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Nachhaltige Kunststoffverarbeitung: Wie neue Werkzeugbeschichtungen Recyclingmaterialien salonfähig machen

05.04.2026

Werkzeugbeschichtungen für Formteile aus Recycling-Kunststoffen mit verschleißfester Oberfläche - eine kluge Entwicklung

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Makellose Kunststoffteile im Sichtbereich aus Rezyklaten prozesssicher herstellen und Ausschuss minimieren. © KI-generiert by Fraunhofer LBF

Makellose Kunststoffoberflächen gelten als Standard – besonders im Sichtbereich von Produkten wie Automobilinnenräumen. Ob Lüftungsgitter, Bedienhebel, Türgriffe oder Blenden: Schon kleinste optische Fehler führen häufig zu Reklamationen. Die Folge sind hohe Ausschussraten und steigende Produktionskosten. Gleichzeitig wächst der Druck, nachhaltiger zu produzieren und vermehrt Recycling-Kunststoffe einzusetzen. Genau hier setzt aktuelle Forschung an.
 

Ein zentrales Problem: Rezyklate weisen oft Schwankungen in der Materialzusammensetzung sowie Verunreinigungen auf. Diese führen nicht nur zu sichtbaren Defekten an der Bauteiloberfläche, sondern auch zu erhöhtem Verschleiß der eingesetzten Werkzeuge. Damit wird der Einsatz von Recyclingmaterialien wirtschaftlich unattraktiv – trotz ihres ökologischen Potenzials.
 

Optische Qualität neu gedacht
 

Die wahrgenommene Qualität eines Kunststoffteils hängt von mehreren Faktoren ab: der Oberflächentopografie, der Materialzusammensetzung, möglichen Beschichtungen sowie den Verarbeitungsparametern. Bisherige Normen konzentrieren sich vor allem auf klassische Rauheitskennwerte. Doch diese greifen zu kurz. Denn ob ein Defekt sichtbar ist, hängt nicht allein von seiner Größe ab, sondern auch von Lichtreflexionen, Kontrasten, Glanzgraden und der menschlichen Wahrnehmung.
 

Hier setzt das Forschungsprojekt „Robust“ an: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fraunhofer-Institute entwickeln neue Ansätze, um die visuelle Qualität von Kunststoffoberflächen gezielt zu verbessern – auch bei Einsatz von Rezyklaten.
 

Verschleißfeste Werkzeuge mit intelligenter Struktur
 

Im Zentrum steht die Entwicklung spezieller, verschleißfester Oberflächenstrukturen für Formgebungswerkzeuge. Diese Mikro- und Nanostrukturen sind so gestaltet, dass sie materialbedingte Unregelmäßigkeiten optisch kaschieren. Das bedeutet: Selbst wenn das Material kleine Defekte aufweist, erscheinen die fertigen Bauteile für das menschliche Auge hochwertig und gleichmäßig.

Ein zusätzlicher Vorteil: Die optimierten Werkzeugoberflächen reduzieren den Verschleiß – ein entscheidender Faktor, insbesondere bei Kunststoffen mit hohem Glasfaseranteil, die häufig zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften eingesetzt werden.
 

Weniger Ausschuss, mehr Nachhaltigkeit
 

Durch die Kombination aus intelligenter Werkzeugstruktur und angepasster Prozessführung wird es möglich, auch aus Recyclingmaterialien Bauteile mit hoher Oberflächenqualität prozesssicher herzustellen. Das reduziert Ausschussmengen deutlich und verbessert die Wirtschaftlichkeit nachhaltiger Materialien.

Parallel dazu arbeiten die Forschenden daran, die Zusammenhänge zwischen Oberflächenstruktur und visueller Wahrnehmung systematisch zu erfassen. Ziel ist es, neue Bewertungsmethoden zu entwickeln, die über klassische Rauheitsmessungen hinausgehen und die tatsächliche Sichtbarkeit von Defekten berücksichtigen.
 

Ein Schritt Richtung Kreislaufwirtschaft
 

Die Ergebnisse zeigen: Hochwertige Kunststoffprodukte und Recycling müssen kein Widerspruch sein. Mit innovativen Werkzeugbeschichtungen und einem besseren Verständnis von Oberflächenwirkung lässt sich der Einsatz von Rezyklaten deutlich ausweiten – ohne Abstriche bei der Qualität.
 

Damit leistet die Forschung einen wichtigen Beitrag zur ressourcenschonenden Produktion und zur Etablierung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie.

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