Frankreich kürzt Ziele für Erneuerbare-Energieausbau
Paris - Frankreich hat sein drittes Mehrjahres-Energieprogramm (PPE3) für 2026–2035 vorgestellt, das die Weichen für eine „nukleare Wiederbelebung“ stellt und die zuvor hochgesteckten Ziele für erneuerbare Energien anpasst. Ziel des Programms ist es, das Land bis 2050 auf den Pfad zur CO₂-Neutralität zu bringen, wobei ein ausgewogener Energiemix aus Kernenergie und erneuerbaren Quellen im Fokus steht.
Ursprünglich plante Frankreich, bis 2035 90 GW an installierter Photovoltaik-Kapazität zu erreichen. Im neuen PPE3 wurde dieses Ziel auf 55–80 GW gesenkt, mit einem Zwischenziel von 48 GW bis 2030. Auch die Onshore-Windkapazität wurde angepasst: 2030 sollen 31 GW und bis 2035 35–40 GW installiert sein, anstelle der zuvor vorgeschlagenen 40–45 GW. Für Offshore-Wind wurde das Ziel von 18 GW bis 2035 auf 15 GW gesenkt.
Die PPE3 legt großen Wert auf die Wiederbelebung der Atomkraft. Sechs neue Reaktoren sollen gebaut werden, die bereits ab 2038 in Betrieb gehen, zudem sollen die 57 bestehenden Reaktoren konsolidiert und erweitert werden. Bereits 2030 wird die Kernkraftleistung auf 380 TWh steigen.
Mehrere französische Energieexperten weisen jedoch darauf hin, dass der Ausbau von Atomkraftwerken ein extrem langfristiges Unterfangen ist und bisher kein Kernkraftwerk in der geplanten Zeit und zu den angenommenen Kosten fertig gestellt wurde. Sie meinen, dass erneuerbare schneller ausbaubar sind. Genehmigungen, Bauzeiten und Sicherheitsprüfungen für Atomkraftwerke können Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Ob die Anpassung der Ziele in diesem Bereich tatsächlich umsetzbar ist, wird daher skeptisch gesehen. Die Dekarbonisierungsziele sind zu erreichen, soviel scheint fix.
Die Umsetzung des PPE3 soll bis 2030 mehr als 120.000 Arbeitsplätze schaffen, insbesondere in den Bereichen Kernenergie, Solar-PV und Offshore-Wind. Gleichzeitig erwartet die Regierung, dass das Programm die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert, die aktuell Importkosten von rund 60 Milliarden Euro pro Jahr verursachen.
Mit diesen Anpassungen unterstreicht Frankreich den Balanceakt zwischen kurzfristiger Versorgungssicherheit, langfristiger CO₂-Reduktion und wirtschaftlicher Machbarkeit. Während die Atomkraft von Regierungsseite immer noch als stabiler Eckpfeiler gilt, zeigt die Kürzung der erneuerbaren Ziele, dass der Ausbau grüner Energie in Frankreich nach Meinung der regierenden Politik nicht automatisch beschleunigt werden kann, obwohl die Umsetzung von mehr Atomkraft komplexe politische und technische Herausforderungen birgt.