Finnland bereitet neues Atomgesetz vor: Schnellere Verfahren und neue Reaktortechnologien im Fokus
Helsinki - Finnland will weiter auf Atomkraft setzen. Am 12. März hat die Regierung dem Parlament einen Entwurf für ein neues Atomgesetz vorgelegt. Dieses soll das bisherige Gesetz aus dem Jahr 1987 ersetzen und zugleich zahlreiche damit zusammenhängende Gesetze – darunter auch Bestimmungen zum Strahlenschutz – modernisieren.
Ziel der Reform ist es, so das Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung, die Nutzung der Kernenergie klar am gesamtgesellschaftlichen Interesse auszurichten.
Beschleunigung von Projekten und neue Technologien
Die Regierung unter Premierminister Petteri Orpo verfolgt mit der Reform ein wirtschafts- und energiepolitisches Ziel: Finnland soll als Standort für Investitionen in die Kernenergie attraktiver werden. Geplant ist, Projektvorbereitungen zu beschleunigen, die Kosten zu senken und Genehmigungsprozesse berechenbarer zu machen.
Kernstück ist die Einführung flexiblerer Genehmigungs-, Lizenzierungs- und Meldeverfahren. Diese sollen es ermöglichen, bewährte technische Lösungen einfacher wiederzuverwenden und gleichzeitig innovative Konzepte schneller voranzubringen. Dazu zählen insbesondere sogenannte Small Modular Reactors (SMR) – kleine, modular aufgebaute Reaktoren, die in Finnland als wichtige Zukunftstechnologie gelten. Zudem will Finnland künftig den Bau von Kernanlagen näher an Verbrauchszentren ermöglichen.
Ein zentraler Punkt der Reform ist die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren, insbesondere in frühen Projektphasen. Für kleinere Anlagen mit einer thermischen Leistung von bis zu 50 Megawatt soll künftig das Wirtschaftsministerium zuständig sein. Größere Projekte bleiben weiterhin in der Verantwortung der Regierung. Parallel dazu werden auch die Vorschriften der finnischen Atomaufsichtsbehörde STUK angepasst. Ziel ist ein modernerer, weniger detaillierter und zugleich flexibler regulatorischer Rahmen.
Die finnische Umwelt- und Klimaministerin Sari Multala betont, dass Finnland auch künftig auf eine Mischung aus emissionsfreien, leistbaren und verlässlichen Energiequellen angewiesen sein werde – dazu zählt nach Meinung der finnischen Regierung auch Kernenergie. Die Reform soll sicherstellen, dass gesetzliche Rahmenbedingungen mit technologischen Entwicklungen Schritt halten und unterschiedliche Projektmodelle besser unterstützen.
Das neue Atomgesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Damit könnten neue Projekte noch innerhalb der aktuellen Legislaturperiode nach den reformierten Regeln beantragt werden.
Immer noch Atomkraft - trotz endloser Verzögerung und horrender KostenAktuell betreibt Finnland fünf Reaktorblöcke an zwei Standorten: Im Kraftwerk Loviisa laufen zwei Druckwasserreaktoren seit den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Das Kraftwerk Olkiluoto umfasst zwei ältere Siedewasserreaktoren sowie den Reaktor Olkiluoto 3 vom Typ EPR, der nicht nur mit mehr als 10 Jahren Verspätung, sondern auch mit Kosten, die von ursprünglich geplanten 3 Mrd. Euro auf 11 Mrd. stiegen, 2023 in Betrieb ging. Mehr als 2.300 Fehler und Sicherheitsprobleme hatten die Fertigstellung des Kraftwerkes massiv verzögert. Ein weiterer Reaktor in Olkiluoto wurde vom Betreiber TVO wegen der horrenden Kosten abgesagt.
Mit einem Anteil von rund 37 Prozent an der Stromerzeugung ist Kernenergie derzeit eine tragende Säule im Energiesystem Finnlands – und dürfte durch die geplante Reform wieder Auftrieb bekommen. Voraussetzung dafür sind jedoch hohe staaatliche Förderungen, denn ohne diese ist Atomenergie einfach unwirtschaftlich.
Eines ändert sich trotzdem nicht: Atomkraft ist die teuerste Form der Energieerzeugung. Unabhängigkeit bietet sie ebenfalls nicht, denn Uran muss importiert werden. Für zwei der Kernkraftwerke Finnlands kommt dieses immer noch aus Russland- absurd,
Erneuerbare Energien wachsen auch in Finnland weit schneller als Atomkraft: Allein im Vorjahr wurden mit mehreren Freiflächenprojekten 227 MW industrielle Solarenergiekapazitäten neu errichtet, ihr Anteil betrug per Ende 2025 352 MW. Die Windkraftkapazität Finnlands stieg 2025 auf fast 9500 MW und sorgte für 36 Prozent der finnischen Stromversorung, was ganz knapp an die Atomkraft herankommt. In Summe hat ein Mix aus Erneuerbaren Energien auch in Finnland die Kernkraft überholt.