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One Health: Unsere Tiere und wir in Zeiten von COVID-19

27.07.2021

Der Ausbruch von COVID-19 im Dezember 2019 hat bisher über drei Millionen Todesopfer gefordert.

© Miroslava Chrienova auf Pixabay
© Miroslava Chrienova auf Pixabay
Von Tier auf Mensch übertragen, gilt COVID-19 als Zoonose mit vermeintlichem Ursprung in Fledermäusen. Anlass zur Sorge gibt nicht nur die Übertragung von Tieren auf Menschen, sondern womöglich ist umgekehrt die revers-zoonotische Übertragung vom Menschen auf sein Haustier noch wichtiger. Vor diesem Hintergrund widmet sich ein aktuelles Positionspapier der Europäischen Akademie für Allergologie und Klinischer Immunologie (EAACI) dem Thema Coronavirus-Erkrankungen bei Mensch und Tier, potentiellen Übertragungswegen zwischen beiden sowie möglichen Maßnahmen.
Die Conclusio: kurzfristig am wirkungsvollsten sind Abstands- und Hygienemaßnahmen für Mensch und Tier, aber langfristig kann wirkungsvolle Prävention von Pandemien nur durch einen ganzheitlichen interdisziplinären Zugang erfolgen.
One Health – ein umfassendes Konzept für das gesamte organische Leben
Menschen, Tiere und Pflanzen sind alle globalen Bedrohungen ausgesetzt. Dem trägt das One Health-Konzept mit einem Paradigmenwechsel Rechnung, indem es weg von einer isolierten Betrachtungsweise das gesamte organische Leben auf unserem Planeten mit einbezieht: Klimawandel, Umweltverschmutzung, industrielle Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung wirken sich auf die Lebensqualität und die öffentliche Gesundheit („Public Health“) aus. Im Bereich der zoonotischen Erkrankungen zeigen aktuelle Resultate unterschiedlicher Forschungsgruppen, dass zahlreiche Faktoren ein erhöhtes Risiko - auch für Coronaviren-Erkrankungen (Corona Virus Disease, COVID) - darstellen: Der Klimawandel und die globale Erwärmung führen zu veränderter Fauna und Flora; die Zerstörung der Lebensräume für Wildtiere und das Vordringen des Menschen dorthin führt zu einem erhöhten Risiko für Übertragung von Infektionskrankheiten von Tier auf Mensch (Zoonosen) und umgekehrt (reverse Zoonose). Ein zusätzliches Risiko stellt die Verarbeitung, unsachgemäße Lagerung und der Verzehr von exotischen, wild-lebenden Tieren dar.
In der aktuellen COVID-19-Pandemie, welche vom SARS-CoV-2 Virus ausgelöst wurde, könnte das Überspringen des Virus von Fledermäusen auf einem chinesischen Markt („wet market“) mit einem möglichen Zwischenwirt der Auslöser gewesen sein. Der weitere Übertragungsweg, vor allem respiratorisch über Aerosole und Tröpfen, aber möglicherweise auch oro-fäkal, erfolgte dann vor allem innerhalb einer Spezies, also von Mensch zu Mensch. Aber der Mensch könnte die Erkrankung dann auch auf Haustiere wie Katzen und Hunde, sowie Zoo- (Tiger, Löwen) und Farmtiere (Nerze) übertragen haben (reverse Zoonose), welche sich dann wieder innerhalb der Spezies rasch verbreiten konnte. Die wichtigsten Beobachtungen derzeit sind, dass umgekehrt die Haustiere wohl für den Menschen keine Gefahr darstellen und eher ein „dead-end“ Wirt sind. Trotzdem haben viele TierbesitzerInnen aus Angst vor Ansteckung ihr Haustier ausgesetzt. Simulationsberechnungen haben aber gezeigt, dass durch diese verfehlte Reaktion das Risiko für eine Weiterverbreitung sogar erhöht sein kann.
Die wichtigsten Verhaltensregeln für den Menschen uns seine Haus- und Hof-Tiere sind daher vor allem in den Hygiene- und Abstandsmaßnahmen zu finden, wie sie derzeit auch zwischen Menschen gelten, mit der Ausnahme, dass Tiere weder desinfiziert werden müssen noch eine Maskenpflicht machbar und sinnvoll ist.
„Die Gefahr von solchen Pandemien steigt“, so die korrespondierende Autorin Isabella Pali-Schöll vom interuniversitären Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna, Medizinischen Universität Wien und Universität Wien. Die wichtigsten kurzfristigen Präventivmaßnahmen auf Ebene der Gesundheitspolitik sind die genaue Beobachtung von neu auftretenden, unbekannten Symptomen und deren gezielte Testung und Erkennung, sowie rasches Einschreiten im Sinne einer Quarantäne um eine Ausbreitung zu verhindern, und darauf zügig folgend die Entwicklung, Produktion, globale Verteilung und Verabreichung von Impfstoffen und Medikamenten.
Aber dringend müssen dem One Health-Konzept folgend auch rasch systematisch langfristige Maßnahmen gesetzt werden, und zwar auf lokaler, nationaler und globaler Ebene, um die Gefahr von zoonotischen und anderen Erkrankung von Mensch und Tier zu vermindern, so Pali-Schöll. Dazu gehören Erhaltung und Schutz sowie die Wiederherstellung von Lebensräumen für Wildtiere und der Biodiversität, denn Monokulturen und wenig Artenvielfalt bei Boden, Pflanzen, Tieren bieten immer eine Bühne für Krankheiten. Zusätzlich muss aber auch die Aufklärung der betroffenen Bevölkerungsgruppen bezüglich Konsum von exotischen Tieren und hygienischen Haltungs- und Lagerungsbedingungen von Lebensmitteln erfolgen. Unabhängig davon muss der Zugang zu ausreichend Trinkwasser und Nahrung gesichert werden, um damit zoonotischen Erkrankungen bei Mensch und Tier vorzubeugen.
In diesem Sinne müssen Prävention und Management von Pandemien von einem holistischen Zugang erfolgen, mit One Health als optimaler Strategie. Das One Health-Konzept wurde jüngst durch Implementierung einer eigenständigen Arbeitsgruppe (Leitung I. Pali-Schöll) in der Europäischen Akademie für Allergologie und Klinischer Immunologie (EAACI) gewürdigt, in der auch nicht-infektiöse Erkrankungen (non-communicable diseases NCD) inkludierend Allergien bei Mensch und Tier bearbeitet werden.
Der Artikel „One Health: EAACI Position Paper on coronaviruses at the human-animal interface, with a specific focus on comparative and zoonotic aspects of SARS-Cov-2“ von Korath ADJ, Janda J, Untersmayr E, Sokolowska M, Feleszko W, Agache I, Adel Seida A, Hartmann K, Jensen-Jarolim E, Pali-Schöll I wurde in Allergy 2021 veröffentlicht.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34180546/
Nina Grötschl
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27.07.2021 | Autor*in: holler
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