Meditation als Herzschutz: Experten sehen Potenzial zur Senkung von Stressrisiken
Ein aktueller Expertenkommentar in der Fachzeitschrift Nature Reviews Cardiology rückt die Bedeutung von Stress für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Fokus – und verweist zugleich auf das Potenzial von Transzendentaler Meditation als präventive Maßnahme.
Psychosozialer Stress gilt seit Langem als bedeutender Risikofaktor für Bluthochdruck sowie für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Kommentar bündelt jahrzehntelange Forschungsergebnisse, die zeigen, wie chronischer Stress biologische Prozesse beeinflusst: Dazu zählen unter anderem die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Störungen der hormonellen Stressachse, entzündliche Prozesse sowie eine eingeschränkte Gefäßfunktion. Diese Mechanismen beschleunigen die Alterung der Blutgefäße und fördern die Entstehung von Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen.
„Psychosozialer Stress ist ein starker und zugleich beeinflussbarer Risikofaktor“, betont Robert H. Schneider von der Maharishi International University, Hauptautor des Kommentars. „Eine gezielte Auseinandersetzung mit Stress könnte die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entscheidend verbessern.“
„Ruhige Wachheit“ als physiologischer Zustand
Im Mittelpunkt des Beitrags steht die Transzendentale Meditation. Studien deuten darauf hin, dass diese Technik einen Zustand erzeugt, der als „ruhige Wachheit“ beschrieben wird. Dabei sinkt die Aktivität des sympathischen Nervensystems, während der parasympathische Anteil – zuständig für Erholung und Regeneration – zunimmt. Dies führt zu einer verbesserten autonomen Regulation und einer geringeren Aktivierung von Stressreaktionen.
Auch bildgebende Verfahren zeigen Veränderungen in Hirnnetzwerken, die mit Stressverarbeitung und emotionaler Stabilität zusammenhängen. „Solche Ansätze zur Stressreduktion können direkt auf biologische Prozesse einwirken, die bei Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen“, erklärt Keith C. Norris von der David Geffen School of Medicine at UCLA.
Klinische Studien mit positiven Effekten
Der Kommentar verweist auf mehr als 30 Jahre klinischer Forschung, darunter auch randomisierte kontrollierte Studien. Diese zeigen unter anderem eine Senkung des Blutdrucks, Verbesserungen bei metabolischen Risikofaktoren sowie eine verlangsamte Entwicklung von Arteriosklerose. Einige Untersuchungen berichten zudem von einer reduzierten Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse bei regelmäßiger Praxis der Transzendentalen Meditation.
Parallel dazu gewinnt die Rolle von Stress auch in medizinischen Leitlinien zunehmend an Bedeutung. Die Hypertonie-Leitlinie der American Heart Association und des American College of Cardiology aus dem Jahr 2025 empfiehlt ausdrücklich Stressreduktion – einschließlich meditativer Verfahren – als Teil der Lebensstilmaßnahmen zur Blutdruckkontrolle.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine systematischere Berücksichtigung psychosozialer Faktoren neue Wege in der Prävention eröffnen könnte. Stressreduktion, so ihr Fazit, sollte künftig eine zentralere Rolle in umfassenden Strategien zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen.