Indien: 2,3 TWh Solarstrom wegen Netzengpässen verloren
New Delhi Trotz eines Rekordzubaus von 38 Gigawatt (GW) Solarkapazität im Jahr 2025 musste Indien zwischen Ende Mai und Dezember 2,3 Terawattstunden (TWh) Solarstrom abregeln. Das zeigt ein neuer Bericht des Energie-Thinktanks Ember. Grund waren Bedenken hinsichtlich der Netzstabilität sowie strukturelle Engpässe im Stromsystem.
Die abgeregelte Strommenge entspricht rund 18 Prozent einer durchschnittlichen monatlichen Solarstromerzeugung von etwa 13 TWh. Für die Notfallmaßnahmen erhielten betroffene Betreiber über das Tertiary Reserve Ancillary Service (TRAS) Entschädigungen in Höhe von 5,75 bis 6,9 Milliarden INR (rund 63 bis 76 Millionen US-Dollar).
Nach Angaben von Ember musste die nationale Lastverteilungszentrale regelmäßig eingreifen, da andere Kraftwerke ihre technischen Mindestgrenzen erreicht hatten und nicht weiter gedrosselt werden konnten. Besonders im Oktober 2025 zeigte sich das Problem deutlich: Aufgrund außergewöhnlich milder Temperaturen lag die Stromnachfrage teils deutlich unter den Prognosen – der Rückgang zur Mittagszeit war doppelt so stark wie am Abend. Infolgedessen wurde Solarstrom aus Stabilitätsgründen reduziert, obwohl Kohlekraftwerke bereits auf Minimalleistung liefen.
„2025 wurden massive 38 GW Solarkapazität hinzugewonnen. Dennoch kristallisierte sich die Drosselung erneuerbarer Energien als zentrales Thema des Jahres heraus“, erklärt Ruchita Shah, Energieanalystin bei Ember. Die Autorin sieht darin einen praktischen Stresstest für ein Energiesystem mit hohem Solaranteil: „Saubere Energie kann ohne Flexibilität nicht effizient skaliert werden.“
Neben wirtschaftlichen entstehen auch ökologische Kosten: Laut Bericht hätten die 2,3 TWh Solarstrom rund 2,1 Millionen Tonnen CO₂ vermeiden können, wenn sie Kohlestrom ersetzt hätten. Das entspricht in etwa den jährlichen Emissionen von rund 400.000 Haushalten in Indien.
Als Hauptursache für landesweite Abregelungen nennt Ember jedoch Übertragungsengpässe – ein Risiko insbesondere für neue Projekte, da hier Entschädigungen nicht garantiert sind. Der Bericht empfiehlt daher eine dreistufige Strategie für mehr Flexibilität: Erstens müssen konventionelle Kraftwerke schneller und stärker regelbar sein. Zweitens braucht es einen beschleunigten Ausbau von Speicherkapazitäten, um überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern. Drittens sollte nicht kritische Nachfrage gezielt in Zeiten hoher erneuerbarer Erzeugung verlagert werden.
Das Jahr 2025 zeigt damit deutlich: Der Ausbau der Solarkapazität allein reicht nicht aus. Mit dem rasanten Wachstum der erneuerbaren Energien muss auch die Flexibilität des Stromsystems Schritt halten.