehr Straßen und baute sie. Inzwischen hat man erkennen müssen, dass dadurch die Schadstoffe in ungeahntem Maß zugenommen haben – Feinstaub, Stickoxide als Vorläufersubstanzen des Atemgifts Ozon. Und inzwischen haben diejenigen, die der kindlichen Unschuld entwachsen sind, erkennen müssen, dass Straßen heute – in Umkehrung zu früher – den Verkehr erst schaffen. Und die Ausdörrung einer Region bewirken: „Eigentlich müssten die Klosterneuburger Gewerbetreibenden wie ein Mann aufstehen und gegen dieses Straßenprojekt protestieren, denn es bedroht ihre Existenz – der Konsum wird an anderer Stelle befriedigt werden.„
Zuletzt eine vernichtende Feststellung: „Planung findet bei uns nicht statt, denn Planen heißt, sich mit den Folgen des beabsichtigten Tuns auseinanderzusetzen„.
Auch die Kirche – das Stift Klosterneuburg ist praktisch 100%iger Grundbesitzer der Au – wird nicht aus ihrer Verantwortung entlassen: sie hat einen Auftrag für Menschen, Natur und kommende Generationen. Wir müssen sie an ihre Erhaltungspflichten erinnern.
Univ. Doz. Peter Weish, Präsident des Forums Österreichischer Wissenschaftler für Umweltschutz, greift die Klimaproblematik auf, die zur weltweiten Bedrohung wird. Die einzige Antwort der Politik auf Probleme lautet heute anscheinend: „Bauen!„. Statt verantwortungsvollem Umgang mit fossilem Brennstoff und seiner stagnierenden Verfügbarkeit werden auf Teufel–komm–raus gerade die Bereiche gefördert, die eine noch höhere Nachfrage nach diesem zu Ende gehenden Rohstoff schaffen. Wohl wissend, dass diese Nachfrage aufgrund der „Konkurrenz„ – etwa der expandierenden Chinesischen Wirtschaft – keinesfalls mehr erfüllt werden kann. Die Nutzung theoretischer Methanvorräte in der Tiefsee verweist er in das Reich der Träumerei – im Gegenteil: „durch Erwärmung der Meere droht dieses gebunkerte Methan sich zu befreien und durch verstärkten Treibhauseffekt zu einer weiteren globalen Erwärmung beizutragen.„ „Wir müssen in Lösungen investieren, die einen vernünftigen Übergang vom fossilen Brennstoffzeitalter in ein neues Zeitalter ermöglichen„.
Dr. Gerhard Hertenberger, Biologe und Auenexperte, sprang als fünfter Redner in die Bresche für die erkrankte Sprecherin von Global 2000. Er prangert die "Verniedlichungstaktik" an, mit der den ahnungslosen BürgerInnen Straßenprojekte schmackhaft gemacht werden. „In den Hochglanzbroschüren der Asfinag werden Autobahnkreuze nicht eingezeichnet, weil man angeblich noch nicht wisse, ob sie 200 M weiter rechts oder links situiert werden sollen. Entlüftungstürme, die für die Tunnels unter der Lobau gebraucht werden, suggerieren durch die Wortwahl Frischluftanlagen, obwohl Abgase dort ungefiltert ins Freie geblasen werden.„ Vollkommen fehlgeleitet seien die Investitionen in Infrastruktur: während über Kittsee einerseits und Marchegg andererseits nur zwei eingleisige Bahnverbindungen zur nächstgelegenen Bundeshauptstadt Bratislava führen, seien statt dessen zwei vierspurige Autobahnen zur Erschließung dieses Ziels geplant: die in Bau befindliche Spange Kittsee und die Autobahn nach Marchegg. Und all diese Straßenprojekte münden in den Ring um Wien, der künftigen Drehscheibe einer Transithölle.
