Mehr Kinder gehen zu Fuß zur Schule
Mit dem Schulbeginn kehrt in Österreich auch wieder mehr Bewegung auf die Straßen zurück. Am Montag starten die Kinder in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ins neue Schuljahr, eine Woche später folgen die übrigen Bundesländer. Für den VCÖ ist der Schulweg dabei weit mehr als eine tägliche Notwendigkeit: Er bietet eine einfache Möglichkeit, Bewegung ganz selbstverständlich in den Alltag von Kindern und Jugendlichen zu integrieren.
Eine aktuelle Analyse des VCÖ auf Basis einer Befragung im Auftrag des Mobilitätsministeriums zeigt allerdings zwei gegenläufige Entwicklungen: Immer mehr Kinder gehen regelmäßig zu Fuß zur Schule oder in den Kindergarten, während der Anteil jener, die häufig mit dem Fahrrad unterwegs sind, deutlich zurückgeht.
Zu Fuß geht es wieder häufiger
Im Jahr 2021 gingen 44 Prozent der Kinder täglich oder mehrmals pro Woche zu Fuß zur Schule beziehungsweise zum Kindergarten. 2023 waren es bereits 48 Prozent, 2025 schließlich 54 Prozent.
Besonders hoch ist der Anteil in Vorarlberg und Wien: In beiden Bundesländern gehen 62 Prozent der Kinder regelmäßig zu Fuß. Dahinter folgt Oberösterreich mit 58 Prozent. Tirol kommt auf 55 Prozent, das Burgenland und Oberösterreich auf jeweils 53 Prozent. In der Steiermark sind es 52 Prozent, in Kärnten und Niederösterreich jeweils 48 Prozent.
Vorarlberg 62 %
Wien 62 %
Salzburg 58 %
Tirol 55 %
Burgenland 53 %
Oberösterreich 53 %
Steiermark 52 %
Kärnten 48 %
Niederösterreich 48 %
Für den VCÖ ist diese Entwicklung grundsätzlich erfreulich. Denn wer den Schulweg zu Fuß zurücklegt, sammelt automatisch regelmäßige Bewegung – im Idealfall zweimal täglich an fünf Tagen pro Woche.
„Bewegungsmangel ist ein zunehmendes Problem bei Kindern und Jugendlichen. Der Schulweg ist die große Chance, dass sich Kinder regelmäßig bewegen, fünfmal die Woche, zweimal am Tag“, sagt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Städte und Gemeinden müssten deshalb Verkehrsbedingungen schaffen, unter denen Kinder sicher selbstständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sein können.
Beim Radfahren geht die Entwicklung in die falsche Richtung
Deutlich weniger erfreulich ist die Entwicklung beim Fahrrad. Der Anteil der Kinder, die täglich oder mehrmals pro Woche mit dem Rad zur Schule beziehungsweise in den Kindergarten fahren, ist von 28 Prozent im Jahr 2021 auf nur noch 21 Prozent im Jahr 2025 gesunken.
2023 lag der Wert noch bei 27 Prozent.
Nur elf Prozent der Kinder fahren täglich mit dem Fahrrad, weitere zehn Prozent mehrmals pro Woche.
Österreich liegt damit deutlich hinter Ländern wie den Niederlanden. Dort fährt laut VCÖ rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen täglich mit dem Rad zur Schule. Ein wesentlicher Grund dafür ist das dicht ausgebaute Netz sicherer Radwege.
Salzburg führt beim Radfahren deutlich, gefolgt von Vorarlberg und Oberösterreich. Am anderen Ende der Statistik liegen Wien, Kärnten und das Burgenland.
Sichere Infrastruktur entscheidet mit
Dass Kinder mit dem Rad zur Schule fahren, hängt aus Sicht des VCÖ weniger von den Kindern selbst als von den Rahmenbedingungen ab. Wo es Verkehrsberuhigung und ein durchgängiges, sicheres Radwegenetz gibt, fahren auch mehr Kinder mit dem Fahrrad.
