MetaFung: Neue Studie enthüllt erstaunliche Pilzvielfalt in Österreichs Schutzgebieten
Hardegg - Tausende Pilzarten und andere Bodenorganismen sorgen dafür, dass Nährstoffe recycelt, Böden fruchtbar bleiben und ganze Ökosysteme funktionieren. Das Forschungsprojekt MetaFung hat diese verborgene Biodiversität nun erstmals großflächig in den österreichischen Großschutzgebieten untersucht – mit überraschenden Ergebnissen.
Bei der Abschlusspräsentation im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz (BMLUK) wurden die Resultate vorgestellt. Sie zeigen, dass die Vielfalt der Bodenpilze deutlich größer ist als bisher angenommen und unterstreichen die Bedeutung von Nationalparks und anderen Schutzgebieten für den Erhalt der Biodiversität.
Mehr als 15.000 genetisch unterscheidbare Pilzeinheiten entdeckt
Für die Studie wurden 320 Bodenproben an 190 Standorten in acht österreichischen Großschutzgebieten analysiert. Dazu zählen die Nationalparks Thayatal, Donau-Auen, Gesäuse, Kalkalpen, Hohe Tauern und Neusiedler See–Seewinkel sowie der Biosphärenpark Wienerwald und das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal.
Mithilfe moderner eDNA-Metabarcoding-Verfahren konnten die Forschenden 15.695 genetisch unterscheidbare Pilzeinheiten nachweisen. Davon ließen sich 5.101 Einheiten bereits bekannten Pilzarten zuordnen – das entspricht rund 39 Prozent aller bisher in Österreich bekannten Pilzarten.
Darüber hinaus wurden 205 Arten der österreichischen Roten Liste dokumentiert, darunter 25 vom Aussterben bedrohte Pilzarten.
Pilze – die unterschätzten Baumeister der Natur
Pilze spielen eine zentrale Rolle für funktionierende Ökosysteme. Sie zersetzen abgestorbenes Holz, Laub und andere organische Materialien und machen die darin enthaltenen Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar. Viele Arten leben zudem in enger Symbiose mit Baumwurzeln. Diese sogenannten Mykorrhiza-Pilze versorgen Pflanzen mit Wasser und Mineralstoffen und erhalten im Gegenzug Zucker aus der Photosynthese.
Ohne diese oft unsichtbaren Helfer wären Humusbildung, Nährstoffkreisläufe und die Stabilität vieler Lebensräume nicht möglich.
Neue Methode macht Unsichtbares sichtbar
Im Mittelpunkt des Projekts stand erstmals der Einsatz von Umwelt-DNA (eDNA). Anders als bei klassischen Kartierungen werden dabei nicht die Organismen selbst gesucht, sondern ihre genetischen Spuren im Boden analysiert. Dadurch lassen sich auch Arten nachweisen, die keine sichtbaren Fruchtkörper bilden oder nur äußerst selten vorkommen.
Dr. Alexander Urban von der Universität Wien betont, dass mit dieser Methode völlig neue Einblicke in die Pilzwelt möglich wurden. Besonders spannend seien Nachweise bislang kaum erforschter Pilzgruppen gewesen, darunter unterirdisch wachsende trüffelartige Pilze und Pilze, die Insekten befallen.
Eine besondere Entdeckung war die Großsporige Trüffel (Tuber macrosporum), die erstmals für Österreich nachgewiesen werden konnte und auch kulinarisch als wertvolle Trüffelart gilt.
Jedes Schutzgebiet besitzt seine eigene Pilzwelt
Die Untersuchungen zeigen außerdem, dass jedes der acht untersuchten Schutzgebiete eine charakteristische Pilzgemeinschaft beherbergt. Welche Arten vorkommen, hängt unter anderem von Bodenbeschaffenheit, Baumarten und den jeweiligen ökologischen Bedingungen ab.
Für Projektleiter Julian Haider vom Nationalpark Thayatal verdeutlichen die Ergebnisse, dass die österreichischen Schutzgebiete als zusammenhängendes Netzwerk betrachtet werden müssen. Jedes Gebiet leiste mit seiner einzigartigen Artenzusammensetzung einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt des Landes.
Wichtige Grundlage für den Naturschutz
Initiiert wurde MetaFung vom Nationalpark Thayatal, finanziert wurde das Projekt aus dem Biodiversitätsfonds des BMLUK. Beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Wien, des Austrian Institute of Technology (AIT) sowie des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW).
Die gewonnenen Daten liefern eine wichtige Grundlage für das zukünftige Biodiversitätsmonitoring in Österreich. Sie zeigen zugleich, wie wenig bislang über die Artenvielfalt unter unseren Füßen bekannt ist.
Begleitend zum Projekt wurde die Broschüre „Verborgene Vielfalt – Die unsichtbare Welt der Pilze“ veröffentlicht. Sie macht die faszinierende Welt der Bodenpilze auch für interessierte Laien zugänglich und zeigt eindrucksvoll, dass ein großer Teil der biologischen Vielfalt Österreichs im Verborgenen lebt.