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Nachhaltigkeit von 28 deutschen Unternehmen in Euro gemessen

07.05.2007

Wissenschaftler errechnen aussagekräftige Euro–Kennzahl für den Einsatz ökologischer, sozialer und ökonomischer Ressourcen in Unternehmen

ja © freeimage.co.uk
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Berlin– Die vom Bundesforschungsministerium geförderte Studie „Nachhaltig erfolgreich Wirtschaften„ zeigt: Deutsche Unternehmen schaffen einen nachhaltigen Mehrwert zwischen plus 15,2 Mrd. Euro und minus 149 Mrd. Euro / Die Studie bewertet die Unternehmensleistung im Hinblick auf den Klimawandel und andere Nachhaltigkeitsthemen. Klimawandel, Arbeitnehmerinteressen, Gewinndruck – Unternehmen stehen vor gravierenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Doch welche Unternehmen schaffen es am besten, Klima– und Umweltschutz mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden und gleichzeitig krisensichere Arbeitsplätze zu schaffen? Eine heute in Berlin veröffentlichte Studie macht durch eine neue Euro–Kennzahl messbar, wie gut es 28 deutschen Unternehmen gelingt, ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeitsaspekte zu vereinbaren. Die Ergebnisse der Studie erlauben eindeutige Aussagen und Vergleiche:
Bosch beispielsweise schafft es der Studie zufolge, mit seinen ökonomischen, öko–logischen und sozialen Ressourcen viel effizienter zu wirtschaften als die deutsche Volkswirtschaft im Durchschnitt. Dadurch erzielte das Unternehmen im Jahr 2004 einen nachhaltigen Mehrwert von rund 10,4 Mrd. Euro. Bayer setzt seine entspre–chenden Ressourcen insgesamt 1,6 mal effizienter ein als die anderen Chemieun–ternehmen und liegt sogar um den Faktor 4,5 besser als sein Wettbewerber Cela–nese. Die beiden Energieversorger EON und RWE nutzen ihre Ressourcen insge–samt etwa 14 mal weniger effizient als der volkswirtschaftliche Durchschnitt. Dies ist in erster Linie auf die hohe Kapital– und Umweltintensität dieser Unternehmen zurückzuführen. Im Hinblick auf Arbeitssicherheit und Arbeitsplätze liegt EON aber um den Faktor 6,8 bzw. 2,7 über dem volkswirtschaftlichen Niveau. Thyssen Krupp Steel konnte seine Nachhaltigkeitsleistung zwischen 2002 und 2004 um mehr als 40 Prozent verbessern.
Die vom Bundesforschungsministerium geförderte Studie „Nachhaltig erfolgreich Wirtschaften„ wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Berliner IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung und vom schottischen Sustainable Development Research Centre (SDRC) erstellt. Die Wirtschaftsfor–scher nutzen den von ihnen entwickelten Sustainable–Value–Ansatz, um die Nach–haltigkeitsleistung von 28 deutschen Unternehmen in monetären Größen (Euro) zu bewerten.
Ihr Ansatz baut auf der Logik der Unternehmensbewertung auf den Finanzmärkten auf. Dadurch wird die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen in die Sprache von Investoren und Managern übersetzt. Das Prinzip der Bewertung ist einfach: „Ein Unternehmen schafft mit seinen eingesetzten ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen dann Wert, wenn es mit diesen Ressourcen mehr Ertrag er–zielt als andere Unternehmen„, erläutert der Umweltwissenschaftler Dr. Tobias Hahn vom Berliner IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung.
Dies wird am Beispiel der CO2–Emissionen des Pharmaunternehmens Merck deut–lich. Das Pharmaunternehmen emittierte im Jahr 2004 rund 123.600 t CO2. Gleich–zeitig erreichte Merck eine Nettowertschöpfung von rund 2,22 Mrd. Euro und folg–lich rund 17.950 Euro pro Tonne CO2. Die gleiche Überlegung wird auch auf der volkswirtschaftlichen Ebene angestellt: Die deutsche Volkswirtschaft emittierte ins–gesamt im Jahr 2004 rund 886 Millionen Tonnen CO2. Gleichzeitig erzielte die deutsche Volkswirtschaft ein Nettoinlandsprodukt von 1.889 Milliarden Euro und folglich nur 2.133 Euro pro Tonne CO2. Die Differenz zwischen der Wertschöpfung, die Merck pro Tonne erzielt (17.950 Euro), und dem volkswirtschaftlichen Durch–schnittswert (2.133 Euro) ergibt den Mehrwert (15.800 Euro), den Merck pro Tonne CO2 erwirtschaftet. Auf den gesamten CO2–Ausstoß von Merck bezogen, schafft das Unternehmen aufgrund seiner überdurchschnittlichen CO2–Effizienz in absolu–ten Zahlen einen Mehrwert von 1,96 Mrd. Euro. Das heißt, dass für die Volkswirt–schaft 1,96 Mrd. Euro zusätzliches Nettoinlandsprodukt, also Löhne und Gehälter, Gewinne, Zinsen und Steuern, bei gleichen CO2–Emissionen entsteht. „Der Ansatz vergleicht die Ressourceneffizienz eines Unternehmens mit der Ressourceneffi–zienz des Marktes – genau so wie auf dem Finanzmarkt die Kapitalrendite eines Unternehmens mit der Marktrendite verglichen wird„, fasst Professor Frank Figge vom schottischen Sustainable Development Research Centre zusammen.
