Greenpeace protestiert gegen mögliche Rückkehr zur Atomkraft in der Schweiz
Bern - Die Umweltorganisation fordert die Schweizer Nationalrätinnen und Nationalräte auf, die Atompläne des Bundesrates abzulehnen und am beschlossenen Atomausstieg festzuhalten.
Der Nationalrat hat am Montag die Debatte über den Bau neuer Atomkraftwerke eröffnet. Die Abstimmung wird für heute Dienstag erwartet. Aus Sicht von Greenpeace steht dabei nicht weniger als die künftige Ausrichtung der Schweizer Energiepolitik auf dem Spiel.
Symbolischer Protest am Bundeshaus
Für ihre Protestaktion projizierten die Aktivistinnen und Aktivisten zwei beeindruckende Bilder auf die Fassade des Bundeshauses. Das erste Motiv greift das berühmte Gemälde „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch auf und verbindet die Figur mit dem Symbol für Radioaktivität. Das zweite Bild zeigt eine Illustration des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dessen Gesicht mit einem Kühlturm eines Atomkraftwerks verschmilzt.
Mit den Projektionen will Greenpeace nach eigenen Angaben auf die Risiken der Atomenergie und auf die geopolitischen Abhängigkeiten aufmerksam machen, die mit der Nutzung von Kernkraft verbunden seien.
„Die Rückkehr zur Atomenergie stellt eine Gefahr dar. Darauf wollen die Aktivist:innen mit ihrer Aktion aufmerksam machen“, erklärt Lukas Bühler, Energieexperte bei Greenpeace Schweiz. „Mit dem Bau neuer AKW steigt das Risiko nuklearer Katastrophen. Gleichzeitig produzieren wir zusätzlichen hochradioaktiven Atommüll, den wir kommenden Generationen hinterlassen.“
Kritik an Abhängigkeit von autoritären Staaten
Neben den Sicherheits- und Entsorgungsfragen verweist Greenpeace auch auf die internationale Uranversorgung. Die Organisation argumentiert, dass die Schweiz durch neue Atomkraftwerke langfristig auf Uranimporte angewiesen bliebe. Diese kämen häufig aus Ländern wie Russland oder Kasachstan und könnten neue geopolitische Abhängigkeiten schaffen.
Aus Sicht der Umweltorganisation steht die Atomkraft deshalb im Widerspruch zu dem Ziel einer unabhängigen und nachhaltigen Energieversorgung.
Greenpeace sieht Volkswillen missachtet
Besonders scharf kritisiert Greenpeace die politische Kehrtwende, die mit einer Zulassung neuer Kernkraftwerke verbunden wäre. Die Organisation verweist auf die Volksabstimmungen der vergangenen Jahre: 2017 stimmten 58 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer dem revidierten Energiegesetz zu, das den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie vorsieht. 2024 wurde zudem das Stromgesetz mit 69 Prozent angenommen und damit der Ausbau erneuerbarer Energien bekräftigt.
Für Greenpeace ist dies ein klarer Auftrag der Bevölkerung.
„Die Stimmbevölkerung hat den politischen Entscheidungsträger:innen ein eindeutiges Mandat für die Energiepolitik der Schweiz erteilt“, sagt Bühler. „Wenn sich das Parlament für die Rückkehr der Atomkraft ausspricht, missachtet es diesen Volkswillen. Ein Ja zu neuen AKW würde die Energiewende bremsen und den Ausbau erneuerbarer Energien gefährden.“
Richtungsentscheid für die Schweizer Energiepolitik
Die Abstimmung im Nationalrat gilt als wichtiger Richtungsentscheid für die zukünftige Energieversorgung der Schweiz. Befürworter neuer Kernkraftwerke verweisen auf deren Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur klimafreundlichen Stromproduktion. Gegner sehen hingegen hohe Kosten, ungelöste Endlagerfragen und langfristige Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten.
Mit der Aktion vor dem Bundeshaus hat Greenpeace kurz vor dem Entscheid noch einmal deutlich gemacht, dass die Debatte über die Rolle der Atomkraft in der Schweiz längst nicht beendet ist. Für die Umweltorganisation liegt die Zukunft der Energieversorgung nicht in neuen Reaktoren, sondern im konsequenten Ausbau von Solar-, Wind- und Wasserkraft.