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Mobilität der Zukunft bringt Chancen und Risiken für die Automobilbranche

10.09.2017

Roland Berger Studie zeigt: Innovation und neue Mobilitätsmodelle immens wichtig

© Arek Socha – pixabay.com
© Arek Socha – pixabay.com
Die Automobilindustrie ändert sich weltweit: Themen wie E–Mobilität, Digitalisierung, innovative Technologien, autonomes Fahren oder CO2–Emissionen zwingen die gesamte Branche zum Umdenken. Ein tiefes Verständnis von Innovation, konvergierenden Märkten und neuen Mobilitätsmodellen wird zukünftig für die Automobilindustrie zu einer lebenswichtigen Frage. Bei der Unternehmensberatung Roland Berger befassen sich rund 500 Berater weltweit mit der Automobil– und Zulieferbranche, mit ihren Chancen und Herausforderungen.
In Österreich sind 150 Unternehmen mit 30.000 Beschäftigten direkt in der Fahrzeugindustrie tätig. Insgesamt hängen rund 370.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Auto– und Autozulieferindustrie ab. Mit einem Auslandsumsatz von 14,1 Milliarden Euro ist diese die zweitwichtigste Exportbranche Österreichs. „Der gesamte Automotive–Sektor ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in Österreich", betont Rudolf Kemler, Senior Partner von Roland Berger in Wien. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Industrie auf Entwicklungen früh reagiert und sich auf eine erfolgreiche Zukunft vorbereitet.„
Innovation made in Austria
Jährlich werden durchschnittlich 348 Patente in Österreich im Bereich Automotive angemeldet. Jede 67. Automobil–Innovation weltweit kommt mittlerweile aus Österreich. „Gerade in den Bereichen Elektromobilität und neue Materialien ist die heimische Forschung sehr stark. Im Bereich E–Car wurden in den vergangenen fünf Jahren nicht weniger als 233 Patente angemeldet„, so Kemler. Die österreichische Automobilwirtschaft ist daher ein starker Innovationstreiber innerhalb Europas.
Bei aller notwendigen Innovation ist es jedoch wichtig, die vorhandenen Rahmenbedingungen in Österreich nicht zu vernachlässigen: Dieselantriebe wurden hier lange Zeit gefördert. Die Folge: Fast sechs von zehn Pkw fahren mit Dieselantrieb. Deshalb hat Diesel eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung für Österreich: Er erzielt 17,2 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, leistet einen Beitrag von sechs Prozent zum österreichischen BIP und ist für immerhin 5,2 Prozent aller heimischen Arbeitsplätze verantwortlich.
Auch die Sicherheit für Konsumenten, die die Anschaffung eines Pkw mit Dieselantrieb planen oder bereits in Betrieb haben, spielt eine wesentliche Rolle. „Alternative Antriebstechnologien können konventionelle Motoren noch nicht völlig ersetzen – es geht also nicht um ein entweder oder, sondern vielmehr darum, einen ökologisch und ökonomisch ausgewogenen Plan für die kommenden Jahre zu finden. Hier ist die Politik gefordert, mit Augenmaß und Weitsicht zu agieren„, so Rudolf Kemler.
Automobilindustrie muss disruptiven Wandel schaffen
Mit dem „Automotive Disruption Radar„ untersuchen die Experten von Roland Berger regelmäßig in einem weltweiten Ländervergleich den Übergang der Automobilindustrie zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft. Der Radar unterstützt so Automotive–Unternehmen bei ihren Investitions–entscheidungen. Dafür werden rund 11.000 Verbraucher in elf Ländern befragt. Der „Automotive Disruption Radar„ befasst sich mit den Themen der Zukunft – Mobilität, Autonomes Fahren, Digitalisierung und Elektromobilität sowie vor allem den regulatorischen Rahmenbedingungen und Infrastrukturen, die solche Innovationen ermöglichen.
Die aktuelle Studie zeigt, dass die Niederlande vorbildlich aufgestellt sind, der Automobilstandort Deutschland mit Platz 5 im Mittelfeld rangiert und die USA auf Platz 10 landen. Eine Veränderung zur ersten Untersuchung vom April 2017 zeigt sich beim Kundeninteresse, der Technologie und den regulatorischen Vorgaben. In allen drei Kategorien sind mit China, Singapur und Südkorea asiatische Staaten führend.
„Der Trend geht Richtung autonomes Fahren: 45 Prozent der Befragten weltweit interessieren sich für autonomes Fahren und gerade die asiatischen Länder schaffen bürokratische Hürden schneller ab und zeigen sich offener gegenüber neuen Technologien„, so Norbert Dressler, Senior Partner und Leiter des deutschen Automotive Competence Centers von Roland Berger. Wollen Deutschland und Europa den Anschluss an die Weltspitze nicht verlieren, muss die Gesetzgebung die Rahmenbedingungen für neue Verkehrskonzepte und innovative Mobilitätslösungen unterstützen, ist der Roland Berger–Experte überzeugt.
Umstieg auf neue Technologien erfordert Finanzkraft, neue Mitarbeiterprofile und Zeit
Die Automobilzulieferer konnten – auch in Österreich – in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich wachsen. Den Grund dafür sieht Thomas Schlick, Senior Partner von Roland Berger, im weltweiten Volumenwachstum und in den steigenden Anforderungen an die Produkte. Die Branche stehe allerdings vor zwei wesentliche Herausforderungen, der Globalisierung und der Disruption. Durch die Globalisierung verlagert sich der Schwerpunkt der Automobilproduktion nach Asien, was vor allem für mittelständisch geprägte Firmen hohe Anforderungen an Investition und Technologie bedeutet.
Zudem werden sich die Fahrzeuge der Zukunft vor allem durch E–Mobilität und autonomes Fahren tiefgehend verändern. „Höhere Anforderungen an Leichtbau, Elektronik und werthaltigem Innenbau bieten Chancen für neue Produkte„, ist Thomas Schlick überzeugt. Auch die Wertschöpfungskette wird sich verändern. Viele Fahrzeughersteller werden versuchen, die Wertschöpfung im eigenen Haus zu halten, um so drohendem Stellenabbau entgegenzuwirken. Für Dienstleister ergeben sich neue Geschäftschancen vor allem im Bereich Antriebstechnologien, da sich die Komplexität der Fahrzeuge erhöht.
„Weil der Umstieg auf E–Mobilität oder autonomes Fahren ein evolutionärer Prozess ist, müssen sich Zulieferer bereits jetzt darauf vorbereiten. Der Umstieg auf neue Technologien und neue Produkte erfordert Finanzkraft, Mitarbeiter mit anderen Profilen und letztlich auch Zeit. Daher gilt es jetzt über neue Wege wie M&A und/oder Kooperationen nachzudenken. Letzteres ist in vielen mittelständig geprägten Firmen neu und erfordert ein Umdenken„, so Thomas Schlick.

Gerade in Österreich gebe es eine lange Historie des Verbrennungsmotors in Forschung, Lehre und Produktion. Speziell für Österreich sieht der Roland Berger–Experte einen Wachstumspfad durch komplexe Antriebstechnologien der Zukunft wie Hybrid oder Wasserstoff. „Insbesondere kleine Länder mit tiefem Know–how wie Österreich haben jetzt die Chance, Wettbewerbsvorteile zu erlangen oder auszubauen. Dadurch kann es gelingen, die Abwanderung von Produktionsstätten in Niedrig–lohnländer zu vermeiden„, so Thomas Schlick.
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10.09.2017 | Autor*in: holler
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