„Ob viele oder wenige mit dem Rad zur Schule fahren, liegt nicht an den Kindern, sondern an der Verkehrsplanung vor Ort“, betont Schenk. Die Zahl der radfahrenden Kinder könne daher auch als Indikator für die Qualität der Radinfrastruktur gesehen werden.
Wo viele Kinder mit dem Rad unterwegs sind, bewerten offenbar auch Eltern die Bedingungen eher als sicher. Wo kaum Kinder radeln, fehlt dagegen häufig das Vertrauen in die Infrastruktur.
Bicibusse bringen Bewegung in den Schulweg
Eine Möglichkeit, Kindern das Radfahren trotz bestehender Sicherheitsbedenken zu ermöglichen, sind sogenannte Bicibusse. Dabei fahren Kinder auf einer festgelegten Route gemeinsam zur Schule und werden von Erwachsenen begleitet. Solche Initiativen werden meist von Eltern oder Elternvereinen organisiert.
Der Vorteil: Die Kinder sind gemeinsam unterwegs, sammeln Erfahrungen im Straßenverkehr und starten gleichzeitig mit Bewegung in den Schultag.
Bis zur absolvierten Radfahrprüfung beziehungsweise bis zum Alter von zwölf Jahren müssen Kinder beim Radfahren zur Schule von einer erwachsenen Person begleitet werden. Ein Helm sollte dabei selbstverständlich sein.
Schulweg als Verkehrserziehung
Der selbst zurückgelegte Schulweg hat noch einen weiteren Vorteil: Kinder lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Schulwege sind durch Maßnahmen wie Schülerlotsen häufig sicherer als viele Wege, die Kinder in ihrer Freizeit zurücklegen.
„Am Schulweg können Kinder Kompetenz im richtigen Verhalten im Straßenverkehr erlangen. Diese Erfahrung hilft ihnen bei all ihren Wegen, die sie in der Freizeit zurücklegen“, sagt Schenk.
Wer dagegen regelmäßig mit dem Auto bis vor das Schultor gebracht wird, sammelt diese Erfahrungen nicht.
Für Eltern und Gemeinden bedeutet das: Problemstellen sollten nicht einfach hingenommen werden. Gefährliche Querungen, unübersichtliche Kreuzungen oder fehlende Geh- und Radwege können der Gemeinde beziehungsweise in Wien dem Bezirk und auch der Schuldirektion gemeldet werden. So können mögliche Verbesserungen geprüft werden.
Mehr Aufmerksamkeit zum Schulstart
Mit dem Schulbeginn steigt auch die Zahl der Kinder, die morgens und nachmittags unterwegs sind. Der VCÖ appelliert deshalb an alle Verkehrsteilnehmer:innen, besonders aufmerksam und rücksichtsvoll zu fahren.
Kinder sind im Straßenverkehr besonders schutzbedürftig und zudem nicht immer vorhersehbar. Sie sind daher vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen. Auch bei Schutzwegen gilt: Wer sich einem Zebrastreifen nähert, muss so langsam fahren, dass jederzeit vor dem Schutzweg angehalten werden kann.
Die aktuelle Befragung basiert auf 764 Personen mit Kindern unter 16 Jahren im Haushalt und wurde im Auftrag des BMIMI durchgeführt.
Die Zahlen zeigen letztlich zwei Seiten derselben Entwicklung: Beim Zu-Fuß-Gehen bewegt sich Österreich in die richtige Richtung, beim Radfahren geht jedoch wertvolles Potenzial verloren. Dabei könnte gerade die Kombination aus Gehen, Radfahren und öffentlichen Verkehrsmitteln einen wichtigen Beitrag leisten, Bewegung ohne zusätzlichen Zeitaufwand in den Alltag zu integrieren.
Der Schulweg wird damit zur Gesundheitsfrage – aber ebenso zur Frage, wie Städte und Gemeinden ihre Straßen gestalten. Denn Kinder können nur dann selbstständig mobil sein, wenn ihre Wege auch entsprechend sicher und attraktiv sind.