Der Sprecher der PUK, Dr. Schweeger, bemängelt vor allem, dass die Gelder, die in diesen Straßenbau fließen, zur Verbesserung des öffentlichen Personennah– und Regionalverkehr fehlen. „Allein für die Zinsen, die man für die benötigten 70 Mio. Euro erzielen würde„, setzt Knoflacher fort, „könnte man allen Klosterneuburger Haushalten auf ewige Zeiten eine kostenlose Netzkarte nach Wien geben. Hier werden massiv Steuergelder verschleudert„.
Einhellig positiv aufgenommen wurde die Versammlung durch die TeilnehmerInnen, die über die Reden wieder Mut und Entschlossenheit schöpfen konnten. Von den Anwesenden haben über 200 das „Klosterneuburger Manifest für die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt„ vor Ort unterschrieben. Zusammen mit den elektronischen Unterschriften auf der Homepage (http://unser–klosterneuburg.org/archiv/aktivitaeten/manifest_entry) haben damit insgesamt bis zum heutigen Tag bereits 400 Personen diesem Manifest Gewicht verliehen. Im Rahmen einer Aktion wird das Manifest an BM Josef und LH Erwin Pröll übergeben werden.
Stimmen wurden laut, die ähnlich den BürgerInnenbefragungen in Wien (z.B. Tiefgarage Bacherplatz), nach einem Volksentscheid über den Bau der „Umfahrung„, insbesondere aber über die beabsichtigten Projektfortsetzungen „Martinstunnel„ und „Donaubrücke„ rufen.
„Warm ums Herz„ wurde es Prof. Bernd Lötsch, Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien, als er „wieder die „Flüstertüte„ (Megaphon) in Händen hielt„.
Und dann sehr klare Aussagen. „Es ist nie zu spät, gegen unsinnige Projekte aufzutreten, das zeigen beispielsweise Hainburg und Zwentendorf„. „Alle 7 Österreichischen Nationalparks sind durch Bürgerinitiativen initiiert worden„. „Die Klosterneuburger Auen sind kein Nationalpark, sie haben aber einen entscheidenden Nutzen: sie grenzen direkt an bewohntes Gebiet und erfüllen damit die Funktion eines Staubfilters und bieten hohen Erholungswert. Es ist extrem unvernünftig, diese Auenlandschaft durch Straßenbarrieren noch weiter vom Wohngebiet abzuspalten und zu reduzieren„. In einer Schlusserklärung ruft Bernd Lötsch die Anwesenden auf, die Klosterneuburger Bevölkerung über die Sinnlosigkeit des Projektes zu informieren.
Das Stichwort „Vernunft„ greift dann Univ. Prof. Hermann Knoflacher auf: „Kleinkinder essen gern Schokolade, weil es Energie verspricht. Sie sind vorerst maßlos. Erst später entwickeln sie die Teile der Großhirnrinde, die weise Selbstbeschränkung und Verhinderung von Selbstschädigung ermöglicht„. Parallelen zum Straßenbau: „In den 80er Jahren gab es mehr Autos, also brauchte man mehr Straßen und baute sie. Inzwischen hat man erkennen müssen, dass dadurch die Schadstoffe in ungeahntem Maß zugenommen haben – Feinstaub, Stickoxide als Vorläufersubstanzen des Atemgifts Ozon. Und inzwischen haben diejenigen, die der kindlichen Unschuld entwachsen sind, erkennen müssen, dass Straßen heute – in Umkehrung zu früher – den Verkehr erst schaffen. Und die Ausdörrung einer Region bewirken: „Eigentlich müssten die Klosterneuburger Gewerbetreibenden wie ein Mann aufstehen und gegen dieses Straßenprojekt protestieren, denn es bedroht ihre Existenz – der Konsum wird an anderer Stelle befriedigt werden.„
Zuletzt eine vernichtende Feststellung: „Planung findet bei uns nicht statt, denn Planen heißt, sich mit den Folgen des beabsichtigten Tuns auseinanderzusetzen„.
Auch die Kirche – das Stift Klosterneuburg ist praktisch 100%iger Grundbesitzer der Au – wird nicht aus ihrer Verantwortung entlassen: sie hat einen Auftrag für Menschen, Natur und kommende Generationen. Wir müssen sie an ihre Erhaltungspflichten erinnern.
