Lobautunnel: Ein Projekt das aus der Zeit gefallen ist!
Wien - Deutliche Worte von vier führenden Expert:innen beim Forum Wissenschaft & Umwelt: Der Lobautunnel müsse endgültig gestoppt werden - aus ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Gründen. Bei einer Online-Pressekonferenz forderten Reinhold Christian, Hermann Knoflacher, Helga Kromp-Kolb und Michael Getzner ein klares Umdenken in der Verkehrspolitik.
„Die Lobau lebt von dynamischen Wasserschwankungen – wer dort einen Tunnel baut, zerstört ein funktionierendes Ökosystem“, warnte Reinhold Christian, Präsident des Forums Wissenschaft und Umwelt. Schon in den 1980er-Jahren sei klar gewesen, dass ein Straßenprojekt durch die Auen unvereinbar mit dem Ziel eines Nationalparks sei.
Der legendäre Verkehrsplaner Hermann Knoflacher erinnerte daran, dass es nie eine gesetzliche Pflicht gab, die S1 oder den Lobautunnel zu bauen. Im Gegenteil: Frühere Studien hätten deutlich gezeigt, dass der Nutzen fraglich und die Schäden enorm wären. „Das Projekt verstärkt Verkehrsprobleme, erhöht den CO₂-Ausstoß und schwächt den öffentlichen Verkehr. Es ist die Fortsetzung einer Verkehrspolitik aus dem vorigen Jahrhundert“, so Knoflacher.
Auch Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb kritisierte den Tunnel scharf: „Seine Errichtung verschlingt ein massives CO₂-Budget, das Wien gar nicht hat. Wer Klimaneutralität 2040 ernst meint, darf keinen Tunnel mehr bauen.“ Die Zukunft der urbanen Mobilität liege nicht im Auto, sondern in fuß- und radfreundlichen Städten mit starkem öffentlichem Verkehr.
Aus ökonomischer Sicht ist der Tunnel ebenso ein Irrweg, betonte Michael Getzner, Infrastrukturexperte an der TU Wien: „Österreich hat längst ein dichtes Straßennetz. Neue Autobahnen bringen kaum Wirtschaftswachstum, aber enorme Kosten. Jeder Euro wäre in Forschung, Bildung und klimafreundlicher Infrastruktur besser investiert.“
Die Bilanz des Podiums ist eindeutig: Der Lobautunnel sei ökologisch zerstörerisch, ökonomisch unsinnig und klimapolitisch unverantwortlich. „Dieses Projekt gehört nicht in eine Zeit, in der wir überleben wollen“, resümiert das Forum Wissenschaft & Umwelt.