Geothermie: Neue Bohrtechnik holt mehr Wärme aus bestehenden Bohrungen
Im Mittelpunkt steht die vom Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (Fraunhofer IEG) entwickelte Micro Turbine Drilling (MTD®)-Technologie. Sie ermöglicht es, von bestehenden Bohrlöchern aus gezielt kleine Seitenbohrungen anzulegen. Dadurch werden zusätzliche wasserführende Gesteinsschichten erschlossen, was die Fördermenge an heißem Wasser erhöhen und die Wärmeleistung geothermischer Anlagen deutlich verbessern kann.
Ein weiterer Vorteil: Die Technik kann ohne klassische Bohranlage eingesetzt werden und eignet sich besonders für bestehende oder reaktivierte Bohrungen. Das soll Investitionskosten senken und das wirtschaftliche Risiko neuer Geothermieprojekte reduzieren.
Im Rahmen des bis 2030 laufenden Projekts wird das Fraunhofer IEG einen Prototypen für den Praxiseinsatz entwickeln. Getestet wird die Technologie in einer rund drei Kilometer tiefen Forschungsbohrung des Geothermiezentrums RINGEN im tschechischen Litoměřice. Dort wollen die Forschenden nachweisen, dass sich bestehende Bohrungen durch zusätzliche Seitenäste effizient erweitern und ihre Leistungsfähigkeit steigern lassen.
UPLIFT ("Unlocking Petrothermal Lithologies through Innovative Fracture Technologies") wird im EU-Forschungsprogramm Horizon Europe mit rund 10,9 Millionen Euro gefördert. Das Gesamtbudget beträgt etwa 12,2 Millionen Euro. Koordiniert wird das Projekt vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. Beteiligt sind Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus fünf europäischen Ländern, darunter das Fraunhofer IEG, die ETH Zürich, Geo-Energie Suisse sowie die Charles University in Prag.
Neben der neuen Bohrtechnik umfasst das Projekt auch digitale Simulationsmodelle, Echtzeit-Überwachungssysteme für Geothermieanlagen und Laborversuche im Schweizer Untergrundlabor BedrettoLab. Ziel ist es, die Tiefengeothermie wirtschaftlicher, zuverlässiger und damit zu einem noch wichtigeren Pfeiler der europäischen Wärmewende zu machen.