KI für klimafreundliche Städte: Technologieradar zeigt, wo Künstliche Intelligenz wirklich helfen kann
Genau hier setzt die neue Studie „cityclimAIte – KI für klimafreundliche Städte“ an. Sie untersucht 29 konkrete KI-Lösungen für kommunale Anwendungen und bewertet diese hinsichtlich Klimawirkung, Machbarkeit, Komplexität, Technologiereife und rechtlicher Rahmenbedingungen. Ein interaktives, kostenlos zugängliches KI-Technologieradar macht die Ergebnisse nun auch für Städte und Gemeinden praktisch nutzbar.
Die Studie betrachtet fünf zentrale kommunale Handlungsfelder: Mobilität und Logistik, Strom- und Wärmenetze, energieeffiziente Gebäude, städtisches Klima und Klimawandelanpassung sowie energieeffiziente Rechenzentren und Abwärmenutzung.
Dabei geht es nicht nur um mögliche Effizienzgewinne. Die Forschenden untersuchten auch, welche Voraussetzungen für den Einsatz notwendig sind und welche unerwünschten Folgen entstehen könnten. Technologiereife, Wirkung, Machbarkeit, Komplexität und rechtliche Anforderungen werden für die einzelnen Anwendungsfälle einheitlich dargestellt.
„Viele Kommunen wissen, dass KI helfen kann, Klimaziele schneller zu erreichen. Was oft fehlt, ist eine belastbare Orientierung, welche Anwendungen wirklich passen, welche Daten und Kompetenzen nötig sind und wo rechtliche Leitplanken zu beachten sind“, erklärt Christian Kogler, Senior Research Engineer und Projektleiter am AIT Austrian Institute of Technology.
Die Studie macht gleichzeitig deutlich, dass erfolgreiche KI-Anwendungen mehr benötigen als leistungsfähige Algorithmen. Entscheidend sind unter anderem verlässliche Daten, interoperable Systeme, entsprechende Fachkompetenzen und klare rechtliche Rahmenbedingungen.
Gerade für Kommunen spielen dabei Datenschutz und Datensicherheit eine wichtige Rolle. Auch die Vorgaben der DSGVO und des EU AI Act müssen berücksichtigt werden. Hinzu kommt die Frage, ob eine Anwendung tatsächlich einen relevanten Beitrag zu Klimaschutz oder Klimawandelanpassung leisten kann – oder lediglich zusätzliche digitale Komplexität schafft.
Eine zentrale praktische Anwendung der Studie ist das KI-Technologieradar. Es ordnet Technologien und konkrete Best-Practice-Anwendungen nach ihrem Technologiereifegrad und ihrer Marktnähe.
Die Darstellung erfolgt in drei konzentrischen Bereichen: von Forschung und Entwicklung über Erprobung bis zur bereits möglichen Technologieadoption am Markt. Zusätzlich wird der technische und organisatorische Komplexitätsgrad der jeweiligen Lösung dargestellt.
„Das Technologieradar macht KI für Städte vergleichbar. Es zeigt auf einen Blick, was bereits marktreif ist, was gerade erprobt wird und wo noch Forschung nötig ist. Damit können Entscheidungstragende Prioritäten nachvollziehbar setzen und Pilotprojekte gezielt vorbereiten“, sagt Veronika Hornung-Prähauser, Innovationsforscherin für digitale Technologien bei Salzburg Research.
Das Tool ermöglicht außerdem eine Listenansicht mit detaillierten Informationen zu den einzelnen Anwendungsfällen. Die Ergebnisse können unter anderem nach Machbarkeit und Wirkung sortiert werden. Ergänzend stehen Factsheets als PDF zur Verfügung.
Damit soll das Radar nicht nur einen Überblick über technologische Trends liefern, sondern Kommunen dabei unterstützen, Chancen und Risiken abzuwägen, notwendige Kompetenzen einzuschätzen und konkrete Pilotprojekte vorzubereiten.
Die Studie zeigt damit einen wichtigen Punkt: Künstliche Intelligenz kann für klimafreundlichere Städte ein relevantes Werkzeug sein – ihr Nutzen hängt aber stark davon ab, wo und wie sie eingesetzt wird. Statt möglichst viele Prozesse zu automatisieren, geht es darum, jene Anwendungen zu identifizieren, bei denen KI einen messbaren Mehrwert für Klimaschutz oder Anpassung an den Klimawandel bringt.
Die Studie „cityclimAIte – KI für klimafreundliche Städte“ von Christian Kogler, Pia Weinlinger
, Jasmin Lampert, Isabella Hinterleitner und Veronika Hornung-Prähauser ist 2026 in der Reihe „Berichte aus Energie- und Umweltforschung 1/2026“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur erschienen.
Die Studie und die ergänzenden Materialien sind kostenlos online verfügbar.