Landwirtschaft unter Druck: Bauern- und Umweltverbände warnen vor Sparpolitik
Die Landwirtschaft bekommt die Folgen des Klimawandels immer stärker zu spüren. Trockenperioden, Extremwetter und zunehmende Wetterunsicherheit setzen Betrieben und Ökosystemen zu. Gleichzeitig stehen auf EU-Ebene die Weichen für das nächste Agrarbudget und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 an. Ein Bündnis aus Bauern- und Umweltverbänden warnt deshalb eindringlich davor, ausgerechnet bei Agrarumweltmaßnahmen sowie Klima- und Naturschutz zu sparen.
GLOBAL 2000, BIO AUSTRIA, ÖBV-Via Campesina Austria, BirdLife Österreich und Erde & Saat fordern eine langfristig ausgerichtete Landwirtschaftspolitik, die Klimaanpassung und den Schutz natürlicher Ressourcen ins Zentrum stellt. Kurzfristige Hilfen für von Trockenheit und Extremwetter betroffene Betriebe seien notwendig, würden allein aber nicht ausreichen.
„Jetzt zu sparen wäre fatal“, warnt Matthias Böhm, Obmann von Erde & Saat. Notwendig seien vielmehr zusätzliche Investitionen in den Umbau der Landwirtschaft. Widerstandsfähige Ökosysteme, biologische Landwirtschaft sowie Umwelt- und Naturschutz seien nicht nur ökologische Ziele, sondern eine wichtige Grundlage für die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser.
Die Verbände sehen dabei eine klare Rechnung: Investitionen in Vorsorge könnten langfristig wesentlich höhere Kosten durch Ernteausfälle, Wasserknappheit, Bodenschäden und Extremwetter vermeiden.
Auch BIO AUSTRIA fordert eine stärkere Verankerung von Klimaschutz und Klimawandelanpassung in der Agrarpolitik. „Dieser Sommer wird keine Ausnahme bleiben“, sagt Obfrau Barbara Riegler. Bäuerinnen und Bauern müssten für Agrarumweltmaßnahmen, die ihre Betriebe widerstandsfähiger und zukunftsfähiger machen, entsprechend entlohnt werden.
Eine zentrale Rolle spielt für die Organisationen die Wiederherstellung und der Schutz natürlicher Ökosysteme. Intakte Böden, Feuchtgebiete, Hecken, Wiesen und andere naturnahe Strukturen können Wasser speichern, Erosion reduzieren und dazu beitragen, die Auswirkungen von Starkregen und Trockenheit abzufedern.
BirdLife Österreich verweist zudem auf den Mehrfachnutzen von Naturschutzprojekten. Sie können Lebensräume für Tiere und Pflanzen sichern, Regenwasser zurückhalten, Hochwassergefahren reduzieren und die Bestäubung von Kulturpflanzen unterstützen. Gleichzeitig entstehen attraktive Landschaften für Naherholung und Tourismus.
„Neben den Agrarumweltförderungen braucht es auch weiterhin effektive begleitende Förderungen zur Stärkung des ländlichen Raums“, betont BirdLife-Geschäftsführer Gábor Wichmann.
Für die ÖBV-Via Campesina Austria steht besonders die Situation kleiner und mittlerer Betriebe sowie der Berglandwirtschaft im Mittelpunkt. Gerade diese Strukturen hätten großes Potenzial, einen Beitrag zu Klima- und Naturschutz zu leisten, wenn sie gezielt unterstützt würden.
„Die Trockenheit bedroht die Existenzen vieler Bäuerinnen und Bauern. Kurzfristige finanzielle Mittel allein werden aber nicht reichen“, sagt ÖBV-Vorstandsmitglied Ludwig Rumetshofer. Er fordert eine verbindliche Klimaschutzpolitik und eine stärkere agrarökologische Ausrichtung der Landwirtschaft.
Auch GLOBAL 2000 warnt davor, Klima-, Wasser- und Naturschutz gegeneinander auszuspielen. Klimasprecher Johannes Wahlmüller fordert ausreichende öffentliche Mittel und einen konsequenten Schutz der Artenvielfalt. Besonders kritisch sieht die Organisation den Einsatz bestimmter langlebiger Chemikalien. PFAS-Pestizide müssten aus Sicht von GLOBAL 2000 rasch verboten werden.
Die anstehenden Entscheidungen über das EU-Budget und die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028 werden damit zu einer wichtigen Weichenstellung. Die fünf Organisationen fordern, dass Klimaschutz, Klimawandelanpassung, Biodiversität und Agrarumweltmaßnahmen nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen.
Ihre Botschaft ist klar: Eine krisenfeste Landwirtschaft entsteht nicht erst nach der nächsten Dürre oder dem nächsten Extremwetterereignis. Sie muss heute aufgebaut werden.
Wer bei Umwelt- und Agrarumweltmaßnahmen spart, riskiere langfristig höhere gesellschaftliche Kosten – während Investitionen in gesunde Böden, Wasserrückhalt, Artenvielfalt und klimafitte Landwirtschaft gleichzeitig die Grundlage für sichere Lebensmittelversorgung schaffen können.