Mehr als 400 Ideen für Salzburgs Mobilitätszukunft: Bürger:innen gestalten den Weg zur Verkehrswende
Wie soll die Mobilität in Salzburg im Jahr 2040 aussehen? Auf diese Frage haben die Salzburgerinnen und Salzburger mit großer Beteiligung geantwortet: Insgesamt 557 Ideen wurden im Rahmen des Bürger:innenwettbewerbs über die von Salzburg Research betriebene Plattform IdeaSpace eingereicht. Die ausgezeichneten Vorschläge zeigen ein breites Spektrum – von mehr Sicherheit für Kinder über bessere Bedingungen für den Radverkehr bis hin zu klimafitten öffentlichen Räumen.
Ziel des Wettbewerbs war es, konkrete und umsetzbare Lösungen aus der Bevölkerung für die Ziele des Salzburger Mobilitätsplans 2040 zu sammeln. Die besten Ideen werden nun geprüft und sollen in den Maßnahmenkatalog der Stadt Salzburg einfließen.
Klimafreundliche Mobilität aus der Bevölkerung
Die große Beteiligung zeigt, dass viele Menschen aktiv an der Gestaltung der Verkehrswende mitwirken wollen. Die eingereichten Vorschläge entstanden zwischen März und April 2026 online über IdeaSpace sowie bei Workshops in verschiedenen Stadtteilen.
„Die große Beteiligung zeigt, dass viele Salzburgerinnen und Salzburger ihre Stadt mitgestalten wollen und sehr konkrete Ideen für eine bessere Mobilität haben“, betont Stadträtin Anna Schiester.
Die Vorschläge machen deutlich: Die Mobilitätswende wird nicht nur als Ausbau von Infrastruktur verstanden, sondern als Zusammenspiel von Klimaschutz, Lebensqualität und sozialer Teilhabe.
Mehr Platz für Menschen, Radverkehr und öffentlichen Verkehr
Zu den ausgezeichneten Ideen zählt die Initiative „Gartenstraße Salzburg – Wohnstraßen zurück an die Menschen“. Sie sieht eine Umgestaltung von Wohnstraßen zu begrünten Begegnungsräumen vor – mit mehr Bäumen, entsiegelten Flächen und Aufenthaltsmöglichkeiten.
Auch der Radverkehr soll durch bessere Orientierung attraktiver werden. Eine ausgezeichnete Idee schlägt ein durchgängiges Bodenmarkierungssystem für das Salzburger Radhauptnetz vor. Farbige Linien und klare Wegführungen sollen den Umstieg aufs Fahrrad erleichtern.
Für den öffentlichen Verkehr wurde das Konzept „BRT Light“ prämiert. Busspuren, Vorrangschaltungen an Ampeln und optimierte Haltestellen sollen die Busse schneller und zuverlässiger machen – insbesondere außerhalb des Stadtzentrums.
Sichere Wege für Kinder
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Der Communitypreis ging an den Vorschlag, vor Schulen und Kindergärten verstärkt Schulstraßen und Begegnungszonen einzurichten. Dadurch sollen gefährliche Situationen durch Elterntaxis reduziert und Kindern mehr selbstständige Mobilität ermöglicht werden.
Der Jugendpreis wurde an das Projekt „Gemeinsam zur Schule – Salzburg Mobility Pods“ vergeben. Dabei sollen organisierte Geh- und Radgruppen entstehen, die Kinder sicher zur Schule begleiten und gleichzeitig nachhaltige Mobilitätsgewohnheiten fördern.
Digitale Beteiligung als neues Planungsinstrument
Für Salzburg Research zeigt der Prozess, welchen Wert digitale Bürger:innenbeteiligung für die Stadtentwicklung haben kann. „Digitale Beteiligung kann den Dialog zwischen Stadt und Bevölkerung wirksam ergänzen, weil sie Ideen sichtbar macht, die aus dem Alltag der Menschen entstehen“, erklärt IdeaSpace-Managerin Dr. Birgit Kolb.
Auch Projektleiter Michael Schwifcz sieht in der Beteiligung einen wichtigen Schritt: Aus den zahlreichen Bürger:innenideen und der fachlichen Expertise soll bis Herbst ein Entwurf für die weitere Umsetzung des Mobilitätsplans 2040 entstehen.
Von der Idee zur Umsetzung
Weitere ausgezeichnete Vorschläge beschäftigen sich unter anderem mit einer Mobilitätsagentur Salzburg, nachhaltigen Paketstationen zur Verringerung des Lieferverkehrs, diversitätsgerechter Stadtplanung sowie autonomen elektrischen Micro-Shuttles als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr.
Die Gewinnerideen werden nun fachlich bewertet und in den Maßnahmenkatalog des Mobilitätsplans 2040 aufgenommen. Die Auszeichnung der Projekte erfolgt beim Salzburger Mobilitätstag am 17. September 2026.
