Neuer Bericht: Öl und Gas bringen absolut keine nachhaltige Entwicklung für Afrika
Nairobi – Ein neuer Bericht von Oil Change International und Power Shift Africa kommt zu einem klaren Ergebnis: Die jahrzehntelange Förderung von Öl und Gas hat in afrikanischen Förderländern keine breite wirtschaftliche Entwicklung gebracht – sondern vor allem Abhängigkeiten, Ungleichheit und Krisenanfälligkeit verstärkt.
Der Bericht mit dem Titel „Pipe Dreams: How Oil and Gas Fail to Deliver Economic Development in Africa“ analysiert Daten aus 13 afrikanischen Ländern. Das Fazit: Trotz hoher Exporterlöse aus fossilen Brennstoffen bleiben viele Staaten arm, während große Teile der Bevölkerung weiterhin keinen Zugang zu Strom oder sauberer Energie haben.
Laut der Studie profitieren vor allem multinationale Konzerne und kleine politische Eliten von der Öl- und Gasförderung. Gleichzeitig leiden andere Wirtschaftsbereiche – etwa die Landwirtschaft – unter Umweltbelastungen und fehlenden Investitionen. Auch die Schaffung von Arbeitsplätzen bleibe im fossilen Sektor vergleichsweise gering.
Ein zentrales Problem ist zudem die starke Abhängigkeit von globalen Energiemärkten. Konflikte und geopolitische Spannungen führen immer wieder zu Preisschocks, die die Länder besonders hart treffen. Trotz eigener Produktion sind viele Staaten weiterhin auf teure Energieimporte angewiesen.
Der Bericht warnt außerdem vor neuen Öl- und Gasprojekten. Da die weltweite Nachfrage nach fossilen Energien langfristig sinken dürfte, könnten heutige Investitionen zu sogenannten „stranded assets“ werden – also teuren Anlagen ohne wirtschaftlichen Nutzen. Das würde Staaten zusätzlich verschulden und zukünftige Einnahmen gefährden.
Als Gegenmodell sehen die Autorinnen und Autoren den Ausbau erneuerbarer Energien. Solar-, Wind- und dezentrale Energiesysteme könnten nicht nur den Zugang zu Strom verbessern, sondern auch Arbeitsplätze schaffen und lokale Wirtschaftskreisläufe stärken.
Thuli Makama von Oil Change International fasst die Kritik deutlich zusammen: Öl und Gas hätten Afrika nicht entwickelt, sondern Reichtum konzentriert und Krisen verschärft. Der aktuelle Energiepreisschock zeige erneut die Instabilität dieses Systems.
Auch Mohamed Adow von Power Shift Africa warnt vor einer Fortsetzung des fossilen Pfads: Statt Wohlstand entstünden neue Abhängigkeiten und Schulden. Die eigentliche Chance liege in erneuerbaren Energien aus afrikanischer Produktion.
Der Bericht erscheint kurz vor dem Afrika-Frankreich-Gipfel in Nairobi, bei dem über künftige Energieinvestitionen beraten wird. Er stellt die Grundsatzfrage, ob Afrika weiter auf fossile Exportmodelle setzen oder stärker in dezentrale erneuerbare Energien investieren sollte – mit weitreichenden Folgen für Entwicklung, Energiezugang und wirtschaftliche Stabilität. Die Antwort ist eigentlich klar.