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Meilenstein für die Energiewende: Westnetz testet „netzbildende“ Großbatteriespeicher zur Systemstabilisierung

05.05.2026

In Föhren bei Trier ist Westnetz ein entscheidender Durchbruch gelungen.

SUREVIVE BatterieSpeicher Aufsicht.jpg
Die Speicheranlage von oben © Westenergie AG

Erstmals wurde im deutschen Verteilnetz erfolgreich demonstriert, wie Großbatteriespeicher die Rolle von klassischen Großkraftwerken übernehmen können, um das Stromnetz aktiv stabilisieren – ein Schlüsselelement für eine sichere Stromversorgung ohne fossile Energieträger.
 

Bisher war die Rollenverteilung im deutschen Stromnetz klar: Große konventionelle Kraftwerke sorgten mit ihren rotierenden Massen fast „nebenbei“ für die nötige Trägheit und Stabilität im System (die sogenannte Momentanreserve). Erneuerbare Energien und Speicher hingegen waren meist reine „Mitläufer“, die Energie einspeisten oder aufnahmen, aber auf ein stabiles Netz angewiesen waren.
 

Das Forschungsprojekt SUREVIVE ändert dieses Paradigma nun grundlegend. 


Premiere in Föhren: Wenn Speicher das Netz „bauen“
 

Im rheinland-pfälzischen Föhren hat der Verteilnetzbetreiber Westnetz erfolgreich den Einsatz einer neuartigen Steuerungstechnik für Großbatteriespeicher im Feldtest erprobt. Der Clou: Die Anlage arbeitet im netzbildenden Modus. Das bedeutet, sie reagiert nicht mehr nur passiv auf Netzschwankungen, sondern gibt aktiv die Frequenz und Spannung vor. 


„Damit haben wir im Reallabor demonstriert, wie Anlagen im Verteilnetz Aufgaben übernehmen können, die heute noch vor allem konventionelle Kraftwerke erfüllen“, erklärt Ingo Liere-Netheler, Projektleiter bei Westnetz. 


Warum das für die Energiewende so wichtig ist 
 

Mit dem Ausstieg aus fossilen Kraftwerken verschwinden die bisherigen Garanten der Netzstabilität. Damit die Energiewende gelingt, müssen dezentrale Anlagen im Verteilnetz „Systemverantwortung“ übernehmen. Die Vorteile der neuen Steuerungstechnik sind vielfältig: 
 

  • Aktive Frequenzhaltung: Der Speicher gleicht kleinste Schwankungen sofort aus.

  • Vermeidung von Netzausbau: Durch die intelligente Entlastung von Engpässen müssen weniger Leitungen physisch neu gebaut werden.

  • Versorgungssicherheit: Kurzfristige Störungen können schneller abgefangen werden, bevor es zu regionalen Ausfällen kommt.   



Die Technik hinter dem Test: 55 Megawattstunden Power
 

Seit Oktober 2025 ist in Föhren ein Speicher in Betrieb, dessen Dimensionen beeindrucken. Mit einer Kapazität von 55 Megawattstunden könnte er rechnerisch den Tagesbedarf von rund 5.500 Zwei-Personen-Haushalten decken.

                               
Projektname      SUREVIVE 
Standort             Föhren (bei Trier) 
Kapazität            55 MWh
Technologie      Netzbildende Umrichter (SMA Solar Technology)
Partner              Schoenergie, Fraunhofer ISE, Universität Stuttgart

Der Strom für den Speicher stammt direkt von benachbarten Solarfeldern des Partners Schoenergie. Die technische Intelligenz liefern die Umrichter von SMA, während das Fraunhofer ISE und die Universität Stuttgart das Projekt wissenschaftlich begleiten. 


Ausblick: Das Netz der Zukunft ist digital
 

Der erste Feldtest fand in einem isolierten Versuchsnetz statt, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen: Die Anlage lieferte eine Wirkung, die exakt der Momentanreserve eines Großkraftwerks entspricht.
 

Wie geht es weiter?
 

In der nächsten Phase werden umliegende Photovoltaikanlagen (PV) in die Tests integriert. Die Forscher wollen untersuchen, wie die neue Speichersteuerung mit bestehender PV-Technik harmoniert. Ziel ist es, die Technologie so weit zu verfeinern, dass sie flächendeckend im deutschen Stromnetz eingesetzt werden kann.

Für die Verbraucher ist das eine gute Nachricht: Die Energiewende wird durch solche Innovationen nicht nur grüner, sondern auch technisch belastbarer. Das Stromnetz der Zukunft wird intelligenter – und die Großbatterie in Föhren ist das Gehirn dieser Entwicklung.  


​​​​​​​Das Forschungsprojekt SUREVIVE wird durch das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.

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05.05.2026 | Autor*in: Doris Holler-Bruckner
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