Hauptversammlung von Mercedes-Group: Kritik an hoher Dividende und schwacher E-Auto-Strategie
Berlin/Köln/Stuttgart – Auf der heutigen virtuellen Hauptversammlung der Mercedes-Benz Group wächst die Kritik an der Unternehmensstrategie. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre bemängeln insbesondere die hohe Dividendenpolitik und den schleppenden Ausbau der Elektromobilität.
Im Zentrum der Kritik steht der Vorwurf, dass der Konzern trotz wirtschaftlicher Herausforderungen weiterhin erhebliche Mittel an Aktionärinnen und Aktionäre ausschüttet. Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND und Vorstandsmitglied des Dachverbands, warnt vor den Folgen: „Jeder Euro, der nicht in Klimaschutz und Zukunftstechnologien investiert wird, schwächt den Konzern langfristig. Angesichts von Absatzkrise, sinkender Rentabilität und Stellenabbau braucht es dringend einen strategischen Kurswechsel.“
Besonders kritisch sehen die Organisationen die Höhe der aktuellen Dividende. Trotz Sparprogrammen und Personalabbau plant das Unternehmen eine der höchsten Ausschüttungen der vergangenen zwei Jahrzehnte. Insgesamt habe Mercedes-Benz in den letzten vier Jahren rund 27,8 Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Anteilseigner verteilt – mehr als jeder andere deutsche Automobilhersteller. Ein erheblicher Teil dieser Mittel fließe ins Ausland, etwa nach China und Kuwait, so die Kritik.
Gleichzeitig gerät der Konzern beim Umbau hin zur Elektromobilität zunehmend unter Druck. Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Anteil rein batterieelektrischer Fahrzeuge bei Mercedes-Benz Cars im Jahr 2025 lediglich 9,37 Prozent betrug – ein Rückgang gegenüber 11,77 Prozent im Jahr 2023. Parallel dazu stieg der durchschnittliche CO₂-Ausstoß der verkauften Pkw von 103 g/km im Jahr 2024 auf 106 g/km im Jahr 2025.
„Während weltweit die Nachfrage nach Elektroautos steigt, gelingt es Mercedes-Benz bislang nicht, von diesem Trend zu profitieren“, so Hilgenberg. Mehr als 90 Prozent der verkauften Fahrzeuge verfügten weiterhin über einen Verbrennungsmotor – ein Rückschritt für einen Konzern, der noch vor kurzem eine „electric only“-Strategie bis 2024 verfolgt habe.
Auch die Modellpolitik steht in der Kritik. Der BUND bemängelt, dass erschwingliche Elektro-Modelle zu spät auf den Markt kommen. So werde erst jetzt eine elektrische Nachfolge für die A-Klasse angekündigt. Ob neue Modelle wie der elektrische CLA und eine mögliche Abkehr von der bisherigen Luxusstrategie ausreichen, um den Konzern zukunftsfähig aufzustellen, bleibe offen.
Mit Blick auf die europäischen Klimaziele sei der Handlungsdruck jedoch eindeutig: Ab 2035 gilt in der Europäischen Union faktisch das Aus für den Verkauf neuer Pkw mit Verbrennungsmotor. „Darauf muss sich die Unternehmensstrategie konsequent ausrichten“, fordert Hilgenberg.