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Neue Umfrage: 80 Prozent der Europäer:innen sagen NEIN zu Patenten auf Pflanzen

16.04.2026

EU-Parlament muss neue Regeln für Gentechnik ablehnen

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© Jeyaratnam Caniceus auf Pixabay

Schiltern, Brüssel (OTS) - Eine repräsentative Umfrage in fünf EU-Mitgliedstaaten zeigt: Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung lehnen Patente auf Pflanzen oder Tiere ab. Vor der entscheidenden Abstimmung über neue Regeln zur Gentechnik in der EU fordert ARCHE NOAH das EU-Parlament auf, diese klare Botschaft der Bürger:innen umzusetzen und derartige Patente wirksam zu verbieten. „Quer durch Europa ist das Bild klar: Die Menschen wollen keine Patente auf Pflanzen“, sagt Katherine Dolan von ARCHE NOAH. „Patente auf Pflanzen und ihre Eigenschaften nehmen uns die Kontrolle über unsere eigene Ernährung und legen sie in die Hände weniger Konzerne. Die Politik muss dringend handeln – im Sinn der eigenen Wähler:innen, der österreichischen Landwirt:innen und der mittelständischen Züchtungsunternehmen.“

Die aktuelle Umfrage wurde im Auftrag des internationalen Bündnisses „No Patents on Seeds!“ vom deutschen Meinungsforschungsinstitut Civey in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Polen durchgeführt. Den jeweils 1.000 Befragten wurden vier Fragen gestellt. Die meiste Unterstützung – mehr als 90 Prozent – erhielt die Aussage, dass Vielfalt in der Pflanzenzüchtung und der Lebensmittelproduktion entscheidend ist. Fast ebenso viele Befragte fordern, dass bei Patenten auf gentechnisch veränderte Pflanzen und bei deren Marktzulassung der Schutz der Umwelt einen hohen Stellenwert haben muss. Zudem lehnen 75 Prozent Patente auf Gene ab, die frei in der Natur vorkommen oder zufällig entstanden sind.

Mit Patenten auf Pflanzen sichern sich Konzerne Exklusiv-Rechte auf wichtige Eigenschaften – etwa bestimmte Virus-Resistenzen oder Hitzetoleranz. Damit ist auch die klassische Pflanzenzucht in Österreich bedroht. „Patente zementieren die Macht der dominanten Saatgut-Konzerne weiter ein und bedrohen die Vielfalt in der Pflanzenzüchtung und der Lebensmittelproduktion“, warnt Katherine Dolan. Auch der deutsche Bauernverband und der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. haben in einem gemeinsamen Papier mit der Bio-Branche und kirchlichen Vertreter:innen Alarm geschlagen.

Anlass für die großangelegte repräsentative Umfrage: Bereits Mitte Mai könnte das EU-Parlament die neue „NGT-Verordnung“ absegnen – wobei unter anderem das Thema Patente auf Pflanzen für heftige Diskussionen sorgt. Das EU-Parlament hat sich ursprünglich dafür ausgesprochen, Patente auf Pflanzen drastisch einzuschränken – nur transgene Pflanzen der „alten Gentechnik“ sollten noch patentierbar sein. Der Text, der bereits im Mai zur Abstimmung kommt, ist das Ergebnis der Trilog-Verhandlungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten, der Kommission und dem Parlament. Er enthält allerdings keine entsprechenden Regelungen, womit auch die klassische, gentechnik-freie Pflanzenzucht stark betroffen ist.

„Der Gesetzesvorschlag widerspricht der Meinung der Bevölkerungsmehrheit sowie der Position des EU-Parlaments. Wenn die EU-Abgeordneten die Verordnung in ihrer jetzigen Form annehmen, ignorieren sie die Interessen der eigenen Wähler:innen, der europäischen Bäuer:innen und der mittelständischen Züchter:innen“, so Katherine Dolan von ARCHE NOAH.

In Österreich äußern sich alle politischen Parteien gegen die Patentierung von Pflanzen. Der Einsatz der Parlamentarier:innen ist allerdings zumindest bei einigen EU-Abgeordneten nur halbherzig. Bei der ersten Abstimmung im Umweltausschuss des EU-Parlaments über das Trilog-Ergebnis am 28. Jänner 2026 war aus Österreich nur die NEOS-Abgeordnete Anna Stürghk anwesend und hat für den Kompromiss – und damit implizit für die umstrittenen Patente – gestimmt. Lena Schilling (Grüne) und Günther Sidl (SPÖ) haben sich vertreten lassen, lehnen den Gesetzesentwurf aber laut eigenen Aussagen klar ab. Der ÖVP-Abgeordnete Alexander Bernhuber und der FPÖ-Abgeordnete Roman Haider waren bei der Abstimmung nicht anwesend und haben auf eine Anfrage von ARCHE NOAH nach den Gründen ihres Fernbleibens auch nicht reagiert, obwohl sich ihre Parteien offiziell gegen Patente auf Pflanzen aussprechen.

„Die finale Abstimmung dürfte äußerst knapp ausfallen. Deshalb sind die Anwesenheit und das Stimmverhalten unserer EU-Abgeordneten wesentlich für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft und der mittelständischen Züchtungsbetriebe“, appelliert Katherine Dolan.

 

Gemeinsame Stellungnahme der deutschen Verbände: www.bdp-online.de/de/Branche/Patentschutz/2025-06-12_Positionspapaier_Biopatente_final_komplett.pdf

Links

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Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit. Dienstag, 12. Mai 2026, 69.054 Artikel Online

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