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Non-GMO Summit: Österreich pocht auf Transparenz bei neuer EU-Gentechnik-Regelung

14.05.2026

Beim internationalen Non-GMO Summit in Frankfurt am Main  warnten Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft  gestern eindringlich vor einer Aufweichung der Kennzeichnungspflichten für gentechnisch veränderte Lebensmittel. 

Minister Alois Rainer beim Non-GMO Summit 2026.jpg
Minister Alois Rainer beim Non-GMO-Summit © Non-GMO Summit
Frankfurt  am Main  - Mehr als 120 internationale Teilnehmer:innen diskutierten über die geplante EU-Neuregulierung sogenannter „Neuer Genomischer Techniken“ (NGT) und deren Auswirkungen auf die gentechnikfreie Lebensmittelwirtschaft.

Österreich positionierte sich dabei klar gegen die geplanten Lockerungen. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) betonte in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung von Transparenz und Wahlfreiheit für Konsument:innen. Besonders kritisch sieht sie, dass für Produkte der Kategorie NGT1 künftig keine verpflichtende Kennzeichnung vorgesehen sein könnte.

„Dieser Mangel an Kennzeichnung schränkt die Wahlfreiheit der Verbraucherinnen und Verbraucher stark ein“, erklärte Königsberger-Ludwig. Verbraucher:innen wollten klare Informationen über Lebensmittel – insbesondere dann, wenn gentechnische Verfahren eingesetzt wurden. 


Österreich sieht Erfolgsgeschichte gefährdet

 

Die Staatssekretärin verwies auf Österreichs lange Tradition im Bereich gentechnikfreier Lebensmittel. Bereits 1998 habe Österreich mit einer Leitlinie zur Definition gentechnikfreier Produkte eine Vorreiterrolle in Europa übernommen. Heute seien rund 6.800 Produkte mit dem Label „Ohne Gentechnik hergestellt“ auf dem österreichischen Markt erhältlich.
 

Dieses Modell habe sich wirtschaftlich als erfolgreich erwiesen und gleichzeitig das Vertrauen der Konsument:innen gestärkt. Die österreichische Agrar- und Ernährungspolitik setze traditionell auf regionale Herkunft, hochwertige Nischenprodukte und ökologische Qualität – Werte, die nach Ansicht der Regierung durch eine Deregulierung der Gentechnik unter Druck geraten könnten.
 

Die EU-Mitgliedstaaten haben die neue NGT-Verordnung bereits im April 2026 mit knapper Mehrheit angenommen. Österreich stimmte dagegen. Die endgültige Entscheidung liegt nun beim Europäischen Parlament.
 

Deutsche Bundesregierung setzt auf Balance zwischen Innovation und Kontrolle

 

Auch Deutschlands Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hob beim Summit die Bedeutung gentechnikfreier Lebensmittel hervor. Produkte „ohne Gentechnik“ stünden für Wahlfreiheit, klare Standards und großes Vertrauen der Verbraucher:innen.

Rainer bezeichnete die „Ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung als „verlässliches Instrument“ eines verantwortungsvollen Marktes. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, Innovationen durch neue Züchtungstechnologien zu ermöglichen, ohne bestehende Kontroll- und Kennzeichnungsstandards zu gefährden.

„Wir brauchen verlässliche Nachweisverfahren, damit Kontrolle und Vertrauen weiterhin gewährleistet sind“, sagte Rainer. Die Sorge der gentechnikfreien und biologischen Lebensmittelwirtschaft vor Verunreinigungen nehme man ernst.
 

Branche sieht neue Marktchancen

 

Trotz der Kritik sehen viele Vertreter:innen der Branche auch wirtschaftliche Chancen. Sollte die EU die geplanten Regeln umsetzen und bestimmte neue Gentechnikverfahren von der verpflichtenden Kennzeichnung ausnehmen, könnten Verbraucher:innen künftig nur noch über Bio- oder „Ohne Gentechnik“-Siegel zuverlässig erkennen, ob Produkte tatsächlich gentechnikfrei hergestellt wurden.
 

Das könnte die Nachfrage nach entsprechend zertifizierten Produkten weiter steigern. Gleichzeitig rechnen Unternehmen jedoch mit höherem Kontrollaufwand und neuen rechtlichen Herausforderungen.
 

Ukraine will sich als gentechnikfreier Partner Europas positionieren

Auch die Ukraine spielte beim Summit eine wichtige Rolle. Der stellvertretende ukrainische Minister Taras Vysotskyi kündigte weitreichende Reformen im Bereich der Gentechnik-Regulierung an. Ziel sei eine vollständige Anpassung an europäische Standards.
 

Ab September 2026 tritt in der Ukraine ein neues Gesetz zur Regulierung gentechnisch veränderter Organismen in Kraft. Geplant sind unter anderem ein öffentliches GMO-Register, strengere Kontrollmechanismen sowie eine vollständige Angleichung der Kennzeichnungspflichten an EU-Recht.
 

Die Ukraine wolle sich langfristig als verlässlicher Lieferant gentechnikfreier Agrarprodukte für Europa etablieren. Bereits heute exportiere das Land jährlich rund vier Millionen Tonnen Sojaäquivalent in die EU. Mehr als ein Viertel der ukrainischen Non-GMO-Sojaproduktion sei bereits in zertifizierte europäische Lieferketten eingebunden.
 

Der Non-GMO Summit gilt als eines der wichtigsten internationalen Treffen der gentechnikfreien Lebensmittelwirtschaft in Europa. Im Mittelpunkt standen heuer die bevorstehenden Entscheidungen der EU zur Regulierung neuer gentechnischer Verfahren – und die Frage, wie Transparenz und Wahlfreiheit für Konsument:innen künftig gesichert werden können.

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