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Ökostrom–Anteil droht dramatisch zu sinken

02.10.2003

Ökoenergie–Verbände und WWF schlagen Alarm – wenn sich nichts ändert, erreichen wir nur 61 % statt 78,1% Ökostromanteil bis 2010

Wien, 2. Oktober 2003 – Eine Ökoenergie–Allianz, bestehend aus Biomasseverband, Verband der Kleinkraftwerke, Bundesverband Photovoltaik, und IG Windkraft schlug heute gemeinsam mit dem WWF im Rahmen einer Pressekonferenz Alarm. Der Ökostrom–Anteil in Österreich droht bis 2010 auf 61% zu sinken. Die angestrebten 78,1 Prozent Erneuerbare Energien (EE) an der österreichischen Stromversorgung werden also weit verfehlt. Verantwortlich dafür ist der ständig steigende Stromverbrauch. Vom Wirtschaftsminister werden zur Zeit keine Maßnahmen gesetzt, um diesen Trend umzukehren, es gibt keine Energiesparprogramme, wie sie in den meisten EU_Ländern bereits laufen. Einem rascheren Ausbau der Ökostromquellen (Biomasse, Wind– und Kleinwasserkraft, Photovoltaik) noch immer viele Hürden in den Weg gelegt. Das Ökostromgesetz ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, ist aber in einigen Punkten widersprüchlich und muß daher dringend angepaßt werden.
In der EU–Richtlinie Erneuerbare Energien hat sich die österreichische Bundesregierung 2001 verpflichtet, bis zum Jahr 2010 einen Erneuerbare–Energie–Anteil (inkl. Großwasserkraft) von 78,1 Prozent zu erreichen. Dieses Ziel geht jeodch von einem Bruttostromverbrauch von 56,1 Milliarden kWh (= Terrawattstunden [TWh]) aus, was dem tatsächlichen Stromverbrauch von 1997entspricht. Um 2010 einen derart niedrigen Stromverbrauch zu erreichen, sind deutliche Anstrengungen im Energiesparbereich nötig. Zwei Jahre nach Inkrafttreten der EU–Richtlinie steigt der Stromverbrauch in Österreich aber deutlich um etwa 2% pro Jahr an.
Es wird so getan, als ob Österreichs Stromverbrauch tatsächlich auf diesen unrealistischen 56,1 TWh eingefroren wäre und damit für die Zielerreichung von 78,1% nur 43,8 TWh Strom aus Erneuerbaren Energien erreicht werden müssten. Tatsächlich ist jedoch 2010 von einem Stromverbrauch von 71,9 TWh auszugehen, sodass der Ökostrom–Anteil inklusive Großwasserkraft bis 2010 de facto auf etwa 61% zu sinken droht. Das heißt: für die Erreichung des 78,1%–Ziels müssen bis 2010 nicht, wie angenommen, 43,8 TWh aus Erneuerbaren Energiequellen stammen, sondern 56,15 TWh.
Die Ökoenergie–Allianz (Biomasseverband, Kleinwasserkraftverband ÖVFK, IG Windkraft und Bundesverband Photovoltaik) und der WWF fordern, dass die Ziele im Ökostromgesetz zumindest so angepasst werden, dass 2010 78,1% des tatsächlichen Stromverbrauch aus Erneuerbarer Energie stammen. Außerdem müssen langfristige Vorgaben betreffend Stromverbrauch sowie Ökostrom–Anteil entwickelt werden: Bis zum Jahre 2010 sollen mindestens 49 TWh aus erneuerbaren Energiequellen kommen, um 5 TWh mehr als derzeit geplant. Danach soll, bei gleichzeitig Eindämmung des Stromverbrauchzuwaches, der Ökostromanteil kontinuierlich ausgebaut werden. Die Erreichung eines Anteils von 90 bis 100% Ökostrom wird bis zum Jahr 2020 für realistisch angesehen.
Mag. Stefan Hantsch, Geschäftsführer der IG Windkraft: "Wenn E–Control und Wirtschaftsministerium so weiter machen, rückt das 78,1%–Ziel in die Ferne. Mit dem Ökostromgesetz wurde zwar eine brauchbare Grundlage für Investitionen geschaffen, die E–Control erklärt aber nun dauernd etwas von einer angeblichen Zielübererfüllung und will diesen Erfolg bremsen. Dabei müsste sie wissen, dass das 78,1%–Ziel bei ehrlicher Betrachtung mit den bisherigen Maßnahmen bei weitem nicht erreicht werden kann. Es ist unverständlich, dass die Regulierungsbehörde die Öffentlichkeit bewusst missverständlich informiert."

