Macht uns der Duft vom Tannenbaum glücklicher?
Regensburg – Nur noch kurz bis zum Heiligen Abend. Überall werden Christbäume verkauft, ihr Duft erfüllt dann Wohnungen und Wohnzimmer. Frisches Grün, Wald, Natur – für viele Menschen stellt sich beim Aufstellen des Weihnachtsbaums ein Gefühl von Ruhe, Freude und Zufriedenheit ein. Doch ist dieses Wohlbefinden reine Einbildung oder wirkt der Duft von Tannennadeln tatsächlich auf unsere Psyche und unser Immunsystem?
Eine aktuelle Studie der Abteilung für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) liefert nun eine überraschend klare Antwort: Ja – der Duft von Tannenbäumen kann messbare positive Effekte auf das Immunsystem haben.
„Menschen haben seit Urzeiten Rituale und Gewohnheiten entwickelt, die nicht nur spirituelle, sondern auch biologische Funktionen erfüllen“, erklärt Professor Dr. Thomas Loew, Direktor der Abteilung für Psychosomatische Medizin am UKR. Dazu zähle seit langem auch der Brauch, in der Weihnachtszeit einen Tannenbaum ins Haus zu holen. Die Studie ging der Frage nach, ob dieses Ritual mehr ist als reine Tradition und ob der charakteristische Duft der Nadeln tatsächlich Einfluss auf unser Wohlbefinden nimmt.
Die Ergebnisse sprechen dafür. „Viele Studienteilnehmende zeigten bereits beim bloßen Riechen des Baumes eine molekular nachweisbare positive Reaktion“, so Loew. Diese Veränderungen lassen sich mit einer verbesserten Immunfunktion in Verbindung bringen. Entscheidend: „Dabei handelt es sich nicht nur um einen psychologischen Effekt.“
Verantwortlich für die Wirkung sind ätherische Öle, die Tannennadeln freisetzen. Sie aktivieren die Abwehrkräfte der Nasenschleimhaut und führen zur vermehrten Ausschüttung von Stickstoffmonoxid. Dieser Stoff spielt eine zentrale Rolle in der Immunabwehr und kann einfach über die Ausatemluft gemessen werden.
Ein ähnlicher Effekt setzt übrigens auch beim Summen von Liedern oder Melodien ein. Auch dabei wird die Freisetzung von Stickstoffmonoxid angeregt - das ist ein möglicher biologischer Grund, warum gemeinsames Singen als wohltuend und verbindend empfunden wird.
In der Regensburger Untersuchung führten beide Interventionen – das Riechen am Tannenbaum und das Summen von Melodien – bei jeweils über 40 Prozent der Teilnehmenden zu einer unmittelbaren Verbesserung der Immunabwehr. Auffällig war dabei ein „Entweder-oder“-Prinzip: Viele reagierten entweder auf den Duft oder auf den Gesang.
In Kombination jedoch verstärkten sich die Effekte deutlich. Rund 70 Prozent der Teilnehmenden zeigten bei der Kombination von Duft und Summen eine messbar gesteigerte Immunfunktion. Etwa ein Viertel reagierte hingegen nicht. „Augenzwinkernd könnten wir diese Gruppe als ‚Weihnachtsmuffel‘ bezeichnen“, fasst Professor Loew schmunzelnd zusammen.
Mit einem Scmunzeln lässt sich daraus schließen: Der geschmückte Tannenbaum und das gemeinsame Singen darunter sind offenbar mehr als bloße Weihnachtsromantik. Sie könnten - ganz nebenbei - auch einen Beitrag zur Stärkung unseres Immunsystems leisten, was gerade im Winter ein Plus sein kann.
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