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Jeder Atemzug eine Gefahr? Neue Plastik-Studie von Greenpeace International

28.07.2025

10 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben in der Nähe einer petrochemischen Fabrik, die mit Plastikproduktion zu tun hat. Sie sind potenziell gefährlichen Emissionen ausgesetzt

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© Ralf Vetterle auf Pixabay
Ein vor kurzem neu  veröffentlichter Bericht von Greenpeace International zeigt: In 11 Ländern sind wegen Emissionen aus der Plastikproduktion über 50 Millionen Menschen  dem Risiko verschmutzter Luft ausgesetzt. Darunter auch 973'000 Menschen in der Schweiz. Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr: Wir produzieren zu viel Plastik. Vom 5.–14. August finden in Genf die Verhandlungen über ein Internationales Abkommen gegen die Plastikverschmutzung statt. Zum Schutz der Gesundheit, des Klimas und der Umwelt fordert Greenpeace eine Reduktion der Plastik-produktion um mindestens 75 Prozent bis 2040.

Unter dem Titel «Mit jedem Atemzug: Die Risiken der Luftverschmutzung durch die petrochemische Produktion in der Kunststofflieferkette» (Englisch) befasst sich der Bericht von Greenpeace International mit petrochemischen Fabriken. Sie produzieren für die Herstellung von Plastik erforderliche Komponenten. Dabei entstehen Schadstoffe, darunter flüchtige organische Verbindungen (VOC), Stickoxide (NOx), Schwefeloxide (SOx) und Feinstaub (PM). 

Studien belegen, dass diese gesundheitsgefährdenden Stoffe in der Nähe von petrochemischen Fabriken in höheren Konzentrationen vorkommen. In dokumentierten Fallstudien leiden Menschen, die in der Nähe von petrochemischen Fabriken leben, überproportional häufig an Krebs, Atemwegserkrankungen und unter vorzeitigen Todesfällen. Die Vereinten Nationen bezeichnen einige dieser Regionen als «Opfergebiete».

Der Bericht widmet sich petrochemischen Fabriken in elf Ländern: Indonesien, Kanada, Malaysia, Philippinen, Südkorea, Thailand, USA, Deutschland, Grossbritannien, Niederlande und Schweiz. Er liefert eine Einschätzung der Anzahl Menschen, die im Umkreis von 10 km von solchen Anlagen leben. In der Schweiz sind das 973'000 Menschen. 

Gemäss Bericht gibt es in der Schweiz neun Risikogebiete, sechs in der Deutschschweiz, drei in der Westschweiz. Die Zahl der geschätzten Betroffenen steigt auf über eine Million, wenn man die Bevölkerung in den angrenzenden Gebieten (Frankreich und Deutschland) mit einbezieht. Die Schweiz liegt mit einem Anteil von 10,9 Prozent aller Menschen, die weniger als 10 km von einer petrochemischen Fabriken entfernt leben, an zweiter Stelle aller untersuchten Länder.

Joëlle Hérin, Expertin für Konsum und Kreislaufwirtschaft bei Greenpeace Schweiz, sagt: «Der Bericht zeigt, dass die Plastikproduktion auch in unserem Land ein schwer-wiegendes Problem für die öffentliche Gesundheit ist. Fast eine Million Schweizerinnen und Schweizer leben in der Nähe solcher Fabriken. Die wissenschaftliche Literatur weist darauf hin, dass das Leben in der Nähe von petrochemischen Standorten ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt. Die Schweiz muss im August in Genf alles tun für ein internationales Abkommen, welches das Problem an der Wurzel packt: Wir fordern eine Reduktion der Plastikproduktion um 75 Prozent bis 2040, um die Gefahren für Gesundheit, Klima und Umwelt zu begrenzen.»


Die wichtigsten Schlussfolgerungen des Berichts
  • In den elf untersuchten Ländern leben über 50 Millionen Menschen weniger als 10 km von petrochemischen Fabriken entfernt, die mit der Plastikherstellung zu tun haben. 16 Millionen leben weniger als 5 km entfernt.
  • In den USA leben mit 13 Millionen die meisten Menschen in einem Gebiet mit hohem Risiko, insbesondere in Texas und Louisiana.
  • In den Niederlanden lebt jede vierte Person in einem Gebiet mit hohem Risiko für Luftverschmutzung, einschliesslich giftiger Emissionen aus petrochemischen Fabriken. Das ist in den untersuchten Ländern der höchste Anteil.
  • Die von bestimmten petrochemischen Fabriken in den untersuchten Regionen verursachte Verschmutzung überschreitet die Landesgrenzen. Mehrere Fabriken befinden sich in Grenzgebieten. Sie betreffen Einwohner:innen in Österreich, Polen, Singapur, Belgien, Frankreich und Deutschland.
  • Der Bericht warnt vor den Plänen der Industrie, die weltweite Kunststoffproduktion bis 2050 zu steigern. Das würde zu mehr «Opfergebieten», mehr Abfallexporten in Länder mit niedrigem Einkommen und mehr kurzlebigen Produkten führen – und die Klima- und Gesundheitskrise verschärfen.
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