Die Vielzahl an Vorschlägen zeigt: Die Zukunft der Mobilität in Salzburg wird nicht allein durch neue Technologien bestimmt, sondern durch die Frage, wie Städte lebenswerter, klimafreundlicher und für alle Menschen zugänglicher gestaltet werden können.
Gewinnerideen des IdeaSpace-Ideenbewerbs „Mobilitätszukunft 2040 in Salzburg“
Kategorie Zu Fuß unterwegs
Gartenstraße Salzburg: Wohnstraßen zurück an die Menschen
von Mathias Stadler
Wohnstraßen sollen zu begrünten Begegnungsräumen mit Bäumen, Grünflächen und Sitzgelegenheiten werden. Fußgänger:innen, Radfahrende und notwendiger Anliegerverkehr teilen sich die Fläche gleichberechtigt.
Kategorie: Radfahren
Strategische Weiterentwicklung des Salzburger Radhauptliniennetzes durch Bodenmarkierungen
von LARBI MESKINE RODRIGUEZ
Durchgängige, farbige Bodenmarkierungen sollen das Radhauptnetz sichtbarer machen und Radfahrenden die Orientierung erleichtern, besonders an Knotenpunkten.
Kategorie: Bessere Öffis
BRT Light
von N Leitner
Separate Busspuren, Vorrangschaltungen bei Ampeln und besser abgestimmte Haltestellen sollen Busse beschleunigen und den öffentlichen Verkehr attraktiver machen.
Kategorie: Motorisiert unterwegs
Zufahrt Ja, Durchfahrt Nein
von Erik Schnaitl
Alle Stadtteile bleiben mit dem Auto erreichbar, Durchfahrten durch Wohngebiete und die Innenstadt werden jedoch unattraktiver. Dadurch sollen Durchgangsverkehr, Lärm und Gefahren reduziert werden.
Kategorie: Mitmachen & Bewusstsein schaffen
Mobilitätsagentur Salzburg
von Erik Schnaitl
Eine Mobilitätsagentur soll Projekte bündeln, Mobilitätsberatung anbieten, Bewusstseinsbildung betreiben und zwischen Bevölkerung, Verwaltung und Politik vermitteln.
Kategorie: Mobil für alle Generationen
Gendergerechte Stadtplanung
von Katha He
Stadtplanung soll unterschiedliche Alltagswege, Sicherheitsbedürfnisse und Nutzungsperspektiven systematisch berücksichtigen. Vorgeschlagen werden unter anderem bessere Beleuchtung, breitere Gehsteige, längere Grünphasen und mehr Aufenthaltsqualität.
Kategorie: Saubere Antriebe & Technologien, zusätzlich mit dem „Out of the Box“-Preis ausgezeichnet
Salzburg Autonom: Das fehlende Puzzleteil für einen staufreien Stadtraum
von Leo Fellinger
Autonome elektrische Micro-Shuttles sollen Wohnviertel bedarfsorientiert an den öffentlichen Verkehr anbinden und die „letzte Meile“ erleichtern. Ziel ist weniger Autoverkehr und mehr Platz im Stadtraum.
Kategorie: Nachhaltige Lieferungen & Logistik
Nachhaltiges Paketstation-Netz für Salzburg
von Stefan Ritzinger
Solarbetriebene Paketstationen bei Wohnanlagen sollen Zweitzustellungen vermeiden, Lieferverkehr reduzieren und die Paketabholung sicherer und komfortabler machen.
Kategorie: Unterwegs als Gast
Vom Parkplatz zum Park: Salzach-Ufer am Imberg neu denken
von Paul Wolfgruber
Ein asphaltierter Parkplatz am Salzach-Ufer bei der Imbergstraße soll in eine öffentliche Grün- und Aufenthaltsfläche umgewandelt werden. Die Idee verbindet Entsiegelung, Klimaanpassung und mehr Aufenthaltsqualität.
Kategorie: Bestes Jugendprojekt
Gemeinsam zur Schule: Salzburg Mobility Pods
von Anita Angi
Nachbarschaftlich organisierte Geh- und Radgruppen sollen den Schulweg sicherer machen und Elterntaxis reduzieren. Vorgesehen sind unter anderem Bike Bus, Walking Bus und geteilte Lastenräder.
Kategorie: Communitygewinner
Begegnungszonen/Schulstraßen vor Schulen und Kindergärten
von Erik Schnaitl
Vor Schulen und Kindergärten sollen Begegnungszonen oder temporäre Schulstraßen entstehen. Niedrige Geschwindigkeiten, weniger Bringverkehr und mehr Platz sollen die Sicherheit von Kindern erhöhen.