Milliarden-Rechenfehler entlarvt: Hawaiis LNG-Pläne vor dem Aus
Neue Enthüllungen zeigen, dass das staatliche Energieamt des Bundesstaats Hawai bei der Kostenberechnung für Flüssigerdgas-Importe (LNG) schlichtweg die Brennstoffkosten vergessen hat – ein „Versehen“ in Höhe von fast einer Milliarde US-Dollar.
HONOLULU, HI – Es sollte das Fundament für Hawaiis künftige Energiestrategie sein, doch eine Anhörung vor dem Energie- und Umweltschutzausschuss des Repräsentantenhauses enthüllte stattdessen einen Skandal von historischem Ausmaß. Eine für fast 900.000 US-Dollar erstellte Studie des Hawaii State Energy Office (HSEO), die den Import von fossilem Flüssigerdgas (LNG) rechtfertigen sollte, basierte auf völlig falschen Zahlen.
Die Untersuchung, die unter dem Vorsitz der Abgeordneten Nicole Lowen präsentiert wurde, deckte auf, dass das HSEO in seinen Kosten-Nutzen-Analysen die eigentlichen Ausgaben für den LNG-Treibstoff schlichtweg nicht berücksichtigt hatte. Dieser Fehler führte zu einer massiven Unterbewertung der Projektkosten um mindestens 886 Millionen US-Dollar.
Doch damit nicht genug: Dr. Matthias Fripp, Direktor für globale Politikforschung beim Thinktank Energy Innovation, untersuchte die Tabellenkalkulationen der hawaianischen Regierung genauer. Sein Urteil ist vernichtend. Neben den fehlenden Brennstoffkosten stieß er auf weitere Unstimmigkeiten, die den vermeintlichen Nutzen von LNG künstlich um insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar aufblähten.
„Nach Korrektur dieser Fehler zeigt sich das wahre Bild: LNG spart kein Geld, sondern erhöht die Kosten für die Verbraucher in Hawaii um mindestens 300 Millionen US-Dollar“, so Dr. Fripp während der Anhörung.
Die Reaktion von Umweltschutzorganisationen ließ nicht lange auf sich warten. Isaac Moriwake, leitender Anwalt bei Earthjustice, sparte nicht mit scharfer Kritik an der Regierung unter Gouverneur Green: „Das staatliche Energieamt ist so von fossilen Gasen besessen, dass es einen Rechenfehler aus der Grundschule übersah, der seine Wünsche wahr werden ließ. Dieser Milliarden-Dollar-Fehler hätte die Verbraucher Hawaiis über Generationen hinweg belastet, während Konzerne wie JERA von der verlängerten Abhängigkeit profitiert hätten.“
Besonders brisant: Die fehlerhafte Studie diente als Rechtfertigung für eine im Oktober 2025 geschlossene „Strategische Partnerschaft“ mit JERA, Japans größtem Stromerzeuger. Kritiker werfen der Regierung nun vor, Ergebnisse erzwingen zu wollen, anstatt auf transparente Daten zu setzen.
Für Earthjustice und viele Energieexperten ist der Vorfall ein Weckruf. Sie fordern ein sofortiges Ende der „Illusion“ LNG. Hawaii hat sich gesetzlich dazu verpflichtet, bis 2045 eine Energieversorgung aus 100 % erneuerbaren Quellen zu erreichen.
„Wie viele Monate und Millionen Dollar hat diese Regierung verschwendet, um dieser Illusion nachzujagen?“, fragt Moriwake. Die Forderung ist klar: Die Regierung müsse aufhören, Zeit in fossile Sackgassen zu investieren, und stattdessen den Ausbau heimischer, erneuerbarer Energien maximieren. Diese seien nicht nur klimafreundlicher, sondern – wie die korrigierten Zahlen nun belegen – auch die einzige wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die Menschen auf Hawaii.