Österreich: Mehr als 300.000 Elektroautos auf den Straßen
Die Entwicklung hat zuletzt deutlich an Dynamik gewonnen. Die Marke von 100.000 Elektroautos wurde im September 2022 erreicht. Für die nächsten 100.000 dauerte es noch 27 Monate, die dritte 100.000er-Marke wurde bereits nach 19 Monaten überschritten. Ende 2025 waren 257.717 Elektroautos in Österreich zugelassen.
Trotz des deutlichen Wachstums sieht der VCÖ Österreich im internationalen Vergleich noch nicht an der Spitze. Elektroautos machen mittlerweile 5,7 Prozent des gesamten Pkw-Bestands aus. In Dänemark liegt der Anteil bereits bei 22 Prozent, in Norwegen sogar bei 34 Prozent.
Auch bei den Neuzulassungen zeigt sich ein deutlicher Unterschied: In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 waren in Österreich rund 25 Prozent der neu zugelassenen Pkw Elektroautos. In Dänemark lag der Anteil bei rund 80 Prozent, in Norwegen sogar bei etwa 98 Prozent.
Weniger Abhängigkeit von Erdöl
„Der Vergleich mit Europas Spitze zeigt, dass Österreich bei der Energiewende im Verkehr ein paar Gänge höher schalten sollte“, sagt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.
Aus Sicht des VCÖ ist der Umstieg auf Elektroautos nicht nur eine Klimaschutzmaßnahme, sondern auch eine Frage der Energieversorgung. Österreich kann einen großen Teil seines Stroms selbst erzeugen, während Erdöl importiert werden muss. Eine raschere Elektrifizierung des Verkehrs könne daher Haushalte und Unternehmen unabhängiger von internationalen Ölpreisen machen.
Elektroautos sind zudem deutlich energieeffizienter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Nach Angaben des VCÖ benötigen sie pro gefahrenem Kilometer etwa zwei Drittel weniger Energie. Werden sie beispielsweise tagsüber mit Solarstrom geladen, können sie auch dazu beitragen, einen Teil der heimischen Sonnenenergie direkt im Verkehr zu nutzen.
Firmenwagen als wichtiger Hebel
Besonders großes Potenzial sieht der VCÖ bei Firmenfahrzeugen. Rund zwei Drittel der Neuwagen werden auf Unternehmen oder andere juristische Personen zugelassen. Nach einigen Jahren gelangen diese Fahrzeuge als Gebrauchtwagen auf den Privatmarkt.
Wer den Anteil der Elektroautos im gesamten Fahrzeugbestand erhöhen wolle, müsse daher insbesondere bei den Firmenwagen ansetzen, argumentiert der VCÖ. Vorgeschlagen wird unter anderem eine Ökologisierung der sogenannten Luxustangente. Steuerliche Vorteile für emissionsfreie Fahrzeuge könnten dabei erhalten bleiben, während jene für konventionelle Firmenwagen schrittweise reduziert werden.
Nicht jedes Elektroauto ist automatisch effizient
Gleichzeitig warnt der VCÖ davor, bei Elektroautos die Entwicklung zu immer größeren und schwereren Fahrzeugen zu wiederholen. Denn auch bei E-Autos steigt der Energieverbrauch mit Gewicht und Motorleistung.
Gefordert werden deshalb auf EU-Ebene stärkere Anreize für die Entwicklung und Produktion kleinerer und effizienterer Elektrofahrzeuge. Die Verkehrswende soll nicht nur vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb führen, sondern auch den Energieverbrauch des gesamten Verkehrssystems reduzieren.
Der Sprung über die Marke von 300.000 Elektroautos zeigt jedenfalls, dass die Elektrifizierung des österreichischen Pkw-Bestands voranschreitet. Gleichzeitig machen die internationalen Vergleichszahlen deutlich, dass Österreich noch erhebliches Potenzial für eine schnellere Verkehrswende hat.