Für Browser < IE 11 nicht optimiert. Verwenden Sie bitte einen aktuelleren Browser.
Skip to main content
Ökonwes
  • Sonne
  • Wind
  • Biomasse
  • Mobilität
  • Nachhaltigkeit(current)1
    • Nachhaltigkeit
    • Vernetzung
    • Wasser
    • weitere Energien
    • Ersatz fossiler Energie
    • Umweltschutz(current)2
    • Bauen
    • offene Briefe
    • Ansichtssache
    • Buch-Tipp
    • Heroes for future
    • Jobs
    • Ernährung und Gesundheit
    • Ökologisch Investieren
  1. oekonews
  2. Nachhaltigkeit
  3. Umweltschutz

Klimawandel bremst die Erde: Tag-Verlängerung beispiellos seit 3,6 Millionen Jahren

12.03.2026

Vergleich fossiler Archive mit heutigen Messungen – Aktuelle Zunahme der Tageslänge sticht in Klimageschichte deutlich hervor

Erde .jpg
ERDE © pixabay.com
Der Klimawandel verlängert unsere Tage, da das Ansteigen der Meeresspiegel die Erdrotation verlangsamt. Wissenschafter der Universität Wien und der ETH Zürich konnten nun zeigen, dass der derzeitige Anstieg der Tageslänge – 1,33 Millisekunden pro Jahrhundert – in den letzten 3,6 Millionen Jahren klar hervorsticht. Die Schwankungen der Tageszeit vor Millionen von Jahren ermittelte das Team mithilfe der fossilen Überreste einzelliger Meeresorganismen, so genannter benthischer Foraminiferen. Die Studie erschien aktuell im "Journal of Geophysical Research: Solid Earth".

 

Dass ein Tag exakt 24 Stunden hat, ist keineswegs gegeben – vielmehr verändert sich die Tageslänge durch die Mondanziehung oder geophysikalische Prozesse im Erdinneren, an der Oberfläche und in der Atmosphäre. Auch der gegenwärtige Klimawandel nimmt Einfluss auf die Tageslänge: So konnte bereits gezeigt werden, dass sich unsere Tage derzeit klimabedingt mit einer Rate von 1,33 Millisekunden pro 100 Jahren verlängern. Grund dafür ist vor allem die Umverteilung der Masse zwischen Kontinenten und Ozeanen durch das Schmelzen der polaren Eisschilde und der Gebirgsgletscher. In einer neuen Studie, die aktuell im "Journal  of Geophysical Research: Solid Earth" erscheint, wiesen die Studienleiter Mostafa Kiani Shahvandi von der Universität Wien und Benedikt Soja von der ETH Zürich nun nach, dass dieser rasante Anstieg der Tageslänge innerhalb der letzten 3,6 Millionen Jahren beispiellos ist.


Die Erde als Eiskunstläuferin

"In unserer früheren Arbeit hatten wir gezeigt, dass aufgrund der beschleunigten Schmelze der polaren Eisschilde und der Gebirgsgletscher im 21. Jahrhundert der Meeresspiegel steigt, was die Erdrotation verlangsamt und daher die Tage verlängert – vergleichbar einer Eiskunstläuferin, die sich langsamer dreht, wenn sie die Arme ausstreckt, und schneller, wenn sie diese nah am Körper hält", erklärt Mostafa Kiani Shahvandi vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien. "Unklar blieb damals jedoch, ob es auch früher schon Phasen gab, in denen das Klima die Tageslänge ähnlich rasant erhöht hat." 


Foraminiferen zeigen Meeresspiegel an


Um diese Frage zu beantworten, nutzten die beiden Wissenschafter in ihrer aktuellen Studie die fossilen Überreste einzelliger Meeresorganismen, so genannter benthischer Foraminiferen. "Anhand der chemischen Zusammensetzung der Gehäuse der Foraminiferen kann man die Schwankungen der Meeresspiegel nachvollziehen und mathematisch die Schwankungen der Tageslänge ableiten," erklärt Erstautor Kiani Shahvandi von der Universität Wien. Um robustere Schlussfolgerungen zu ziehen, verwendete das Forschungsteam einen speziellen probablistischen Deep-Learning-Algorithmus, das sogenannte physik-informierte Diffusionsmodell: "Dieses Modell erfasst die Physik der Meeresspiegeländerung, ist aber gleichzeitig robust gegenüber den großen Unsicherheiten in den Paläoklimadaten", so der Klimawissenschafter und Geophysiker Kiani Shahvandi.


Das Ergebnis: Während der quartären Eiszeit (die vergangenen 2,6 Millionen Jahre) kam es durch das Anwachsen und Abschmelzen großer kontinentaler Eisschilde immer wieder zu großen Schwankungen der Tageszeit infolge von Meeresspiegel-Änderungen. Verglichen mit Werten des 21. Jahrhunderts zeigte sich jedoch klar, dass die aktuelle Zunahme der Tageslänge in der Klimageschichte der letzten 3,6 Millionen Jahren deutlich hervorsticht. "Nur einmal – vor etwa 2 Millionen Jahren – war die Veränderungsrate der Tageslänge fast vergleichbar, aber nie zuvor oder danach hat die planetare 'Eiskunstläuferin' ihre Arme und den Meeresspiegel so schnell angehoben wie zwischen 2000 und 2020", sagt Kiani Shahvandi.


