Nationalrat ebnet Weg für stärkere Nutzung von Geothermie
Wien – Künftig soll die aus der Tiefe gewonnene Energie verstärkt sowohl für Fernwärme als auch zur Stromerzeugung genutzt werden. Voraussetzung dafür sind verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen, die nun rasch auf den Weg gebracht werden sollen.
Ausgangspunkt der Debatte war ein Antrag der Grünen, der im Wirtschaftsausschuss zunächst keine Mehrheit fand. In weiterer Folge einigten sich jedoch alle fünf Parlamentsparteien auf einen gemeinsamen Antrag, der schließlich einstimmig beschlossen wurde. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, geplante gesetzliche Anpassungen – insbesondere im Mineralrohstoff- und Wasserrechtsgesetz – zeitnah in Begutachtung zu schicken. Ziel ist eine Beschlussfassung noch im Laufe dieses Jahres.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner betonte in der Debatte die zentrale Rolle der Geothermie für eine nachhaltige Energiezukunft: „Die Energiewende wird ohne Wärmewende nicht funktionieren.“ Derzeit liegt der Anteil der Geothermie an der Fernwärmeversorgung noch unter einem Prozent. Bis 2030 könnte jedoch ein Potenzial von rund einer Terawattstunde erschlossen werden. Geplant sind unter anderem vereinfachte Genehmigungsverfahren für bestimmte Anlagen.
Über Parteigrenzen hinweg herrschte Einigkeit darüber, dass Geothermie einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung leisten kann – auch wenn das Ausmaß ihres Potenzials unterschiedlich eingeschätzt wird.
Seitens der FPÖ wurde vor allem die Leistbarkeit von Energie in den Vordergrund gestellt. Geothermie könne ein Teil der Lösung sein, müsse sich aber auch wirtschaftlich bewähren. Zudem wurde betont, dass die Erwartungen an die tatsächlich verfügbaren Energiemengen realistisch bleiben müssten.
Die ÖVP hob hervor, dass eine stärkere Nutzung der Geothermie helfen könne, Österreich unabhängiger von fossilen Energieträgern zu machen. Neben der Wärmeerzeugung könne auch die punktuelle Stromproduktion sinnvoll sein, um das Energiesystem zu entlasten.
Auch die SPÖ sieht in der Geothermie einen wichtigen Baustein zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energien. Sie verwies auf das Potenzial für eine CO₂-freie Versorgung von hunderttausenden Haushalten sowie positive Effekte für Wirtschaft und Beschäftigung. Gleichzeitig wurde betont, dass Sicherheitsaspekte bei der Nutzung höchste Priorität haben müssen.
Die NEOS bezeichneten den Beschluss als „Meilenstein“ und wichtigen Schritt hin zu einer notwendigen Wärmewende. Derzeit sei der Wärmesektor noch zu mehr als 50 Prozent von fossilen Energien abhängig. Geothermie könne helfen, diese Abhängigkeit deutlich zu reduzieren. Verwiesen wurde auch auf erste Pilotprojekte, etwa in Wien, die langfristig bis zu 200.000 Haushalte mit klimafreundlicher Fernwärme versorgen sollen.
Die Grünen kritisierten die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen: Derzeit seien Bohrungen nach Öl und Gas teilweise besser gestellt als jene zur Nutzung von Erdwärme. Dabei bleibe ein Großteil des geothermischen Potenzials bislang ungenutzt.
Mit dem einstimmigen Beschluss ist nun der politische Wille klar formuliert: Geothermie soll in Österreich künftig eine deutlich größere Rolle spielen – als nachhaltige, heimische Energiequelle und als zentraler Baustein der Wärmewende.