Univ. Doz. Peter Weish, Präsident des Forums Österreichischer Wissenschaftler für Umweltschutz, greift die Klimaproblematik auf, die zur weltweiten Bedrohung wird. Die einzige Antwort der Politik auf Probleme lautet heute anscheinend: „Bauen!„. Statt verantwortungsvollem Umgang mit fossilem Brennstoff und seiner stagnierenden Verfügbarkeit werden auf Teufel–komm–raus gerade die Bereiche gefördert, die eine noch höhere Nachfrage nach diesem zu Ende gehenden Rohstoff schaffen. Wohl wissend, dass diese Nachfrage aufgrund der „Konkurrenz„ – etwa der expandierenden Chinesischen Wirtschaft – keinesfalls mehr erfüllt werden kann. Die Nutzung theoretischer Methanvorräte in der Tiefsee verweist er in das Reich der Träumerei – im Gegenteil: „durch Erwärmung der Meere droht dieses gebunkerte Methan sich zu befreien und durch verstärkten Treibhauseffekt zu einer weiteren globalen Erwärmung beizutragen.„ „Wir müssen in Lösungen investieren, die einen vernünftigen Übergang vom fossilen Brennstoffzeitalter in ein neues Zeitalter ermöglichen„.
Dr. Gerhard Hertenberger, Biologe und Auenexperte, sprang als fünfter Redner in die Bresche für die erkrankte Sprecherin von Global 2000. Er prangert die "Verniedlichungstaktik" an, mit der den ahnungslosen BürgerInnen Straßenprojekte schmackhaft gemacht werden. „In den Hochglanzbroschüren der Asfinag werden Autobahnkreuze nicht eingezeichnet, weil man angeblich noch nicht wisse, ob sie 200 M weiter rechts oder links situiert werden sollen. Entlüftungstürme, die für die Tunnels unter der Lobau gebraucht werden, suggerieren durch die Wortwahl Frischluftanlagen, obwohl Abgase dort ungefiltert ins Freie geblasen werden.„ Vollkommen fehlgeleitet seien die Investitionen in Infrastruktur: während über Kittsee einerseits und Marchegg andererseits nur zwei eingleisige Bahnverbindungen zur nächstgelegenen Bundeshauptstadt Bratislava führen, seien statt dessen zwei vierspurige Autobahnen zur Erschließung dieses Ziels geplant: die in Bau befindliche Spange Kittsee und die Autobahn nach Marchegg. Und all diese Straßenprojekte münden in den Ring um Wien, der künftigen Drehscheibe einer Transithölle.
Der Sprecher der PUK, Dr. Schweeger, bemängelt vor allem, dass die Gelder, die in diesen Straßenbau fließen, zur Verbesserung des öffentlichen Personennah– und Regionalverkehr fehlen. „Allein für die Zinsen, die man für die benötigten 70 Mio. Euro erzielen würde„, setzt Knoflacher fort, „könnte man allen Klosterneuburger Haushalten auf ewige Zeiten eine kostenlose Netzkarte nach Wien geben. Hier werden massiv Steuergelder verschleudert„.
Einhellig positiv aufgenommen wurde die Versammlung durch die TeilnehmerInnen, die über die Reden wieder Mut und Entschlossenheit schöpfen konnten. Von den Anwesenden haben über 200 das „Klosterneuburger Manifest für die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt„ vor Ort unterschrieben. Zusammen mit den elektronischen Unterschriften auf der Homepage (http://unser–klosterneuburg.org/archiv/aktivitaeten/manifest_entry) haben damit insgesamt bis zum heutigen Tag bereits 400 Personen diesem Manifest Gewicht verliehen. Im Rahmen einer Aktion wird das Manifest an BM Josef und LH Erwin Pröll übergeben werden.
Stimmen wurden laut, die ähnlich den BürgerInnenbefragungen in Wien (z.B. Tiefgarage Bacherplatz), nach einem Volksentscheid über den Bau der „Umfahrung„, insbesondere aber über die beabsichtigten Projektfortsetzungen „Martinstunnel„ und „Donaubrücke„ rufen.