Die Studie betrachtet insgesamt zehn ökonomische, ökologische und soziale Indi–katoren, wie beispielsweise den Kapitaleinsatz, die CO2–Emissionen, den Wasser–verbrauch, die Gesamtabfallmenge oder die Zahl der Arbeitsunfälle und der Ar–beitsplätze. Die Ergebnisse zeigen ein detailliertes Bild der Nachhaltigkeitsleistung der untersuchten deutschen Unternehmen. DaimlerChrysler erzielt mit rund 15,2 Mrd. Euro den höchsten absoluten nachhaltigen Mehrwert („Sustainable Value„) der 28 untersuchten Unternehmen. Das effizienteste der untersuchten Unterneh–men ist DaimlerChrylser damit jedoch nicht. Andere Unternehmen wirtschaften effi–zienter, sind aber kleiner und erzielen deshalb einen niedrigeren absoluten Sustai–nable Value. Berücksichtigt man diesen Größeneffekt, erweist sich BMW als das untersuchte Unternehmen mit der höchsten Nachhaltigkeitseffizienz: BMW setzt seine ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen im Vergleich zur Volkswirtschaft rund fünfmal effizienter ein. Das Unternehmen erreichte dadurch im Jahr 2004 einen absoluten Sustainable Value von mehr als 8,2 Mrd. Euro. Auch andere Unternehmen schlagen den volkswirtschaftlichen Durchschnitt: Henkel wirtschaftete mit seinen Ressourcen im Jahr 2004 rund 1,7 mal effizienter als die deutsche Volkswirtschaft und schaffte dadurch einen Sustainable Value von knapp 1,2 Mrd. Euro. Im gleichen Jahr erzielte die Deutsche Telekom einen Sustainable Value von fast 9,3 Mrd. Euro, da sie ihre ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen 2,8 mal effizienter nutzt als die deutsche Volkswirtschaft.
Im volkswirtschaftlichen Vergleich erwirtschaften nicht alle Unternehmen einen po–sitiven Sustainable Value. Dies trifft vor allem auf Unternehmen aus ressourcenin–tensiven Branchen wie z.B. die Chemie oder Stahl– und Energieerzeugung zu. So erzielt Thyssen Krupp Steel im Jahr 2004 z.B. einen negativen Sustainable Value
von rund minus 14,7 Mrd. Euro. Damit liegt die Ressourceneffizienz des Unterneh–mens um den Faktor 7,4 unter dem volkswirtschaftlichen Durchschnitt. „Das heißt nicht, dass die Stahlindustrie geschlossen werden sollte„, stellt der Ökonom Prof. Frank Figge klar. „Die Ergebnisse machen jedoch erstmals offenkundig, in welchen Größenordnungen sich die Nachhaltigkeitsperformance von Branchen unterschei–det.„
Aber auch die Analyse innerhalb der Branchen zeigt beträchtliche Unterschiede. Zwischen der Nachhaltigkeitseffizienz von BASF und der Nachhaltigkeitseffizienz von Celanese liegt beispielweise ein Faktor von etwa 3,1. Das heißt, dass BASF seine ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen etwa 3,1 mal ertrag–reicher einsetzt als Celanese. Für 18 der untersuchten Unternehmen konnte eine solche Branchenanalyse durchgeführt werden.
Die gesamte Analyse basiert dabei auf den von den Unternehmen veröffentlichten Finanz–, Umwelt– und Sozialdaten. Die Betriebswirtschaftlerin Andrea Liesen vom IZT betont: „Das Bewertungsverfahren ist so transparent, dass die Ergebnisse ohne weiteres von Außenstehenden nachgerechnet werden können.„
Die Zahl der deutschen Unternehmen, die ausreichend gutes Zahlenmaterial für eine Sustainable–Value–Analyse veröffentlichen, ist jedoch nach wie vor recht ge–ring. „Die 28 untersuchten Unternehmen gehören sicherlich zu den fortschrittlichs–ten und engagiertesten Umwelt– und Nachhaltigkeitsberichterstattern in Deutsch–land„, betont Dr. Tobias Hahn. „Gerne hätten wir noch mehr Unternehmen betrach–tet„, sagt Andrea Liesen vom Berliner IZT. „Aber bei allen deutschen Logistik–dienstleistern außer der Deutschen Bahn sowie bei Unternehmen wie beispiels–weise Siemens, Deutsche Post, Lufthansa oder auch beim drittgrößten deut–schen Stromversorger EnBW war eine Bewertung aufgrund unzureichender Daten nicht möglich.„
Nächstes Ziel der Wissenschaftler ist es, ihren neuen Ansatz für die Anwendung im Management nutzbar zu machen und in der unternehmerischen Praxis zu erpro–ben. Schließlich können Unternehmen damit Nachhaltigkeitsaspekte wie Treib–hausgasemissionen genauso messen und steuern wie den Einsatz von Kapital. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind überzeugt, dass der An–satz Unternehmen dabei unterstützen kann, nachhaltig erfolgreich zu wirtschaften.
Die Kurzfassung der Studie und die komplette Studie stehen zum kostenlosen Download bereit – unter www.new–projekt.de/studie/download/index.html .
Quelle: Barbara Debus, IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin
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07.05.2007 | Autor*in: holler
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