Ohne Batteriespeicher keine Energiewende: Flexibilisierung verbindet System und Markt
Essen, Aachen - Ohne ausreichende Flexibilisierung steigen die Systemkosten, Netze geraten an ihre Grenzen und Marktmechanismen verlieren an Effizienz.
Im Rahmen eines Pressegesprächs auf der E-world energy & water 2026 ordnete die Trianel GmbH. die Rolle von Batteriespeichern politisch, technisch und marktwirtschaftlich ein. Im Fokus standen aktuelle regulatorische Entwicklungen, konkrete Speicherprojekte sowie die Vermarktung von Flexibilität im Verbund Virtueller Kraftwerke.
Politische Weichenstellungen entscheiden über den Ausbau
Batteriespeicher leisten einen wichtigen systemischen Beitrag, werden regulatorisch jedoch weiterhin benachteiligt. Die Diskussion der Bundesnetzagentur zur Einführung von rückwirkenden Speichernetzentgelten treibt die regulatorische Unsicherheit derzeit auf die Spitze. So sollen Netzentgelte für Speicher erhoben werden, denen nach derzeitigem Gesetzeswortlaut eine 20-jährige Netzentgeltbefreiung zustünde. Unklare Marktrollen, Baukostenzuschüsse oder Eingriffe in die Vermarktung erschweren Investitionen zusätzlich. Trianel plädiert daher für einen investitionssicheren Rahmen, der Batteriespeicher als eigenständige systemische Flexibilität anerkennt und Planungssicherheit schafft.
Projektstand Waltrop: Großspeicher soll 2028 in Betrieb gehen
Wie große Batteriespeicher in der Praxis umgesetzt werden können, zeigt das Projekt Trianel Batteriepark Waltrop. Direkt neben dem Trianel Kraftwerksstandort Lünen entsteht auf Waltroper Gemeindegebiet ein Speicher mit insgesamt 900 Megawatt Leistung und 1.800 Megawattstunden Kapazität. Die Inbetriebnahme ist für Mitte 2028 geplant. Netzanschluss, Flächensicherung und Investorenstruktur sind geklärt. Die Baugenehmigung wird im Februar 2026 erwartet, der finale Baubeschluss steht bevor.
Im bisherigen Projektverlauf konnten bereits diverse Optimierungspotenziale identifizieren, die die Projektkosten weiter senken können. Die Wirtschaftlichkeit des Speicherprojekts basiert vollständig auf Markterlösen, da Batteriespeicher ohne EEG-Förderung auskommen müssen.
Virtuelle Kraftwerke optimieren Speicherbetrieb im Verbund
Den größten systemischen und wirtschaftlichen Nutzen entfalten Batteriespeicher im Verbund. Über das Virtuelle Kraftwerk von Trianel werden Speicher automatisiert gesteuert und an verschiedenen Märkten eingesetzt. Dazu zählen insbesondere der Intraday-Handel sowie die Regelenergie. Entscheidend ist ein Multi-Market-Ansatz, der Flexibilität dynamisch dort einsetzt, wo sie den höchsten Wert erzielt.
Markus Hagel, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation & Energiepolitik, Trianel GmbH:
„Ohne Batteriespeicher wird die Energiewende unnötig teuer. Sie sind keine Nischentechnologie, sondern systemrelevante Flexibilität. Dafür braucht es jetzt klare politische Weichenstellungen.“
„Batteriespeicher müssen regulatorisch als das behandelt werden, was sie sind. Sie sind weder Erzeuger noch Verbraucher, sondern ein zentraler Baustein für ein stabiles und effizientes Energiesystem.“
Klaus Horstick, Geschäftsführer Trianel Flexibilitätsprojekte GmbH & Co. KG:
„Der Batteriepark Waltrop zeigt, dass Großspeicher heute technisch beherrschbar, finanzierbar und wirtschaftlich darstellbar sind. Dass bislang nur wenige Investitionsentscheidungen für Batteriespeicher gefallen sind, liegt nicht an fehlenden Projekten oder mangelndem Interesse. Es liegt an unsicheren politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen.“
„Batteriespeicher sind marktlich finanzierte Flexibilität. Dafür brauchen sie einen stabilen und verlässlichen Rahmen. Ohne diesen werden Investitionen verzögert, obwohl der systemische Bedarf eindeutig ist.“
Lars Becker, Leiter Virtuelles Kraftwerk, Trianel GmbH:
„Besonders dezentrale Batteriespeicher entfalten ihren vollständigen wirtschaftlichen und systemischen Nutzen erst im Verbund. Im Virtuellen Kraftwerk werden sie automatisiert gesteuert, kontinuierlich optimiert und marktübergreifend eingesetzt.“
„Die Vermarktung von Batteriespeichern ist ein hochkomplexer Prozess. Entscheidend ist eine vollautomatisierte Optimierung, die Fahrweise und Marktzugänge laufend anpasst und dabei verschiedenste Marktdynamiken berücksichtigt.“