Hitze und Trockenheit setzen Obst- und Gemüsebau massiv zu
Besonders angespannt ist die Situation in den östlichen Obstbauregionen. Zwar werden inzwischen rund 40 Prozent der Obstbauflächen bewässert, doch vielerorts gehen die Wasserreserven in Speicherteichen und Bewässerungsanlagen zur Neige. Gleichzeitig bleiben dringend benötigte Niederschläge aus.
Bei Äpfeln, Birnen und Zwetschken, die kurz vor der Ernte stehen, sorgen Sonnenbrand, Hitzeschäden und kleinere Früchte für massive Ertragseinbußen. Insgesamt wird derzeit mit einem Verlust von etwa einem Drittel der Obsternte gerechnet. Beim Holunder könnte der Ausfall sogar mehr als 50 Prozent erreichen.
Besonders problematisch ist, dass die Hitze nicht nur die aktuelle Ernte betrifft. In mehreren Regionen sterben bereits Obstbäume ab. Bei jungen Anlagen sind teilweise ganze Bestände vertrocknet. Damit entstehen Schäden, die über die heurige Saison hinausreichen.
Gemüsebau unter massivem Druck
Auch im Gemüsebau nehmen die Probleme zu. Hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung führen zu Wachstumsverzögerungen, Notreife und Verbrennungen an Pflanzen und Früchten. Gleichzeitig steigt der Schädlingsdruck. Spinnmilben, Thripse und Raupen vermehren sich bei Wärme besonders stark.
Über alle Gemüsekulturen hinweg werden derzeit durchschnittlich 45 Prozent Ertragseinbußen erwartet. Ohne Bewässerung drohen vielerorts Totalausfälle. Selbst beim bewässerten Tiefkühlgemüse werden Verluste von mehr als 30 Prozent erwartet.
Die Hitze sorgt zudem dafür, dass verschiedene Kulturen wie Buschbohnen, Grünerbsen und Edamame gleichzeitig reif werden. Dadurch entstehen Engpässe bei Ernte, Transport und Verarbeitung.
Bewässerung wird immer teurer
Die vorhandenen Bewässerungssysteme können die Folgen der Trockenheit zwar teilweise abfedern, verursachen aber deutlich höhere Kosten. Wegen sinkender Wasserstände muss wesentlich mehr Energie für die Wasserförderung aufgewendet werden. Der Wasserbedarf liegt je nach Kultur inzwischen zwei- bis fünfmal über dem Normalniveau.
Für Bewässerung, Energie und zusätzliche Arbeitskräfte entstehen den Betrieben derzeit Mehrkosten von etwa 300 bis 700 Euro pro Hektar.
„Ohne ausreichende Bewässerungsmöglichkeiten können die Betriebe Obst und Gemüse nicht in der geforderten Menge und Qualität produzieren“, warnt Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger. Er fordert rasche und unbürokratische Unterstützung bei den gestiegenen Bewässerungskosten sowie langfristige Investitionen in eine zukunftsfähige Wasserinfrastruktur.
Klimaanpassung wird zur Überlebensfrage
Für den heimischen Obst- und Gemüsebau wird damit immer deutlicher, dass Klimaschutz allein nicht ausreicht. Wasserspeicher, moderne Bewässerungssysteme, Hagelschutznetze, angepasste Sorten und bessere Versicherungslösungen sollen die Betriebe widerstandsfähiger gegen zunehmende Wetterextreme machen.
Gleichzeitig steigen durch Klimawandel, Energie, Löhne und andere Produktionskosten die Belastungen für die Landwirtschaft. Die Landwirtschaftsvertreter appellieren daher auch an den Handel, heimische Produkte zu fairen Bedingungen abzunehmen.
Die heurige Saison zeigt deutlich: Extreme Hitze und Trockenheit sind längst nicht mehr nur ein Wetterproblem – sie werden zu einer Frage der Versorgungssicherheit mit regionalem Obst und Gemüse.