Mehr Verbrenner, mehr Hitze? Mehrheit der Wiener sieht Zusammenhang
Besonders hoch ist die Zustimmung bei jüngeren Menschen und Familien. Bei den unter 30-Jährigen teilen 62 Prozent diese Einschätzung, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 61 Prozent. Auch 62 Prozent der Befragten mit Kindern im Haushalt stimmen der Aussage zu. Bei Personen ohne Kinder sind es 50 Prozent.
Verkehr als zusätzlicher Hitzefaktor
„Angesichts der zunehmenden Anzahl an Hitzetagen braucht es deutlich mehr Tempo bei Maßnahmen zur Klimawandelanpassung. Der Verkehr spielt dabei eine zentrale Rolle, da er mehrfach die Hitzebelastung in der Stadt verstärkt“, erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.
Ein wesentlicher Faktor sind dabei die versiegelten Flächen. Asphaltierte Fahrbahnen und Parkplätze können sich in der prallen Sonne stark aufheizen und die gespeicherte Wärme auch nach Sonnenuntergang wieder abgeben. Dadurch wird die nächtliche Abkühlung erschwert. Hinzu kommt die Abwärme von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.
Eine heuer veröffentlichte Studie der Universität Manchester kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass der Verkehr erheblich zur urbanen Hitze beitragen kann. Bei der Untersuchung einer Hitzewelle in Großbritannien im Jahr 2022 zeigte sich, dass die durch den Verkehr verursachte Wärme insbesondere am Nachmittag die Temperaturen erhöhte und bis in die Nacht hinein zu zusätzlichem Hitzestress beitrug. Elektrofahrzeuge geben im Betrieb deutlich weniger Abwärme an ihre Umgebung ab.
Jüngere und Familien besonders überzeugt
Die Ergebnisse der Triple-M-Umfrage zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Während 62 Prozent der unter 30-Jährigen und 61 Prozent der 30- bis 49-Jährigen einen Zusammenhang zwischen weniger Verbrennern und geringerer Stadthitze sehen, sind es bei den über 50-Jährigen 39 Prozent.
Auch Familien sehen einen besonders starken Zusammenhang: 62 Prozent der Haushalte mit Kindern stimmen der Aussage zu. Bei Haushalten ohne Kinder sind es 50 Prozent. Die höchste Zustimmung findet sich mit 65 Prozent bei Vier-Personen-Haushalten.
„Eine Mehrheit der Wiener Bevölkerung meint, dass eine Reduzierung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren auch zur Verringerung der Hitzebelastung in der Stadt beitragen kann“, sagt Christina Matzka, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts Triple M. Besonders Familien und Menschen mit niedrigerem Haushaltseinkommen würden solchen Maßnahmen überdurchschnittlich häufig zustimmen.
VCÖ fordert weniger Verkehr und mehr Grün
Für den VCÖ reicht es nicht, lediglich die Antriebsart der Fahrzeuge zu verändern. Gefordert wird eine grundsätzliche Reduktion der Verkehrsbelastung – durch mehr Verkehrsberuhigung, eine bessere öffentliche Mobilität und attraktivere Bedingungen für Rad- und Fußverkehr.
Vor allem der Pendelverkehr nach Wien bietet laut VCÖ großes Potenzial. Betriebliches Mobilitätsmanagement könne helfen, den Autoverkehr zu reduzieren. Gleichzeitig müssten die Verbindungen zwischen Wien und dem Umland verbessert werden. Als mögliche Lösung nennt der VCÖ Schnellbuslinien mit eigenen Busspuren auf Autobahnen und Schnellstraßen. Auch die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrrädern sollte durch eine bessere Radinfrastruktur stärker genutzt werden.
Doch auch innerhalb der Stadt müsse die Klimawandelanpassung schneller vorankommen. Mehr Entsiegelung, zusätzliche Bäume und Grünflächen entlang der Straßen könnten nicht nur die Aufenthaltsqualität verbessern, sondern auch für kühlere Wege sorgen.
„Nach wie vor gibt es viele Straßen in Wien ohne Bäume und Grünflächen. Gehsteige, die in der prallen Sonne liegen, sind für ältere und chronisch kranke Menschen an Hitzetagen de facto nicht benützbar, was ihre Mobilität einschränkt“, betont Schwendinger.
Die Umfrage wurde vom 21. bis 27. Mai 2026 als Online-Befragung über das Bilendi-Panel durchgeführt. Befragt wurden 501 Wienerinnen und Wiener zwischen 16 und 79 Jahren. Die maximale Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe beträgt +/- 4,2 Prozent.