Greenpeace-Studie: Millionen Menschen in Europa fühlen sich von Bus und Bahn abgeschnitten
Mehr als die Hälfte der Menschen in Europa nutzt öffentliche Verkehrsmittel nicht regelmäßig. Der Grund dafür sind laut einer neuen Greenpeace-Studie vor allem schlechte Verbindungen, hohe Preise und mangelnde Barrierefreiheit. Besonders kritisch ist die Situation im ländlichen Raum – auch in Österreich.
Die Untersuchung des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace zeigt, dass sich 56 Prozent der Europäerinnen und Europäer vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten fühlen. Viele Menschen seien dadurch gezwungen, ein Auto zu besitzen, obwohl sie sich die hohen Kosten kaum leisten können. In Österreich sparen laut Studie bereits drei Prozent der Bevölkerung bei wichtigen Alltagsausgaben, um mobil zu bleiben.
In Österreich zeigt sich besonders stark das Stadt-Land-Gefälle: Fast 28 Prozent am Land bemängeln zu seltene Verbindungen, unpassende Fahrpläne oder schlichtweg fehlende öffentliche Optionen. In Städten sind es im Gegensatz dazu nur 1,5 Prozent der Bevölkerung. Zu seltene Verbindungen, unpassende Fahrpläne und lange Fahrzeiten machen Bus und Bahn für viele unattraktiv. Sie sind deutlich öfter ein Grund für die Abhängigkeit vom eigenen Auto als im europäischen Vergleich. Das führt dazu, dass immer mehr einkommensarme Haushalte an anderen lebensnotwendigen Dingen sparen, um sich überhaupt ein Auto und damit Mobilität leisten zu können. 2024 betraf das bereits drei Prozent der Österreicher:innen. Das sind mehr als alle Einwohner:innen von Linz und Klagenfurt zusammen.
Greenpeace fordert deshalb einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vor allem in ländlichen Regionen. „Statt Milliarden in neue Schnellstraßen zu versenken, braucht es leistbare und klimafreundliche Öffis für alle Gemeinden“, sagt Klima- und Energieexperte Marc Dengler.
Auch soziale Aspekte spielen laut Studie eine große Rolle. Frauen und ältere Menschen meiden öffentliche Verkehrsmittel häufiger aus Sicherheitsgründen oder wegen fehlender Barrierefreiheit. Deutschland schneidet bei den Kosten besonders schlecht ab: Dort nennen deutlich mehr Menschen als im europäischen Durchschnitt die hohen Ticketpreise als Grund gegen Bus und Bahn.
Für die Studie wurden Daten aus 33 europäischen Ländern ausgewertet und verschiedene Faktoren wie Einkommen, Alter, Wohnort und Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel untersucht.