Klimaschutz-Ranking 2026: Die Welt macht Fortschritte, aber Petrostaaten und USA bremsen weiter
Belém - Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen verzeichnet die Welt spürbare Fortschritte im Klimaschutz: Die Emissionen pro Kopf sinken leicht, der Ausbau erneuerbarer Energien wächst rasant, immer mehr Länder verpflichten sich zu Netto-Null-Zielen. Doch der neu veröffentlichte Klimaschutz-Index (CCPI) 2026 von Germanwatch und dem NewClimate Institute macht auch deutlich: Es geht zu langsam voran und einige große Emittenten stemmen sich offen gegen den Wandel.
„Wir sehen klar positive Trends, aber sie beginnen bei vielen Großemittenten schlicht zu spät“, sagt Thea Uhlich von Germanwatch, Co-Autorin des Index. Vor allem die G20-Länder, die mehr als drei Viertel der weltweiten Emissionen verursachen, bremsen.
Besonders drastisch fällt in diesem Jahr die Platzierung der USA aus: Die Vereinigten Staaten rutschen auf den drittletzten Rang ab und liegen damit hinter Russland, nur Saudi-Arabien und Iran schneiden noch schlechter ab. „Die größten Petrostaaten sind am Ende des Rankings weitgehend unter sich“, heißt es im Bericht.
Der CCPI bewertet 63 Länder plus die EU nach Emissionen, erneuerbaren Energien, Energieverbrauch und Klimapolitik.
An der Spitze festigt Dänemark seine Rolle als internationaler Musterknabe oder wie Uhlich meint: „eine Art FC Bayern München des Klimaschutzes“. Doch auch das Spitzenland erreicht nur Rang 4. Die Ränge 1 bis 3 bleiben wie jedes Jahr unbesetzt, weil kein Land ausreichend auf einem Paris-kompatiblen Kurs ist.
Auf den Plätzen 5 und 6 folgen Großbritannien und das weiterhin ambitionierte Marokko. Marokko überzeugt besonders durch niedrige Pro-Kopf-Emissionen und hohe Investitionen in öffentlichen Verkehr.
Deutschland fällt auf Rang 22 zurück und liegt damit im Mittelfeld und deutlich hinter zehn EU-Staaten. Vor allem die Klimapolitik wird nur noch als „mäßig“, die nationale Politik sogar als „schlecht“ bewertet.
Co-Autor Jan Burck kritisiert: „Die angekündigten Rückschritte, der Fokus auf Gas und fehlende Maßnahmen in Verkehr und Gebäuden bremsen Deutschlands Klimaschutz massiv.“ Auch neue Daten zu Emissionen aus Wäldern verschlechtern die Bilanz.
Einzig in der Kategorie Energienutzung hält Deutschland mit Platz 13 und einem positiven Trend noch einigermaßen gut mit.
Die G20 zeigen das wohl besorgniserregendste Bild: Nur Großbritannien landet in der Spitzengruppe. Zehn G20-Staaten hingegen stehen ganz unten. Besonders Petrostaaten wie Saudi-Arabien, die USA und Russland blockieren laut Burck den globalen Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter.
Immerhin: In der Klimapolitik schaffen es Brasilien, Großbritannien und China in die Gruppe der „guten“ Länder.
Die EU insgesamt landet mit Platz 20 im „mäßigen“ Bereich, genau wie Deutschland (22) und Frankreich (21). Acht EU-Staaten werden als „gut“ eingestuft, zehn jedoch als „schlecht“.
Den größten Einbruch verzeichnet Österreich: Das Land sackt auf Rang 35 ab! Die neue Regierung habe Budgets für Erneuerbare gekürzt und fossile Subventionen erhöht - deswegen fällt das Urteil der Expert:innen entsprechend hart aus.
Positiv heraus sticht Rumänien: Dank ambitionierter Ziele und eines erleichterten Ausbaus der Offshore-Windkraft steigt das Land erstmals in die Gruppe der „guten“ Länder auf.
China, der weltgrößte CO₂-Emittent, bleibt trotz Rekorden bei E-Mobilität, Batterien und erneuerbaren Energien auf Rang 54 im unteren Bereich. Zwar gibt es erstmals ein nationales Klimaziel mit absoluter Emissionssenkung, doch die tatsächlichen Emissionen und der Energieverbrauch bleiben hoch.
„Der Emissionshöhepunkt könnte bald erreicht sein“, sagt Prof. Niklas Höhne. „Nun muss China aber schneller aus den Fossilen aussteigen und genau das passiert bisher zu wenig.“
Der Klimaschutz-Index, der seit zwei Jahrzehnten jährlich erscheint, vergleicht Länder, die zusammen mehr als 90 Prozent der globalen Emissionen verursachen. Expert:innen aus rund 450 Organisationen haben in diesem Jahr zur Bewertung beigetragen.
Trotz aller Fortschritte bleibt die Botschaft deutlich: Ohne schnelleres Handeln, vor allem bei den großen Emittenten, wird das Ziel des Pariser Abkommens immer noch in weiter Ferne bleiben.