Female-led Teams und Deep Tech: Österreichs grüne Startup-Elite steht fest
Wien - Für das nationale Finale des ClimateLaunchpad am 9. Juni haben sich neun Startups qualifiziert – und setzen dabei neue Maßstäbe. Noch nie war der Anteil weiblicher Gründerinnen so hoch, noch nie der technologische Anspruch der Projekte so ausgeprägt.
Mehr als 70 Prozent der Einreichungen kamen heuer von rein weiblichen Teams oder Teams mit weiblicher Beteiligung. In der Finalrunde sind Frauen sogar in acht der neun Startups vertreten. Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Trend zu Deep-Tech-Lösungen – von KI-gestützter Wasserüberwachung bis hin zu innovativen Materialien und Sensortechnologien.
Organisiert wird der Wettbewerb in Österreich vom Wiener Think Tank Thinkubator, der bereits im Vorjahr das globale Finale im Rahmen des Climate Innovation Festivals erstmals nach Wien holte. Die Latte liegt entsprechend hoch: 2025 setzte sich das südafrikanische Startup SeaH4 gegen Konkurrenz aus über 40 Ländern durch. Auch heimische Projekte konnten zuletzt überzeugen – etwa Minimist, Sieger der österreichischen Vorrunde 2025, das kürzlich ein Investment von einer Million Euro sichern konnte.
„Der Erfolg zeigt, dass grüne Ideen aus Österreich internationales Potenzial haben“, sagt Thinkubator-Co-Founder Felix Ambros. „Mit dem heurigen Jahrgang wollen wir daran anknüpfen.“
Die Bandbreite der diesjährigen Finalist:innen ist groß: Das Startup Baltic Jungle LAB etwa entwickelt Systeme, die Mikrofaserausstöße in der Textilindustrie direkt an der Quelle messbar machen. HanfBauSysteme setzt auf CO₂-negative Baustoffe aus Hanf, während NEREIA an umweltfreundlichen Technologien gegen Bewuchs an Schiffsrümpfen arbeitet.
Andere Projekte reichen von robotischen Wartungssystemen für Solaranlagen (ReneTrax) über digitale Plattformen für Kreislaufwirtschaft (Repartum) bis hin zu neuen Materialien für die atmosphärische Wassergewinnung (SORBAIR). Auch die Modebranche ist vertreten: „Own Your Closet“ will mit KI und Tauschsystemen die Lebensdauer von Kleidung verlängern.
Den ersten Meilenstein haben die Teams bereits hinter sich: Ende April arbeiteten sie in einem intensiven Bootcamp an Geschäftsmodellen und Pitch-Strategien. Am 9. Juni treten sie nun beim Finale im Wiener MuseumsQuartier gegeneinander an – im Rahmen des Speak Out Festivals.
Für die Gewinner:innen geht es anschließend zum globalen Finale, das heuer in Singapur stattfindet. Dort treffen die besten grünen Startups aus aller Welt aufeinander.
Hinter dem ClimateLaunchpad steht ein internationales Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand. In Österreich unterstützen unter anderem die Wirtschaftsagentur Wien, BDO Austria, das KURIER Medienhaus sowie Partner aus Forschung und Industrie das Programm.
Seit seiner Gründung hat ClimateLaunchpad weltweit mehr als 5.000 Startups begleitet und Investitionen von über 500 Millionen Euro ermöglicht. Ziel bleibt es, aus innovativen Ideen tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln – und damit konkrete Lösungen für die Klimakrise voranzubringen.
● Baltic Jungle LAB: Bietet Textilfabriken In-Pipe-Systeme, die Abwasser in Echtzeit-Daten umwandeln, um Mikrofaserausstöße direkt an der Quelle zu senken.
● HanfBauSysteme: Produziert vorgefertigte, CO2-negative Hanfkalk-Paneele für den Bausektor, die für hervorragende Isolierung und ein gesundes Wohnklima sorgen.
● Joyh: Ein Building-Technology-Startup, das die Gebäudehülle neu denkt. Indem es mineralischen 3D-Druck mit einer eigenen Design-zu-Produktions-Software verbindet, werden aus Ideen Fassadensysteme, die leistungsstark, anpassungsfähig und langlebig sind.
● Own your Closet (OC): Eine „phygitale“ Fashion-Plattform, die mittels KI-Stylist und Tausch-Community dafür sorgt, dass Kleidung länger im Kreislauf bleibt.
● NEREIA: Entwickelt ungiftige Antifouling-Technologien für Schiffe, um biologischen Bewuchs zu verhindern, was der Schifffahrtsindustrie bis zu 200 Mio. Tonnen CO2 einsparen könnte.
● ReneTrax: Entwickelt intelligente robotische Wartungssysteme für großflächige Solaranlagen, die die Reinigung automatisieren und eine effizientere Wartung ermöglichen, um Energieverluste, Betriebsaufwand und Wasserverbrauch zu reduzieren.
● Repartum: Eine digitale Plattform für die Kreislaufwirtschaft, die wiederverwendete und aufbereitete Ersatzteile aus Altgeräten zugänglich macht, die Lebensdauer von Produkten verlängert und Elektroschrott reduziert.
● re:state: Das Ende von Dekor-Abfällen. Durch ein proprietäres Material aus Nebenprodukten
und einen geschlossenen Kreislauf werden Interior-Design-Objekte bei minimalem
Energieaufwand (90 % weniger als bei der herkömmlichen Fertigung) endlos neu geformt.
● SORBAIR: Neudefinition der atmosphärischen Wassergewinnung durch absorbierende
Materialien der nächsten Generation, mit einer Performance, die herkömmliche Standards um
ein Vielfaches übertrifft.