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KI blickt in den Strommarkt

28.12.2025

Fraunhofer-Tool sagt Preise für Regelleistung voraus – und macht Flexibilität profitabel

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Geld © Kaboompics.com pexels.com
Der Strommarkt wird immer volatiler – und genau das eröffnet neue Chancen. Ein Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) sowie des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart hat ein frei zugängliches Online-Tool entwickelt, das mithilfe Künstlicher Intelligenz die Preise auf dem deutschen Regelleistungsmarkt vorhersagt. Das Tool mit dem Namen „PayBid AI“ liefert täglich aktualisierte Prognosen und ermöglicht es Unternehmen, verschiedene Gebotsstrategien miteinander zu vergleichen.
 

Der Regelleistungsmarkt ist das Sicherheitsnetz des Stromsystems. Schwankende Einspeisung aus Wind- und Photovoltaikanlagen führt immer wieder zu kurzfristigen Ungleichgewichten zwischen Stromangebot und -nachfrage. Netzbetreiber müssen dann rasch reagieren – und greifen auf Regelleistung zurück, bei der flexible Verbraucher oder Erzeuger kurzfristig Leistung zu- oder abschalten. Wer seinen Stromverbrauch gezielt anpassen kann, kann damit Geld verdienen. Doch das richtige Gebot zu finden, ist anspruchsvoll.
 

Hohe Gewinne – aber nur mit dem richtigen Gebot 

Denn der Markt folgt dem Prinzip „Pay as bid“: Nur wer den tatsächlichen Marktpreis möglichst genau trifft, erzielt maximale Erlöse. Zu niedrige Gebote verschenken Potenzial, zu hohe gehen leer aus. „Glücklich ist, wer den Strompreis genau vorhersagen kann“, bringt es das Forschungsteam auf den Punkt   - und setzt genau hier mit datengetriebenen Prognosen an.

Bereits im Frühjahr 2025 hatten die Wissenschaftler ihre KI-Modelle in einem wissenschaftlichen Fachbeitrag vorgestellt. Nun ist daraus ein praktisches Werkzeug geworden: PayBid AI ist kostenfrei, interaktiv und mit Live-Daten aus dem Regelleistungsmarkt verknüpft. „Unser Ziel war es, unsere Forschung direkt erlebbar zu machen und einen konkreten Mehrwert zu schaffen“, sagt Prof. Alexander Sauer, Mitglied der Institutsleitung des Fraunhofer IPA. Das Tool zeige, wie datenbasierte Prognosen die Markttransparenz erhöhen und gleichzeitig zur Netzstabilität beitragen können. 
 

Gebotsstrategien auf einen Blick vergleichen

Das Online-Tool  dient derzeit als Demonstrator und erstellt täglich Prognosen für den jeweils folgenden Tag und deckt vier Teilmärkte der deutschen Regelenergie ab -  die Sekundär- und Tertiärregelleistung jeweils in beiden Richtungen. Nutzerinnen und Nutzer können Zeiträume frei wählen, zwischen zwei Machine-Learning-Modellen wechseln und diese mit vier etablierten Benchmark-Strategien vergleichen.
 

„Im Dashboard sieht man live, welches Erlöspotenzial sich mit einer bestimmten Strategie realisieren ließe“, erklärt Lukas Baur vom Fraunhofer IPA. So werde sichtbar, dass datengetriebene Modelle nicht nur theoretisch überlegen seien, sondern auch in der Praxis messbare Vorteile bringen.
 

Schnittstelle für Industrie und Energiewirtschaft 

PayBid AI ist nicht nur ein Visualisierungstool. Über eine standardisierte Schnittstelle können Unternehmen die Preisprognosen direkt in eigene Optimierungs- und Einsatzplanungssysteme integrieren  -  etwa für Lastverschiebungen, Flexibilitätsmanagement oder automatisierte Gebotsstrategien. Die frei zugängliche Version bildet dabei nur einen Teil der im Hintergrund verfügbaren Modelllandschaft ab. Erweiterte Verfahren mit noch höherer Prognosequalität stehen für weiterführende Anwendungen bereit. 
 

Der Blick nach vorn ist klar: Die Forschenden arbeiten bereits an komplexeren Modellen und probabilistischen Verfahren, um die Vorhersagen weiter zu verbessern. Auch eine Ausweitung auf andere Märkte und Länder ist geplant. Damit könnte KI künftig nicht nur helfen, Stromnetze stabil zu halten  -  sondern Flexibilität zu einem noch attraktiveren Geschäftsmodell machen.

Links

  • Online-Tool PayBid AI für KI-gestützte Preisprognosen
  • Originalpublikation: - International Journal of Electrical Power & Energy Systems: ML-based bidding price prediction for pay-as-bid ancillary services markets: An application to the German contro
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28.12.2025 | Autor*in: Doris Holler-Bruckner
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