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Pflanzeninvasionen verschieben sich nach Europa: Neue Studie warnt vor steigenden Risiken in gemäßigten Regionen

30.03.2026

Eine internationale Studie unter der Leitung der Universität Wien zeigt: Die globalen Hotspots für invasive Pflanzenarten sind im Wandel.

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Die wärmeliebende Seidenpflanze breitet sich in den Tieflagen Österreichs zunehmen aus. Sie kann dichte Bestände bilden und verdrängt dann heimische Arten. © Franz. Essl

Während bisher vor allem subtropische Regionen betroffen waren, könnten künftig verstärkt gemäßigte Zonen – darunter große Teile Europas – ins Zentrum des Geschehens rücken. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Nature Ecology & Evolution veröffentlicht.
 

Ein globales Problem des Anthropozäns 

Die Verbreitung gebietsfremder Arten durch den Menschen gilt als eines der prägenden Merkmale unserer Zeit. Immer mehr Pflanzen werden unbeabsichtigt oder gezielt in neue Regionen eingeführt – oft mit gravierenden Folgen. Sie verdrängen heimische Arten, schädigen Ökosysteme und beeinträchtigen die Landwirtschaft. Manche Arten, wie etwa das allergieauslösende Ragweed, stellen sogar ein direktes Gesundheitsrisiko dar.
 

Hochauflösende Karten zeigen globale Trends 

Für die Studie analysierte das Forschungsteam die Verbreitung von 9.701 gebietsfremden Pflanzenarten weltweit. Mithilfe umfangreicher Umwelt- und Klimadaten entstanden erstmals hochauflösende Karten, die sowohl aktuelle Invasionsrisiken als auch zukünftige Entwicklungen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts abbilden.

"Insgesamt haben wir festgestellt, dass ein Drittel der globalen Landfläche derzeit für mindestens 10 % dieser invasiven Arten geeignet ist, was diese Gebiete zu Invasions-Hotspots macht, in denen mit dem Vorkommen vieler gebietsfremder Pflanzen zu rechnen ist",  sagt  Biodiversitätsforscher Ali Omer vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien und Hauptautor der Studie.

Bereits heute ist rund ein Drittel der globalen Landfläche für mindestens zehn Prozent dieser invasiven Arten geeignet. Diese Regionen gelten als sogenannte Invasions-Hotspots – mit einer besonders hohen Wahrscheinlichkeit für das Auftreten nicht heimischer Pflanzen.

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Verteilung der Hotspots erheblich verändern wird, während sich ihre Gesamtfläche nur moderat vergrößern dürfte",  so der Biodiversitätsexperte und Senior Autor der Studie, Franz Essl von der Universität Wien.
 

Verschiebung Richtung Norden 

Während sich diese Hotspots derzeit vor allem in subtropischen und warm-gemäßigten Zonen befinden, zeichnet sich für die Zukunft ein klarer Trend ab: Die Risikogebiete verschieben sich in Richtung der Pole. Kältere Regionen wie Mitteleuropa werden zunehmend anfälliger, während das Risiko in besonders heißen und trockenen Gebieten teilweise zurückgehen könnte.

Europa gehört laut Studie zu den Regionen mit künftig besonders hohem Invasionsrisiko. Arten wie Ragweed oder die Robinie könnten sich hier unter den Bedingungen des Klimawandels weiter ausbreiten und neue Lebensräume erschließen.
 

Neue Arten, neue Risiken 

Nicht nur die geografische Verteilung verändert sich – auch die Zusammensetzung der invasiven Arten wird sich deutlich wandeln. In vielen Regionen könnten die heutigen Problemarten künftig kaum noch eine Rolle spielen. Stattdessen werden neue, an wärmere Bedingungen angepasste Pflanzenarten nachrücken.

Diese Verschiebung bedeutet einen tiefgreifenden ökologischen Umbruch: Ganze Artengemeinschaften könnten sich verändern, mit schwer abschätzbaren Folgen für Biodiversität, Landwirtschaft und menschliche Gesundheit.
 

Auswirkungen auf dicht besiedelte Regionen 

Besonders brisant: Die neuen Hotspots liegen zunehmend in dicht besiedelten Gebieten. Damit steigen nicht nur die ökologischen, sondern auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Risiken. Invasive Pflanzen können Ernten mindern, Infrastrukturen beeinträchtigen und Gesundheitsprobleme verstärken.
 

Handlungsbedarf wächst 

Die Studie liefert eine wichtige Grundlage für zukünftige Maßnahmen im Umgang mit biologischen Invasionen. Klar ist: Es braucht frühzeitige, regional angepasste Strategien, um die Ausbreitung invasiver Pflanzen einzudämmen und ihre Auswirkungen zu minimieren.

Denn eines zeigt die Forschung deutlich: Pflanzeninvasionen sind kein statisches Problem – sie verändern sich dynamisch mit unserem Klima und unserer Landnutzung. Und damit ändern sich auch die Regionen, die besonders betroffen sind.

Zusammenfassung

  • Globale Modellierung von 9.701 gebietsfremden Pflanzenarten unter aktuellen und zukünftigen Bedingungen
  • Aktuelle Invasions-Hotspots konzentrieren sich auf subtropische und warm-gemäßigte Regionen
  • Prognosen zufolge werden sich die Hotspots unter dem Einfluss von Klima- und Landnutzungsänderungen in Richtung gemäßigter Regionen verlagern
  • In vielen Regionen wird sich die Artenzusammensetzung voraussichtlich erheblich verändern
  • Zunehmende Risiken in dicht besiedelten Gebieten unterstreichen die Notwendigkeit regionsspezifischer Managementstrategien

Originalpublikation:

Omer A., Dullinger, S., Wessely J., Lenzner B., García-Rodríguez A., Schertler A., Moser D., Gattringer A., … Essl F. (2026) The global geography of plant invasion risk under future climate and land use changes. In Nature Ecology and Evolution. 
DOI: 10.1038/s41559-026-03040-2
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Die wärmeliebende Seidenpflanze breitet sich in den Tieflagen Österreichs zunehmen aus. Sie kann dichte Bestände bilden und verdrängt dann heimische Arten. © Franz. Essl