Lobau ist Nationalpark UND kein Industriegebiet
Wien - Die Umweltorganisation VIRUS übt scharfe Kritik an führenden Politiker:innen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Lobautunnel. Wolfgang Rehm, Sprecher der Organisation, bemängelt das fehlende geographische und historische Wissen: „Die gesamte Lobau, mit Ausnahme des vergleichsweise kleinen Tanklagers, ist Nationalpark und kein Industriegebiet.“
Hintergrund sind Aussagen von Bundesminister Hanke, FPÖ-Chef Herbert Kickl und Ex-Parlamentarier Martin Graf:
Hanke hatte am 27. Oktober 2025 in einem OE24-TV-Interview erklärt: „Es betrifft die nördliche Lobau, nicht den südlichen Bereich, der ja geschützt ist, der bleibt natürlich unberührt.“
Kickl schrieb auf Facebook: „Die GRÜNEN sprechen immer von der Lobau als Naturschutzgebiet, dabei ist die nördliche Lobau ein ausgewiesenes Industriegebiet.“
Martin Graf wiederum hatte in der Parlamentsdebatte das Kraftwerk Freudenau als Kraftwerk Lobau bezeichnet, linkes und rechtes Donauufer verwechselt und bestritten, dass das Gebiet des geplanten Tunnelbaus unter Naturschutz stehe.
Rehm widerspricht klar: „Die Donau fließt in Wien nicht von Norden nach Süden. Die Obere Lobau, die vom Tunnelprojekt betroffen wäre, liegt orographisch links der Donau und ist vollständig Nationalpark – einzig das Tanklager samt Verladehafen ist eine Ausnahme.“
Historisch betrachtet sei die Lobau mehrfach vor Verbauung bewahrt worden: Während des Dritten Reiches wurden einige Eingriffe vorgenommen, doch das Kriegsende verhinderte weitere Bauvorhaben. Auch in den 1970er Jahren drohte der Lobau erneut der Status eines Industriegebiets, was durch Schutzmaßnahmen verhindert wurde.
Rehm appelliert an die Politik: „Von einem Bundesminister sollte jedenfalls erwartet werden können, dass er eine Vorstellung davon hat, wovon er redet, und keine falschen Informationen verbreitet.“
Die Lobau bleibt damit eines der wichtigsten Naturschutzgebiete Wiens – und kein Industriegebiet.