Was meinen die Vertreter der Verbände und des WWF im Detail:

Stefan Moidl, Klima– und Energieexperte des WWF Österreich: "Die Potenziale für den Ökostromausbau in Österreich sind vorhanden. 100 % Ökostrom kann in Österreich erreicht werden. Dazu brauchen wir weitere Ausbauziele für Wind, Biomasse, Biogas und Photovoltaik. Außerdem muss die Regierung Stromsparprogramme planen und umsetzen."
Dr. Heinz Kopetz, Präsident des Biomasse–Verbands: "Wenn der Ökostrom–Anteil auf 61% fällt, dann hat das fatale Folgen für den Klimaschutz. Die Treibhausgasemissionen der Energiewirtschaft liegen 2001 um 9,4% höher als 1990, und gerade die Energiewirtschaft liegt an zweiter Stelle, hinter dem Verkehr beim CO2 Ausstoß. Bei einem weiteren Stromverbrauchszuwachs droht 2010 eine Zunahme auf 19 Mio. Tonnen, der nationale Klimaplan erlaubt hingegen nur 12,4 Mio. Tonnen. Die Kyotoziele können damit absolut nicht erreicht werden!"
DI Peter Schubert, Geschäftsführer des Kleinwasserkraftverbands ÖVFK: "Das 9%–Ziel für die Kleinwasserkraft stellt sich als Etikettenschwindel heraus. Im Moment kommt es durch das Heruntertypisieren von Großwasserkraftanlagen auf unter 10 MW Leistung nur zu einer Umschichtung von ungeförderten Großkraftwerken in den Bereich der Kleinwasserkraft. Das Förderbudget für Kleinwasserkraft wird so ausgeschöpft, ohne dass es zu einem nennenswerten Ausbau kommt. Außerdem erwarten wir Erschwernisse durch die Wasserrahmenrichtlinie, speziell in Sommern wie dem Heurigen. Wir fordern daher, dass die Unterstützungssummen an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst werden. "
Ing. Bernd Rumplmayr, Obmann des Bundesverbands Photovoltaik: "Die Photovoltaik wurde gleich ganz radikal bei 15 Megawatt gedeckelt. Die ganze Branche ist dadurch schwer beeinträchtigt. Im Regierungsprogramm ist zwar vorgesehen, dass der Deckel angehoben werden soll, aber bisher ist hier nichts passiert. Es ist absurd, dass der Anteil des Kohle– und Atomstroms in Österreich ständig steigt und die Erneuerbaren Energien, und speziell die Photovoltaik, gedeckelt werden. Gerade die Photovoltaik hat mittelfristig eine bedeutende Rolle in der europäischen Stromversorgung. Photovoltaikanlagen können auf tausenden Dächern problemlos montiert werden. Wir brauchen auch keine zusätzlichen Leitungen, der Photovoltaik–Strom kann überall erzeugt werden Für eine effektive Marktentwicklung der Photovoltaik ist eine Aufhebung der Deckelung notwendig. Zumindest aber sollte sich Österreich ein Vorbild am deutschen Nachbarn nehmen, dessen erfolgreiches PV Förderungssystem auf 1000 MW ausgelegt ist. Wir bräuchten mindestens 10 % davon. Laut jüngsten Studien der Wirtschaftskammer Vorarlberg, die auf dem dortigen Markt basierend erstellt wurden, bringt das sogar volkswirtschaftlich gesehen mehr als es tatsächlich kostet.
Einig sind sich die Ökoenergie–Verbände darüber, das sämtliche „Deckelungen" im jetzigen Ökostromgesetz aufgehoben werden müssen. Laut einer WIFO–Studie ergibt der Bereich Erneuerbare Energie ein Potential von 25.000–40.000 neuen Arbeitsplätzen. Wenn wir im Vergleich dazu Emmissionszertifikate zukaufen, so zahlen wir dieses Geld an das Ausland, bei einem Investment in Erneuerbare Energie liegt die Wertschöpfung in Österreich.
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02.10.2003 | Autor*in: holler
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