Milliardenrisiko durch Deutschlands Wasserstoffstrategie
Das Problem: Der Ausbau des geplanten Wasserstoffnetzes basiert auf der Annahme, dass Industrie und Energieversorger künftig große Mengen Wasserstoff nutzen werden. Bleibt diese Nachfrage aus, könnten die Kosten am Ende bei den Steuerzahlern landen. Laut IEEFA drohen bis 2055 zusätzliche öffentliche Ausgaben von bis zu 45 Milliarden Euro – umgerechnet etwa 1.000 Euro pro deutschem Steuerzahler.
Besonders kritisch sieht die Studie den zunehmenden Fokus auf sogenannten „blauen Wasserstoff“, der aus Erdgas mit CO₂-Abscheidung hergestellt wird. Das im Februar 2026 beschlossene Wasserstoffbeschleunigungsgesetz stuft diese Technologie als „übergeordnetes öffentliches Interesse“ ein. Kritiker warnen jedoch vehement davor, dass dadurch Deutschlands Abhängigkeit von fossilem Gas und volatilen Weltmärkten verlängert wird.
Die Autoren der Studie empfehlen deshalb, den Ausbau der Infrastruktur stärker an die tatsächliche Nachfrage und konkrete Lieferverträge zu koppeln. Statt eines flächendeckenden Pipelinenetzes könnten gezielte Importe von Wasserstoffderivaten für einzelne Industriebereiche kostengünstiger sein und öffentliche Ausgaben reduzieren.
IEEFA-Analyst Alasdair Docherty warnt: „Es ist besser, Infrastrukturrisiken frühzeitig anzuerkennen, als ein überdimensioniertes Netz dauerhaft zulasten der Steuerzahler zu rechtfertigen.“