KI-Rechenzentren treiben Nachfrage nach Ökostrom massiv an
Laut Analysen von BloombergNEF werden die Investitionsausgaben der größten Rechenzentrumsbetreiber im Jahr 2026 auf rund 750 Milliarden US-Dollar steigen. Dies ist ein sprunghafter Anstieg gegenüber etwa 450 Milliarden im Jahr zuvor. Derzeit befinden sich weltweit Rechenzentren mit einer Leistung von mehr als 23 Gigawatt im Bau.
Der Ausbau der digitalen Infrastruktur erfolgt mit enormer Geschwindigkeit: Über 800 Standorte sind derzeit weltweit in Bau. Allein in den USA entstehen Projekte mit rund 16 Gigawatt Leistung – ein Großteil des globalen Wachstums.
Doch hinter diesen Zahlen steht vor allem eine zentrale Herausforderung: der Energiebedarf. KI-Anwendungen, insbesondere das Training und der Betrieb großer Modelle, sind extrem stromintensiv. Damit werden Rechenzentren zu einem der wichtigsten neuen Großverbraucher im globalen Energiesystem.
Auffällig ist, dass große Rechenzentrumsbetreiber zunehmend als Treiber für erneuerbare Energien auftreten. In Nord- und Südamerika waren sie im Jahr 2025 für rund 72 Prozent aller Unternehmensverträge zur Beschaffung von sauberem Strom verantwortlich.
Diese sogenannten Power Purchase Agreements (PPAs) – langfristige Stromabnahmeverträge – sind ein zentrales Instrument für den Ausbau von Wind- und Solarenergie. Tatsächlich entfiel etwa die Hälfte aller weltweit abgeschlossenen Unternehmensverträge für Ökostrom im Jahr 2025 auf große Rechenzentrumsbetreiber.
Konzerne wie Microsoft oder Amazon hatten bereits in der Vergangenheit Maßstäbe gesetzt, indem sie innerhalb eines Jahres Ökostrom-Kapazitäten im zweistelligen Gigawattbereich sicherten. Diese Entwicklung setzt sich nun fort – getrieben durch den KI-Boom.
Während in Amerika große Tech-Unternehmen den Ausbau erneuerbarer Energien massiv vorantreiben, zeigt sich in anderen Regionen ein deutlich anderes Bild. Im asiatisch-pazifischen Raum machen Rechenzentren nur etwa ein Drittel der Ökostromverträge aus, in Europa, dem Nahen Osten und Afrika sogar lediglich etwas mehr als ein Achtel.
Das deutet auf strukturelle Unterschiede hin: etwa bei regulatorischen Rahmenbedingungen, der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien oder der Organisation von Strommärkten.
Trotz der enormen Dynamik gibt es auch Unsicherheiten. Die Kapitalausgaben steigen rasant, und Investoren beobachten die Entwicklung zunehmend kritisch. Gleichzeitig sind neue Geschäftsmodelle wie sogenannte „Neoclouds“, die Rechenleistung für KI vermieten, stark von langfristiger Nachfrage abhängig.
Auch die Rentabilität von KI bleibt ein Thema: Zwar arbeiten Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic bereits profitabel im operativen Geschäft, doch die Margen liegen unter jenen klassischer Softwarefirmen – nicht zuletzt wegen der hohen Energiekosten.
Der Boom der KI-Rechenzentren zeigt deutlich: Die Digitalisierung und die Energiewende sind enger miteinander verknüpft als je zuvor. Einerseits treiben große Tech-Unternehmen den Ausbau erneuerbarer Energien aktiv voran. Andererseits erhöht ihr rasant wachsender Energiebedarf den Druck auf Stromnetze und Erzeugungskapazitäten.
Ob dieser Balanceakt gelingt, wird entscheidend dafür sein, ob der digitale Fortschritt tatsächlich klimafreundlich gestaltet werden kann – oder ob er zu einer neuen Belastungsprobe für die globalen Klimaziele wird.