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„Massives Potenzial“: Tirol sucht Wege aus der Lebensmittelverschwendung

18.11.2025

Über eine Million Tonnen essbare Lebensmittel landen in Österreich jedes Jahr im Müll – mit gravierenden ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen.

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© Coleurs on pixabay / Lebensmittelabfall

Wie sich diese Verschwendung eindämmen lässt, diskutierten Vertreter:innen aus Handel, Landwirtschaft, Gastronomie, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft bei der Dialogveranstaltung „Isst das jemand?“ in Innsbruck. Eingeladen hatten Die Tafel Österreich und das Ökosoziale Forum Österreich & Europa.

Das Podium – moderiert von Alexandra Gruber (Die Tafel Österreich) und Michaela Hickersberger (Ökosoziales Forum) – war prominent besetzt: Romed Giner (Tiroler Gemüsebauern), David Mölk (MPREIS), Alois Rainer (WKO) und Verhaltensökonom Matthias Stefan (Uni Innsbruck) beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Das Publikum wurde per digitaler Abstimmung und im direkten Gespräch in die Debatte eingebunden.
 

Investitionen nötig – in Technologie, Forschung und Bildung 

Einigkeit herrschte darüber, dass weniger Verschwendung ohne zusätzliche Investitionen kaum möglich ist.
Handel: MPREIS-Geschäftsführer David Mölk verwies auf die betriebswirtschaftliche Bedeutung des Themas: Lebensmittelabfälle seien teuer – im Interesse der Händler liege es daher, sie zu vermeiden. KI-gestützte Systeme zur Mengenplanung und zur Analyse von Mindesthaltbarkeitsdaten würden künftig eine noch größere Rolle spielen. „Die besten Lebensmittelabfälle sind jene, die gar nicht erst entstehen“, so Mölk.

Landwirtschaft: Obwohl die Landwirtschaft laut EU-Statistik weniger zur Verschwendung beiträgt, sieht Gemüsebauer Romed Giner steigende Verluste – bedingt durch den Klimawandel und den Wegfall wichtiger Pflanzenschutzmittel. Für ihn braucht es mehr Forschung, um Landwirt:innen wieder praxistaugliche Werkzeuge an die Hand zu geben. „Es gäbe massives Potenzial im Pflanzenschutz – hier müsste dringend mehr investiert werden“, betonte er.

Gastronomie: Für Alois Rainer (WKO) ist Bildung ein Schlüssel: Planen, Verarbeiten, Weitergeben – Küchenpersonal müsse geschult werden, um unnötigen Abfall zu vermeiden. Geförderte Programme gebe es bereits, dennoch brauche es mehr Bewusstseinsbildung. „Wir alle leben im Überfluss“, so Rainer. „Nur wer weiß, wie man mit Lebensmitteln richtig umgeht, kann Verschwendung reduzieren.“
 

Haushalte als größte Verursacher – Bewusstsein als Hebel 

Mehr als die Hälfte des österreichischen Lebensmittelmülls entsteht in Privathaushalten. Für Ökonom Matthias Stefan wenig überraschend: „Wir entsprechen beim Einkaufen oft nicht dem Bild, das wir gerne von uns hätten. Vieles ist Gewohnheit und sozial geprägt.“ Schon einfache Maßnahmen wie kleinere Teller beim Buffet könnten helfen. Vor allem aber brauche es mehr Bewusstsein – idealerweise bereits in der Schule.

Auch die anderen Panelisten betonten die Bedeutung eines achtsamen Umgangs mit Lebensmitteln. Mölk forderte mehr Wertschätzung vom Einkauf bis zum Verbrauch. Giner machte auf die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität aufmerksam: Wer im Regal nur zu Rabatten greife, unterstütze nicht jene Wertschöpfungsketten, die man gesellschaftlich einfordere. „Ich wünsche mir Konsument:innen, die sich bewusst sind, dass jeder Griff ins Regal Auswirkungen hat“, so der Landwirt.
 

Viele Ideen – und die Erkenntnis, dass es nur gemeinsam geht 

Aus dem Publikum kamen zahlreiche Anregungen: von der Teuerungsdebatte und „Rabattitis“ über Lieferkettenprobleme und hohe Abfallraten bei Frischeprodukten bis zu Haftungsfragen und Armutsthemen. Die Diskussion zeigte, wie komplex das Thema Lebensmittelverschwendung ist – und dass Lösungen nur im Schulterschluss aller Beteiligten möglich sind.

Das Projekt „Isst das jemand?“, unterstützt von Bund, Ländern und EU, soll diesen Dialog weiterführen. Denn klar ist: Gegen die Vergeudung von Lebensmitteln hilft nur gemeinsames Handeln – entlang der gesamten Wertschöpfungskette und mit einer breiten gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung.

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© Coleurs on pixabay / Lebensmittelabfall