Rate der Tageszeitänderung seit spätem Pliozän beispiellos


"Dieser rasche Anstieg der Tageslänge impliziert, dass die Rate des modernen Klimawandels zumindest seit dem späten Pliozän vor 3,6 Millionen Jahren beispiellos ist. Daher kann der derzeitig rasche Tageszeitanstieg hauptsächlich menschlichen Einflüssen zugeschrieben werden", sagt Benedikt Soja, Professor für Weltraumgeodäsie an der ETH Zürich. "Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird sich der Klimawandel sogar stärker auf die Tageslängen auswirken als der Mond. Auch wenn es sich nur um Millisekunden handelt, könne der Anstieg der Tageszeit in vielen Bereichen Probleme verursachen, etwa bei der präzisen Navigation im Weltraum, die genaue Informationen über die Erdrotation erfordert", so Soja. 

Diese Studie von Mostafa Kiani Shahvandi (Universität Wien) und Benedikt Soja (ETH Zürich) ist die erste, die Fossilarchive zur Erforschung der Geschichte klimabedingter Tageszeit-Änderungen untersucht. Sie bietet damit eine Verbindung zwischen vergangenen und zukünftigen klimatischen Auswirkungen auf die Erdrotation.


Zusammenfassung: 

  • Der irdische Tag verlängert sich derzeit um etwa 1.33 ms pro Jahrhundert, hauptsächlich weil der klimabedingte Meeresspiegelanstieg durch schmelzendes Eis die Massenverteilung verändert und die Erdrotation verlangsamt.
  • Die Forscher rekonstruierten frühere Tageslängen-Änderungen, indem sie aus Fossilien benthischer Foraminiferen Meeresschwankungen ableiteten und ein physik-informiertes Diffusionsmodell anwendeten.
  • Die Ergebnisse zeigen, dass der heutige Klimawandel mindestens seit dem späten Pliozän (vor 3,6 Millionen Jahren) beispiellos ist und dass der aktuelle Anstieg der Tageslänge vorwiegend menschengemacht ist.
  • Bis zum späten 21. Jahrhundert dürfte der Klimaeinfluss auf die Tageslänge den Effekt des Mondes übertreffen.
  • Obwohl es sich nur um Millisekunden handelt, können diese Änderungen potenziell präzisionskritische Systeme wie die Weltraumnavigation beeinträchtigen.


Originalpublikationen:

Kiani Shahvandi, M., Soja, B. (2026). Climate-induced length of day variations since the Late Pliocene. Journal of Geophysical Research: Solid Earth, 131, e2025JB032161. 
DOI: 10.1029/2025JB032161

Kiani Shahvandi, M., Adhikari, S., Dumberry, M., Mishra, S., Soja, B. (2024). The increasingly dominant role of climate change on length of day variations. Proceedings of the National Academy of Sciences, 121 (30), e2406930121. 
DOI: 10.1073/pnas.2406930121

  • Drucken
  • Empfehlen
12.03.2026
Zum vorigen Artikel voriger Artikel

Zweite Spur: Wenn alte Ski zu neuen Wertstoffen werden

Zum nächsten Artikel nächster Artikel

Vertragsverletzungsverfahren: Österreich in drei Fällen säumig

oekonews

Tageszeitung für Erneuerbare Energie und Nachhaltigkeit. Sonntag, 12. April 2026, 68.795 Artikel Online

Weitere Themen

  • Trockenheit bringt zum Teil drastisch niedrige Grundwasserstände und belastet Landwirtschaft
  • Grünes Image von Club Med durch Kontroverse um Haikontrolle in Frage gestellt
  • Stopfleber-Lobby investierte bis zu 199.999 Euro für Zugang zu EU-Kommissaren und beeinflusste Gesetzgebung
  • Auf lange Sicht oft günstiger: Nachhaltige Beschaffung als Hebel der Transformation
  • Befragung zeigt: Klimawandel prägt Buchungsentscheidungen im Wintertourismus
  • Menschliche Landnutzung in Bergregionen erhöht Risiko tödlicher Erdrutsche
  • Wiener Abfallwirtschaft hautnah erleben: 48er-Besichtigungen von April bis Oktober
  • Biber als Klima-Helden: Streng geschützte Art schafft effektive Kohlenstoffsenken
  • KI-Revolution in Taichung: Asiens größtes unbemanntes Sortierzentrum definiert Kreislaufwirtschaft neu 
  • Kollaps von Meeresströmung könnte Südlichen Ozean zur CO₂-Quelle machen und globale Erwärmung um 0,2°C verstärken
  • zum ersten Set
  • zurück zum vorigen Set
  • 1(current)
  • 2
  • 3
  • weiter zum nächsten Set
  • zum letzten Set
15.233 Artikel | Seite 1 von 1.524

Newsletter

zur Anmeldung

Termintipp

Hainburg ’84 – Eine Bewegung setzt sich durch Termin-Tipp buchen

Oekotermine

Werben auf oekonews

Direkt an der Zielgruppe

Wichtiger Artikel

STUDIE: Ohne Energiewende mehr Rohstoffverbrauch
  • Suche
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Über oekonews
  • Haftung
  • RSS
© 2026 oekonews.at
Erde .jpg

ERDE © pixabay.com